BÜCHERBÖRSE

#TBEcrowdfunding: The Beth Edges im Interview

The Beth Edges starten Crowdfunding-Kampagne (c) Andreas Jakwerth
The Beth Edges starten Crowdfunding-Kampagne

Seit mehr als sechs Jahren beehren uns The Beth Edges schon mit ihrer wunderbaren Musik. Nach zwei fantastischen Alben haben sie sich nun dazu entschlossen, ihren dritten Longplayer etwas anders zu produzieren - und zwar mit der Hilfe ihrer treuen Fans. "Machen statt Jammern" lautet dabei ihr Motto, denn die nächste Platte soll via Crowdfunding finanziert werden - das heißt also, sie wird durch die Hilfe vieler Menschen finanziert, die im Gegenzug mit exklusiven Packages belohnt werden. Mit uns plauderten die Jungs noch etwas genauer über ihr neues Projekt.

Gerade ist euer Crowdfunding-Projekt via Indiegogo angelaufen. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euer neues Album mit Hilfe eurer Fans zu finanzieren? Hierzulande ist diese Methode ja noch nicht weit verbreitet, oder?

Das stimmt. Und genau in diesem Punkt liegt ein großer Anreiz. Wir haben uns das irgendwie an die Fahnen geheftet: Neue Wege ausprobieren, viel selber machen. Das sind dann immer wahnsinnig wichtige Lernprozesse. Es ist uns mit dieser Aktion einfach wichtig, die Fans - besser gesagt die Unterstützer - dabei zu haben. Sie sollen miterleben und sehen, wie ein Album entsteht, was alles dazu gehört, sie sollen es mitgestalten können. Denn gerade das macht es doch so aufregend. Ein Album ist zeitlos, das kann man sich in 10 Jahren immer noch aus dem Plattenschrank holen und ansehen, anhören. Wenn man dann selbst Teil davon ist, ist das ein unfassbar wertvoller Moment.

Steht dieses Projekt in irgendeinem Zusammenhang mit der Streichung der Unterstützung für den österreichischen Musikfonds durch den ORF oder war es schon vorher geplant?

Wir hatten das schon vorher geplant. Aufgrund der generellen - sagen wir "mageren" - Förderungen für Popularmusik ist man als Künstler automatisch von einer Jury oder einem Gremium, einem Roundtable sozusagen, abhängig, die entscheiden, welche Musik gefördert wird und welche nicht. Das ist nicht immer wünschenswert bzw. macht die Sache nicht einfacher. Crowdfunding bietet die Möglichkeit, es selbst in die Hand zu nehmen. Das soll nicht heißen, dass wir nicht über den Musikfond froh sind, viele KünstlerInnen hätten ohne diese Unterstützung wahrscheinlich gar nichts aufnehmen können; inklusive uns. Das schätzen wir auch sehr. Aber es ist furchtbar schade, dass man in diesem Land als Band fast flehen muss, diese Unterstützung zu bekommen. Die Anna Netrebko hat diese Probleme vermutlich nicht...

Wollt ihr euren Musikerkollegen ein Vorbild sein und ein Zeichen setzen, dass man nicht nur über zu wenig Mittel meckern soll, sondern sein Schicksal - wie ihr so schön sagt - selbst in die Hand nehmen kann?

Wir sind uns dessen bewusst, dass das ein riskanter Weg ist. Aber wir kennen viele Kollegen, die wahnsinnig tolle Musik machen und trotzdem nur jammern über die gegenwärtigen Strukturen in Österreich. Das wollen wir eben einfach nicht. Wir sind jetzt verantwortlich für diese Sache, wir treten dafür ein. Was dann rauskommt, wird man sehen. Es ist einfach für uns wahnsinnig aufregend, das loszustarten. Ob wir Nachahmer finden, ist natürlich wünschenswert. Vorausgesetzt diese Aktion funktioniert auch.

Was können sich die Fans von eurem neuen Album erwarten - abgesehen davon, dass es das "abgefahrenste ever" wird? Sind eure Ideen schon ausgereift und könnt ihr uns etwas mehr über die Songs verraten?

