BÜCHERBÖRSE

Waves Vienna: Wellenreiten mal anders

Múm live im Wiener Flex (c) Petra Püngüntzky
Múm live im Wiener Flex

Das Waves Vienna als Showcase-Festival fand heuer bereits zum dritten Mal im Herzen Wiens statt. Mit dabei auf den 16 Bühnen entlang des Wiener Donaukanals und der Praterstraße waren musikalische Größen wie CSS, Slut, SOHN, Múm oder Au Revoir Simone, aber auch weniger etablierte Newcomer, die es zu entdecken galt. Die Schwerpunktländer waren getreu des Mottos "East Meets West" Belgien und Slowenien.

Am diesjährigen Waves Vienna Festival gibt es nicht viel zu bemängeln - eigentlich nur eines: Die unfassbare Anzahl an guten Bands und Musikern, die einem auf dem Silbertablett serviert wird und einen fast um den Verstand bringt. Könnte man sich doch bloß von einer Location zur nächsten beamen. Aber auch ganz ohne Übermenschlichkeit und Zauberkräfte blicken wir nun auf drei wunderbare Tage und vor allem Nächte zurück.

Tag 1

Eröffnen durfte am Donnerstag in wunderbarer Kulisse des Odeon Theaters Magic Arm aus Manchester, der seinem Namen gerechten magischen Indie Pop mit Klassikeinflüssen zum Besten gab, was sich zwischen den Säulen der Odeon Bühne besonders gut machte. Gleich im Anschluss ging es zu Amatorski ins Flex. Die Belgier überzeugten mit träumerisch melancholischen Melodien und Songs über Liebe und gebrochene Herzen. Ganz anders das deutsch-österreichische Duo Fijuka, das mit seinem dunklen, aber zugleich humorvollen Pop das erste Highlight des Festivals lieferte. Kurz darauf standen dann schon wieder Belgier im Flex auf der Bühne. Keine Geringeren als Girls In Hawaii gaben sich die Ehre, die in ihrer Heimat und in Frankreich bereits seit vielen Jahren große Erfolge feiern - und das, wie sich herausstellte, völlig zurecht!

Fijuka @ Waves Vienna Girls In Hawaii @ Waves Vienna

Danach wurde es auch mal Zeit, sich etwas warm zu tanzen, waren die Temperaturen am Donaukanal doch sehr eisig. Allerbestens ging das zu Say Yes Dog, die man auf jeden Fall zu den Highlights des Festivals zählen kann: Sehr tanzbarer, charmanter Elektro-Pop irgendwo zwischen The Whitest Boy Alive und Phoenix. Um die gute Stimmung zu erhalten, machten wir uns anschließend auf den Weg zu CSS ins Flex, die mit freundlich-ungestümen Elektro-Pop das zahlreich erschienene Publikum erstmals so richtig ins Schwitzen brachten. Damit konnte das skurrile Parallelprogramm im Flex Café mit Japanther dann doch nicht ganz mithalten.

Heimische Bands durften natürlich auch nicht zu kurz kommen, also ging es anschließend ins Fluc, wo Velojet ihr neues Album "Panorama" vor vollem und begeistertem Haus präsentierten. Weil im Fluc die Stimmung und das Line-Up so super war, konnte man schließlich noch getrost zu den Elektro-Beats von Nathan Fake und A.G. Trio durch die Nacht tanzen oder noch einen kurzen Abstecher zu Oscar & The Wolf ins Clubschiff machen, wo die Belgier eine großartige Mischung aus Dream-Pop, Indie und Folk zum Besten gaben.

CSS @ Waves Vienna Oscar & The Wolf @ Waves Vienna

Tag 2

Wenn schon so viele Boote als Locations zur Verfügung stehen, muss man auch mal auf einem fahren. Gesagt, getan - und zwar bei "Wunderbar – German Bands on Board", wo es auf nicht ganz so hoher See - nämlich am Donaukanal - Elektropop von Roosevelt, Indie-Rock von Hurricane Dean und Retro-Pop von Marla Blumenblatt zu sehen und zu hören gab. An Land begeisterten währenddessen gleich zwei Acts im Wiener Flex - nämlich Nowhere Train aus Österreich sowie die sympathischen Schweizer von My Heart Belongs To Cecilia Winter, die Anfang nächstes Jahres ihr neues Album "Midnight Midnight" veröffentlichen werden.

