TRAINEEPROGRAMME

"Schlaflos" mit Jennifer Rostock

Jennifer Rostock - "Schlaflos" (c) Warner Music
Jennifer Rostock - "Schlaflos"

Die Berliner Band Jennifer Rostock meldet sich am 17. Januar 2014 endlich wieder mit ihrem neuen Album zurück. Das Stück trägt den Namen „Schlaflos“ und ist bereits die fünfte Platte der Band nach drei Studioalben und einer Live-Veröffentlichung.

Die Vorproduktion und Demoaufnahmen fanden in einem Studio in Hannover statt. Danach ging es bereits zum zweiten Mal nach New Jersey, um dort die Finalproduktion zu starten. Schon für das Vorgänger-Studioalbum „Mit Haut und Haar“ (2011) quartierten sich die Fünf in New Jersey ein, um am Album zu basteln. Chris Badami, Produzent der 2011er Platte und des aktuellen Werks "Schlaflos" betreute die Band wieder in seinen Studios in den USA.

Nach ein paar Wochen Aufnahme kehrten Jennifer (Gesang), Joe (Keyboard), Christoph (Bass), Alex (Gitarre) und Christopher (Schlagzeug) wieder zurück nach Berlin um dem Album dort den letzten Feinschliff zu verpassen.

Heraus kam ein neues Meisterwerk mit 13 Titeln

Der Opener trägt den Titel „Zeitspiel“. Bereits bei der ersten Zeile bekommt man als Hörer die Stimme von Jennifer um die Ohren gehauen. Der Song geht kräftig und schnell los. Ein wenig erinnert er an die Anfangszeiten von Jennifer Rostock, gewohnt rockig mit einem Hauch Punk, Geschrei und der sehr hohen Wortfrequenz von Jennifer. Der ein oder andere Festivalbesucher kennt den Song vielleicht schon. Denn im Sommer wurde er bereits auf einigen Konzerten live gespielt und als Appetithappen zum neuen Album vorgestellt.

Weiter geht es mit der bereits zweiten Singleauskopplung „Phantombild“, welche am 6. Dezember 2013 veröffentlicht wurde. Der Song ist ein Mix aus sehr melodischen Strophen und einem überaus rockigem Refrain.

Du nimmst mir die Angst“ heißt das dritte Stück auf dem Album. Mit großen Ohrwurmqualitäten kommt der Song um die Ecke. Auf diesem Lied fällt Jennifers breitgefächerte Stimme sehr auf. Höhere Töne werden immer wieder von schnelleren und tieferen Tönen im Refrain gebrochen. „Du hast zum Äußersten gegriffen und mein Innerstes erreicht“ heißt es im Text und man kann dabei nur zustimmen. Denn genau das verkörpert dieser kraftvolle Song mit dem schönen Text.

Mit schnellen Gitarrensounds geht der nächste Song „Bis hier und nicht weiter“ los. Eigentlich wird ein kraftvolles Stück erwartet, doch der Song wird beim Refrain leise. Trotzdem wirkt das Lied nicht zu balladesk, denn immer wieder sind laute Töne zu hören. Auch bei diesem Song merkt man, wie sehr Jennifers Stimme sich gegenüber zum ersten Album von 2008 verändert und durchaus noch verbessert hat.

An fünfter Stelle befindet sich die erste Auskopplung vom 16. September 2013 namens „Ein Schmerz und eine Kehle“. Der Song als Erstveröffentlichung klang damals schon sehr vielversprechend und auch ein wenig anders. Jennifers schnellgesprochene Reime auf einem Hip-Hop-artigen Beat lassen Rap-Einflüsse anklingen, die zwischendurch immer wieder gebrochen und von Gitarrenriffs und harten Beats hochgeschraubt werden. Die vielen Wortspiele im Song sind wieder typisch Jennifer Rostock, wie zum Beispiel „wenn du in dich gehst, dann geh‘ nicht unbewaffnet“ oder „der rote Faden ist ein Stacheldraht“ in der zweiten Strophe, bis der Song schließlich mit einem Schlagzeug-Beat endet, der unter die Haut geht. Im dazugehörigen Video bezieht die Band Stellung zur immer noch aktuellen politischen Situation in Russland. „Rage Against The Putin“ wird als klares Statement gegen die Homosexuellen-Diskriminierung eingesetzt.

„Eins, zwei, drei vier“ wird der nächste Song von Schlagzeuger Christopher angekündigt. „K. B. A. G.“ nennt sich das gute Stück, was „Kein Bock aber Gästeliste“ bedeuten soll und stark rockt. In diesem Song spricht die Band all diejenigen Leute und Kritiker an, die ihnen ständig nachsagen, sie seien zu kommerziell geworden und ihnen ginge es nur um ihr Ansehen oder um ihr Image. Auf ironischste Weise behandelt die Band das Thema mit den Zeilen „Wir brauchen eine Hook, die jeden gleich berührt. Und wir brauchen einen Text, den jeder gleich kapiert. Und wir brauchen einen Sound, der im Radio funktioniert. Und dazu eine Fanbase, die kräftig konsumiert.“ Später heißt es zum Beispiel „Für Indie zu schön, für Mainstream zu obszön“, was einem beim Hören ein breites Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Ebenfalls Worte wie „Kein Preis, aber x-mal nominiert“ oder „Einmal kurz in den Charts, morgen fahren wir wieder schwarz“, sind Jennifer Rostocks Antwort auf all ihre „Hater“. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, gibt es auch glatte vier Featurings bei diesem Song. Alle Gäste besingen dieselbe passende Textzeile, nämlich „Wo kriegen wir ein Feature her, das keinen interessiert.“ Mit dabei sind Sebastian von Madsen, Jen von Grossstadtgeflüster, MC Fitti und Monchi von Feine Sahne Fischfilet. Dieser Genre-Mix und das Zusammenspiel all dieser Gäste und Textzeilen machen dieses Lied zu einem ganz besonderen Stück der Platte.

