BÜCHERBÖRSE

Wurst für Kopenhagen - Ein Kommentar

Conchita Wurst (c) Paz Stammler Photography
Conchita Wurst

In Kopenhagen geht es nächstes Jahr im doppelten Sinne um die Wurst: Conchita, die bei der Vorauswahl 2012 knapp hinter den zwei Powacklern lag, wird uns nächsten Frühling beim Song Contest vertreten.

So viel steht fest. So fest, wie die Einsparungsmaßnahmen des ORF. Nicht fest - sondern vielmehr in den Sternen - steht, mit welchem Song sie antreten wird. Sicher ist, dass sich die Meinungen der Nation über die bärtige Kunstfigur mit wallendem Haar spalten.

Auf Facebook existieren neben einigen Fanseiten wie der offiziellen Conchita-Seite (mit aktuell über 17.000 Likes) auch "Hass-Seiten", deren Anhänger es sich quasi zum Beruf gemacht haben, die Wurst zu verwursten. Abgesehen von "Is ma Conchita Wurst" und ein paar anderen Seiten trägt eine Gemeinschaft den vielsagenden Namen "NEIN zu Conchita Wurst beim Song Contest" und erfreut sich mit über 29.000 Likes (Zahl steigt stetig an!) wesentlich größerer Beliebtheit als die Fanpage. Obendrein wird dabei ein Link zu einer Petition gegen den Auftritt des Künstlers beim Song Contest beworben. Ganz kalt lässt das die Wurst nicht, wie man den News ihrer Homepage entnehmen kann.

Dies alles wirft Fragen auf - Fragen, die wohl erst nächsten Mai mit Sicherheit beantwortet werden können: Wie wird der Travestiekünstler international aufgenommen werden, wenn er schon in Österreich die Meinungen dermaßen spaltet? Setzt seine Nominierung ein Zeichen von Aufgeschlossenheit und Toleranz oder wird er vom Publikum vielmehr belächelt werden? Und nicht zuletzt: Hat die Wurst bei einem solch kommerziellen Ereignis im teils konservativen Europa eine Chance? Man darf gespannt sein.

Jutta Zegermacher

Jutta Zegermacher | Redakteurin

jutta.zegermacher (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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