Nowhere Train @ Waves Vienna My Heart Belongs To Cecilia Winter @ Waves Vienna

Eine Band, die dieses Jahr unter die Kategorie "most hyped, und zwar zurecht" fiel, sind sicherlich die holländischen Garagen-Rock-Jungs von Mozes & The Firstborn, die eine ziemlich phänomenale Show hinlegten und von denen man noch ganz viel hören mag! Indes herrschte auch bei Slut im Flex volles Haus. Die fünfköpfige Band sorgte mit einigen neuen, aber vergleichsweise vielen alten Songs für ein wunderbares Set, das mit dem "Haifisch"-Lied aus Berthold Brechts "Dreigroschenoper" beendet wurde. Das Ende eines gelungenen Abends läuteten schließlich noch einmal Hurricane Dean aus Deutschland im Clubschiff ein, bis Cid Rim in der Pratersauna den gewaltigen, elektroiden Abschluss lieferte.

Slut @ Waves Vienna Hurricane Dean @ Waves Vienna

Tag 3

Erste Erschöpfungserscheinungen der vergangenen Tage machten sich bemerkbar, weshalb wir den letzten und dritten Tag sehr entspannt starteten - und zwar mit dem Delegates Cruise, der alle ProPass-Holder und Gewinner einer Verlosung von Wien nach Bratislava chauffierte. Dort fand am Samstag nämlich mit Waves Bratislava der zweite Teil des Festivals statt: Drei Stunden Bootsfahrt mit musikalischer Untermalung von The Beth Edges, Coshiva und Gin Ga. Letztere hinterließen einen besonders positiven Eindruck.

Bevor es zurück nach Wien ging, wurden wir noch mit der schlechten Organisation der Shuttle-Busse, die zwischen den Schwesterstädten verkehren sollten, konfrontiert und mussten schließlich aus Platzmangel eine Stunde in der Kälte verharren, um nicht beim nächsten Bus nochmals um einen Platz kämpfen zu müssen.

Gin Ga @ Waves Vienna Gin Ga @ Waves Vienna

Wie muss ein Wiener Festival dann (fast) abgeschlossen werden, wenn man endlich den Weg nach Hause gefunden hat? Natürlich mit einer der besten Wiener Bands, die es gibt: Die fabelhaften Kreisky hauten im Flex gewohnt gut und mit den besten Zwischenansagen auf den Putz. Man kann sich schon einmal auf ihr neues Album freuen. Anschließend ging es ab ins randvolle Odeon Theater, denn dort spielte dann der, auf den sehr viele Festivalbesucher sehnlichst gewartet hatten: SOHN schickte sein Publikum für gut 45 Minuten auf eine musikalische Reise in eine andere Welt, was wohl vielen noch eine Weile im Gedächtnis bleiben wird. 

Anschließend zog es die Massen zurück ins Flex, wo die Isländer von Múm für geteilte Meinungen sorgten. Einigen war ihr Set zu eintönig und langweilig, andere hingegen verloren sich gänzlich in den träumerischen Klängen und sanften Stimmen der Band. Zum krönenden Abschluss gab es für uns dann noch einmal einen Stilwechsel in der Pratersauna und im Fluc, wo sich unter anderem Wandl und Julian & der Fux die Ehre gaben.

SOHN @ Waves Vienna Múm @ Waves Vienna

Was bleibt, sind wunderbare Konzerterinnerungen, zahlreiche Neuentdeckungen und die Vorfreude auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr! Und vielleicht klappt das mit dem Beamen bis dahin auch.

Bilder: Petra Püngüntzky

Louise Lässig

Louise Lässig | Redakteurin

louise.laessig (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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