Mit harten Gitarrenriffs und stampfenden Drums geht der nächste Track „Der blinde Passagier“ los. Zum Ende hin explodiert der Song und Jennifer schreit ihre Worte raus, bekannt kratzig und laut – einfach herrlich.

Echolot“ heißt das achte Lied auf dem Album. Mit einem unheimlich eingängigen Beat startet der Song und geht direkt ins Ohr. Die Drums schlagen hart zu, Jennifers Stimme passt sich perfekt an den Sound an. Der Song beschreibt die Ausweglosigkeit in so manchen Beziehungen mit Worten, wie „Denn schon lange genug, sitzen wir im selben Boot. Ohne Vision, ohne Navigation, ohne Echolot.“

Eine Hommage an den guten alten Alkohol findet man beim nächsten Track „Wenn der Wodka zweimal klingelt“. Darauf wird die Liebe zum Spiritus der Band besungen, denn Jennifer Rostock Fans wissen, dass die Fünf den alkoholhaltigen Getränken nicht gerade abgeneigt sind. Auf Konzerten wird gern einmal der ein oder andere Schnaps getrunken und es geht immer feucht fröhlich zur Sache. Mit den passenden Worten „Und je tiefer ich in‘s Glas schau‘, desto höher schlägt mein Herz“ endet das Lied.

Danach ertönt der Song „Hollywood“. Ein mutmachender Text über Neuanfänge und über das Wieder-Aufstehen und Weitermachen. Ein schönes Stück zwischendurch, das sowohl in schwierigen Zeiten gehört werden kann und Mut macht, als auch gut in den kommenden Sommer zum mitträllern passt.

Der elfte Track nennt sich „In den Sturm“. Ein Lied über Widerstand, das sich auch soundtechnisch gegen alles stellt. „Dreh‘ dich um, dreh‘ dich in den Sturm. Stell dich quer, lass sie sehen, dass wir am Leben sind“, heißt es im Refrain. Der Schlagzeugbeat von Beginn an lässt die Beine der Hörer mit Sicherheit nicht unberührt und man muss einfach im Tackt mitwippen.

Der vorletzte Song „Tauben aus Porzellan“ startet mit einem schönen Chorgesang. Abwechselnd wird der Titel dadurch, dass im Refrain sehr rockige Passagen gespielt werden und in den Strophen ruhigere Töne anklingen.

Zum Schluss hört man den Titel und Namensgeber des Albums, „Schlaflos“. Mit wunderschönen minimalistischen Klaviertönen beginnt der Song. Jennifers Stimme setzt ein und klingt sehr zerbrechlich. Beim Hören der ersten Zeilen bekommt man beinahe den Eindruck, dass Jennifer beim Singen der gefühlvollen Textzeilen fast daran zerbricht – sehr still, sehr anrührend. Zum Ende hin bricht der Song aus und die Stimmung ändert sich und kleidet den Song in ein eher aufwühlendes Gewand. Schöner kann dieses Album nicht enden.

Neben der einfachen Version des Albums wird es auch eine limitierte Deluxe Fanedition geben. Darin enthalten sind die beiden anderen Platten, das Unplugged-Album mit passendem Namen „Stromlos“, sowie eine Remix-Version mit entsprechendem Namen „Tanz, Los!“ und eine Band-Dokumentation. Außerdem darin enthalten sind noch weitere Merchandise-Goodies und ein T-Shirt.

Jennifer Rostock – eine Band, die unangepasst ist und in keine Genre-Schublade passt. Die fünf Musiker experimentieren mit Sounds und vor allem mit Sprache und herausragenden Texten. Genau das zeichnet diese Band aus.

Jennifer Rostock - "Schlaflos"

UNIMAG-Rating: fünf von fünf

Genre: Rock/Elektro/Punk/Pop
13 Songs
Label: Warner Music
VÖ: 17. Januar 2014

Album Tracklist:

1. Zeitspiel
2. Phantombild
3. Du nimmst mir die Angst
4. Bis hier und nicht Weiter
5. Ein Schmerz und eine Kehle
6. K. B. A. G.
7. Der blinde Passagier
8. Echolot
9. Wenn der Wodka zweimal klingelt
10. Hollywood
11. In den Sturm
12. Tauben aus Porzellan
13. Schlaflos

Michael Haller

Musikredakteur

michael.haller@unimag.at

Instagram: michaelhllr

bei UNIMAG seit Oktober 2013

 

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