BÜCHERBÖRSE

Girls In Hawaii: Zurück im Leben

Girls In Hawaii im Interview (c) Simon Vanrie
Girls In Hawaii im Interview

Girls In Hawaii sind eine Indie-Pop-Band aus Belgien und entstanden aus den Tagtärumen der Teenager-Freunde Lionel Vancauwenberge und Antoine Wielemans. Sie schrieben Songs und fingen an, sich mit ihren kleinen Brüdern Brice und Denis eine eigene Welt aufzubauen. Dann aber kam der 30. Mai 2010: Denis fuhr alleine auf dem Weg von einem Gig nach Hause und verunglückte tödlich. In den folgenden zwei Jahren konnte nichts und niemand die Band trösten. Doch gleichzeitig hatten Lionel und Antoine eine Songidee nach der anderen. Mittlerweile feierten die Jungs ihr großes Comeback und Bassist Daniel Offermann sprach mit uns über ihre musikalische Entwicklung, diverse Tour-Erfahrungen und den visuellen Schwerpunkt ihrer Musik.

Ihr seid ganz offensichtlich keine Mädchen und kommt auch nicht aus Hawaii. Wie kam also der Bandname zustande?

"Girls in Hawaii" war der Titel eines Songs, den wir ganz am Anfang unserer Karriere gemacht haben. Eskapismus spielt da sicherlich eine entscheidende Rolle. Wir wohnen ja in Belgien, da ist es oft grau und trist. Der Song spricht davon, einfach auszubrechen. Damals hatten wir ein Konzert und brauchten spontan einen Namen für die Band und haben kurzerhand den genommen. Seitdem fragen uns die Leute, warum wir so heißen (lacht). Aber ja, wir haben nicht lange darüber nachgedacht, aber mittlerweile gefällt er uns sehr.

Für sechs Bandmitglieder ist es sicher oft schwer, Entscheidungen zu treffen. Wie läuft das bei euch ab?

Wir sind keine Basisdemokratie. Wir haben zwei Leute, die die Songs schreiben und auch oft das letzte Wort haben, aber das hat bisher immer ganz gut funktioniert. Manchmal dauert es natürlich etwas länger, bei vielen Sachen sind wir uns aber auch sehr schnell einig. Wir sind ja schon seit zehn Jahren unterwegs. Also so langsam kommt man auch schneller auf einen gemeinsamen Nenner.

Ich habe auch gehört, dass bei euren Shows visuelle Elemente eine zentrale Rolle spielen. Wer ist dafür verantwortlich?

Wir haben alle einen künstlerischen Background. Manche haben Fotografie studiert, manche Grafik - für uns war das immer ein Teil der Arbeit, der uns sehr interessiert hat. Auch Booklets, Albumcover und Videos anderer Bands inspirieren uns sehr. Gerade in dem Bereich hast du als Musiker die Chance, dem Ganzen einen ganz neuen Background zu geben und ein kleines Universum um deine Musik herum zu schaffen. Darum haben wir uns immer gerne gekümmert und viel selbst gemacht. Es macht einfach Spaß, wenn die Songs im Kasten sind und man ihnen durch die visuellen Elemente noch einen anderen Blickwinkel geben kann.

Wie würdet ihr eure Musik jemandem beschreiben, der ansonsten nicht viel mit Musik am Hut hat?

Ich glaube schon, dass sich bei uns eine Art roter Faden durch die Arbeit zieht. Wir haben viele Melodien - selbst wenn die Arrangements immer ganz unterschiedlich sind, ist das ein zentrales Element. Dadurch, dass wir sechs Personen sind, haben wir halt auch die Möglichkeit, dass wir die Songs unterschiedlich ausgestalten. Das Grundgerüst ist einfach eine Melodie, die man singen kann und die im Ohr bleibt.

Woher nehmt ihr denn eure Inspiration für neue Songs?

Unsere Songs sind immer sehr intim, also sprechen von dem, was wir gerade erleben. Als wir vor zehn Jahren angefangen haben, war das viel, was man halt als Jugendlicher erlebt. Mittlerweile würde ich sagen, ist unsere Musik gereift, so wie wir auch. Wir versuchen immer, in den Texten und Melodien sehr persönlich zu sein.

Ihr habt jetzt schon drei Alben herausgebracht. Wie würdest du eure Entwicklung beschreiben?

