BÜCHERBÖRSE

FKA Twigs - EP 2

FKA Twigs - EP2 (c) Young Turks
FKA Twigs - EP2

Vier Lieder-EPs haben zumeist nur ein Highlight, jene von FKA Twigs hat immerhin zwei. Die "EP 2" der britischen Trip-Hop-Musikerin ist experimentell und phasenweise entsprechend interessant, klingt zuweilen aber auch mal nach Schreibblockade.

Riesen-Augen und Wackelkopf

Als sich FKA Twigs im Dezember des Vorjahres mit einem Bandcamp-Release vorstellte, ging das nicht spurlos an der Indie-Szene vorbei, für wirkliches Aufsehen sorgte die britische Mittzwanzigerin aber erst vor einigen Wochen mit der Single "Water Me". Kanye West-Kollaborator Arca, der die komplette EP produziert hat, bastelte einen interessanten Sound aus nachhallenden Beats und verzerrten Stimmen, über den Twigs eher sprach als sang. Nicht zuletzt der Text, der ein zutiefst unangenehmes Maß an Untergebenheit ausdrückte, verlieh dem Track eine Ambivalenz von Unbehaglichkeit und Schönheit. Die perfekte Ergänzung zum "Erlebnis Water Me" schuf Jesse Kanda mit dem gut produzierten, aber zugleich extrem minimalistischen Musikvideo. Hat man den Clip erstmal ein, zwei Mal zu oft gesehen, sind Twigs' böse scheppernder Kopf und die immer größer werdenden Pupillen kaum mehr vom Song zu trennen.

Die zweite EP der Künstlerin startet zunächst aber mit einem weitaus schlechter ausbalancierten Song, "How's That". Dem Minimialismus bleibt FKA Twigs treu, wobei dieser Song zunächst einem recht klassischen Trip-Hop-Muster zu folgen scheint. Der langsame Beat wird sachte dramatisiert und bei genauem Hinhören kristallisiert sich sogar so etwas wie ein wiederkehrender Mini-Refrain heraus. Immer wieder bricht sie allerdings diesen Ablauf, wendet sich nach etwa zwei Dritteln des Songs endgültig davon ab und verliert sich dann in einem Wirrwarr, der wohl als emotionale Steigerung verstanden werden sollte, dem Lied im Endeffekt aber einen sehr formlosen und faden Abgang beschert. All das wäre allerdings noch tragbar, würde der Track nicht von einem viel zu laut gemischten und unerträglich blöden, ich kann es nicht anders ausdrücken, Autoblinker-Beat zerstört werden.

Noch so ein cooles Video und ein solider Abschluss

Natürlich ist Trip-Hop nicht unbedingt das perfekte Genre für Banger und Ohrwürmer, FKA Twigs muss aber aufpassen, nicht allzu sehr in die "Beim einen Ohr rein, beim anderen wieder raus"-Falle zu tappen. Am stärksten umgeht sie diese mit der zweiten Single der EP, "Papi Pacify", das ein sexuell aufgeladenes und erneut extrem gut funktionierendes, den Song ergänzendes Weirdo-Video gespendet bekam. Musikalisch erinnert das Stück zunächst ein wenig an den Opener, wieder ein langsamer Beat, Tempo-Varianz scheint nicht die größte Stärke der Britin zu sein. Immerhin bleibt aber der Autoblinker aus und in weiterer Folge steigert sich "Papi Pacify" in einen Art Refrain, der das catchigste Element der kompletten EP darstellt. Ein nun etwas lauter scheppernder Beat und ein grundsolides Stimmenspiel sorgen fast schon für so etwas wie einen Ohrwurm. Auch hier ist kein kompletter Song entstanden, aber einer der Mut und Laune macht auf das, was von Twigs noch so kommen wird.

Wenn man jemanden für "EP 2" ein echtes Kompliment aussprechen kann, ist das Arca (Autoblinker sei verziehen), der auch beim Closer "Ultraviolet" sein Bestes gibt, zunächst völlig verzerrte Echos als Grundlage nimmt und dann mit hohen Synthie-Klängen so etwas wie Licht in den düsteren Trip-Hop-Tunnel bringt. Der Song selbst ist okay und immerhin sieht man von Twigs' Stimme, mit der sie ungeahnte Tonhöhen erklimmt, eine Art neue Facette.

Naja

Am Ende bleibt aber festzuhalten, dass Twigs, trotz der zum Großteil toll produzierten Nummern, sowohl als Songwriterin als auch als Sängerin (noch) nicht genug gelungen ist, um bei mir allzu große Vorfreude auf den ersten Langspieler aufzubauen. Die Produktion ist da, die Stimmung auch, aber momentan sind die Endprodukte noch allzu sehr von ihren Videos abhängig.

FKA TWIGS - EP 2
UNIMAG-Rating: 
Trip-Hop/Experimental
4 Titel, 15:00 Minuten
Young Turks, 17.09.2013

FKA Twigs - Papi Pacify (YouTube)

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

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