Das ist eine gute Frage, haha. Ja, wir basteln seit dem Sommer wirklich sehr intensiv an neuen Sachen und dieses Feuer, diese Energie, die wir da seitdem als Band in uns drinnen haben, das ist unbeschreiblich. Das kann man sich dann ein bisschen wie einen Schneeball, der langsam wirklich Fahrt aufnimmt, vorstellen. Es ist immer schwierig, über Songs zu sprechen, die noch nicht ganz fertig sind. Das ist wie bei einem Koch, der eine Suppe zusammenhext. Ein bisschen was fehlt noch und dann schnalzen wir die Brühe auf den Tisch. Und wir sind tatsächlich davon überzeugt, dass es die abgefahrenste Suppe ever sein wird. 

Eure Unterstützer bekommen als Dank ja auch etwas von euch zurück. Wie darf man sich beispielsweise ein Meet & Greet mit euch vorstellen? Bleibt an Auftrittsabenden überhaupt noch viel Zeit, mit den Fans zu plaudern?

Für die Leute, die dieses Paket wollen, nehmen wir uns natürlich so viel Zeit. Und glaub mir, es bleibt da nicht nur beim Plaudern. Wir haben schon vor, diese Leute aktiv einzubinden. Mit ihnen zu essen, zu trinken, ihnen zu zeigen, wie es sich anfühlt, einen Gig zu spielen, Backstage zu sein. Der Tobi kann ihnen dann auch gerne Einsingübungen zeigen, haha.

Für alle Skeptiker solcher Kampagnen: Wohin fließt das Geld genau? Wenn man kein Musiker ist, ist es oft schwer nachzuvollziehen, was an einem Album so viel Geld frisst, dass man dafür gleich eine Kampagne über 10.000 Euro startet.

Das Geld fließt zur Gänze in die Albumproduktion. Vorangestellt sei gesagt, dass sich ein qualitativ hochwertiges Album mit 10.000 Euro nicht finanzieren lässt. Natürlich kommt es drauf an, wie lange wir brauchen, aber an einem Album arbeiten unzählige Menschen: Ein Mixer, Engineer, Mastering-Leute. Zum Beispiel: Ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass ein Tag bei Steve Albini, der unter anderem Nirvana produziert hatte, einen hohen dreistelligen Betrag kostet. Alleine die Studiomiete für's Mixing frisst einen beträchtlichen Teil dieser Summe. Da sind aber Kosten wie CD-Pressung, Artwork und dergleichen noch nicht eingerechnet.

Was würdet ihr machen, wenn das Projekt nicht erfolgreich ist und ihr die 10.000 Euro-Marke nicht erreicht? Was passiert vor allem mit dem Geld, das ihr bereits gespendet bekommen habt - oder denkt ihr an so etwas noch gar nicht?

Das Gute an der Indiegogo-Plattform, bei der wir unser Crowdfunding Projekt laufen haben, ist, dass es flexible funding betreibt. Das bedeutet, dass wir jeden Euro auch tatsächlich bekommen. Auch wenn die Marke nicht erreicht wird. Je mehr wir sind, desto aufregender und besser wird das Album. Bekommen wir jetzt, wider Erwarten, eine Million auf das Konto gespült, dann werden wir vermutlich die Wiener Philharmoniker und die vorhin erwähnte Anna Netrebko ins Studio einladen.

Könntet ihr euch vorstellen, so etwas von nun an öfter zu machen, wenn das Projekt erfolgreich verläuft?

Unbedingt. Wir selbst finden die Vorstellung, als Fan aktiv am Albumprozess beteiligt zu sein, wahnsinnig romantisch und aufregend. Wir würden jetzt zwar nicht Flos dringend benötigten Frisörbesuch crowdfunden, aber sollte die Aktion gut verlaufen, können wir es uns auf jeden Fall vorstellen, so etwas nochmal zu machen. 

Wir wünschen euch an dieser Stelle noch einmal viel Erfolg für eure Kampagne und danken euch für das Gespräch!

Die Band hat auch noch ein geniales und selbsterklärendes Video zur Crowdfunding-Aktion gedreht! Wenn ihr The Beth Edges also zum abgefahrensten Album ever verhelfen wollt, schaut doch mal auf ihre Indiegogo-Seite und unterstützt ihr Projekt - #TBEcrowdfunding!

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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