Ich glaube, dass wir versucht haben, uns mit jedem Album zu verändern und weiterzuentwickeln - aber so, dass es unserem Alter entspricht. Wir wollen mit 30 nicht so tun, als wären wir noch 18. Wir wollten einen Weg finden, wie Pop-Musik auch auf reiferer Basis gemacht werden kann. Die ersten Alben waren sehr Lo-Fi, sehr hausgemacht. Wir haben quasi alles selbst aufgenommen. Bei unserem letzten Album sind wir zum ersten Mal so richtig mit einem Produzenten ins Studio gegangen und haben viel an neuen Sounds gearbeitet. Zwar ist unsere Grundlinie, also die Melodien, immer noch gleich geblieben, aber unser Gewand hat sich doch ziemlich verändert. Das finden wir selbst ziemlich spannend, wenn man über zehn Jahre zusammen Musik macht und zurückblickt. Es gibt einfach immer neue Ansatzpunkte, Melodien neu zu verkleiden.

Diesen Sommer wart ihr unter anderem in China auf Tour. Wie kam es dazu und wie war eure Erfahrung? Kennt man euch dort?

Wir hatten unser Label gebeten, uns Auftritte zu verschaffen, die abseits der Orte liegen, wo man uns bereits kennt - einfach um uns nach drei Jahren Pause wieder zu finden. Wir brauchten einen geschützten Rahmen, um wieder zusammen auf der Bühne zu stehen. Die hatten Kontakte nach China, wo wir dann auch eine Woche lang unterwegs waren. Es war surreal. China ist wie ein anderer Planet. Die haben kein YouTube und Facebook und haben daher auch nicht den gleichen Zugang zu Pop-Musik, wie wir ihn beispielsweise haben. Du merkst aber, dass die Leute total neugierig und sehr aufnahmefähig für neue Musik sind. Also sie sind noch nicht so gesättigt wie hier in Europa. Hier bekommst du täglich Pop-Musik um die Ohren gehauen, dort hingegen ist es noch etwas Besonderes. Es hat wirklich Spaß gemacht.

In Belgien und Frankreich seid ihr dafür schon regelrechte Superstars. Was ist der Unterschied zwischen den eher kleinen Shows in neuen Locations und großen Auftritten in eurer Heimat?

Auf jeden Fall gibt es da einen großen Unterschied. Aber genau das ist auch so toll daran, dass du als Band einfach immer wieder in neue Situationen geworfen wirst. Wenn du in einer Halle mit 4.000 Leuten spielst, wo alle deine Songs kennen, dann hast du auch eine ganz andere Erwartungshaltung. Wenn du aber noch unbekannt bist, so wie wir auch in Wien noch unbekannt sind, dann ist man doch noch viel näher dran am Publikum. Du spielst ihnen direkt ins Gesicht, musst sie noch viel mehr von dem Können deiner Band überzeugen und an einer anderen Stelle abholen als eingefleischte Fans.

In all den Jahren seid ihr ja auch schon sehr viel herumgekommen. Gab es da auch Momente auf Tour, wo einfach alles schief gelaufen ist?

Oh jaaa (lacht)

Wie geht man damit um?

Ach, ich glaube, dass das auch ein Grund ist, warum Leute auf Konzerte gehen. Du hast einfach immer dieses Risiko. Und gerade die Momente, in denen der Strom ausfällt und gar nichts mehr geht, sind genau die, die dem Publikum in Erinnerung bleiben werden und wo alle ausflippen, weil es etwas Besonderes ist. Sie merken dann, dass nicht alles einstudiert und durch ein Drehbuch geleitet sondern eben LIVE ist. Ich bin auch ein leidenschaftlicher Konzertgänger und ich behalte von Konzerten auch die Situationen, in denen die Band nicht genau weiß, was gerade passiert, und einfach weitermacht. So eine Improvisation mag ich bei Gigs einfach total - wenn du auch als Band den Freiraum hast, nicht alles nach Schema F machen zu müssen, sondern auch mit unvorhersehbaren Dingen umgehen kannst. Die Leute honorieren das, denke ich, wenn du eben nicht jeden Abend die gleiche Setlist hast und eine einstudierte Choreographie vorträgst.

Und zu guter Letzt: Wenn ihr in der Zeit zurückreisen könntet, würdet ihr irgendetwas anders machen?

(denkt sehr lange nach) Nö (lacht)

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Unsere Empfehlung: Hier könnt ihr in die zwei neuesten Singles von Girls In Hawaii "Misses" und "Not Dead" reinhören!

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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