BÜCHERBÖRSE

Gesitteter Gothic Abend mit Cold Cave

Cold Cave und Videoinstallation Cold Cave
Cold Cave und Videoinstallation

Kalt, kälter, Cold Cave: Ganz so stimmte die Rechnung am 28. Januar nicht, denn obwohl die Musik von Wesley Eisold ziemlich düster ist, brachte der unerbittliche Frost vor dem Arena Dreiraum das Publikum leichter zu frösteln. Es war fast schon erfrischend wie ausgelassen Dark Wave klingen kann und auch tanzbar. Wohlgleich diesem Drang nicht viele des +28 Publikums nachgaben, was wiederum nicht weiter schlimm war, denn die Bühnenshow schund trotz winziger Bühne Eindruck.

Hinter Eisold am Mikrofon und Gefährtin am mächtigen Doppel-Synthie liefen Videosequenzen aller Art. Zu "People are Poison" erstrahlten der Titel in grünen Neon Buchstaben und "God Made the World" wurde mit einem flimmernden Sternenhimmel unterlegt. Des Weiteren sah man blühende Sonnenblumen im Zeitraffer, tanzende, japanische Elvis-Fans oder weißes Rauschen. Gemeinsam mit den Videos war auch die Songabfolge aufeinander abgestimmt, was die ganze Show als in sich ruhende Einheit erscheinen ließ.

Wesley Eisold, eine magere Gestalt ganz in schwarz gehüllt, begeisterte mit einer leidenschaftlichen Vocal Performance, indem er die besonders traurigen Parts seiner Songs mit kleinen Heulern oder übertriebener Artikulation schmückte. Die Stimmung des Publikums korrelierte dabei weder mit seinen exzentrischen Bewegungen noch mit dem Gesang. Viel mehr schien es, als hätten alle ihre schönpolierten Dr. Martens aus dem Schrank genommen, dazu das passende schwarze Bandshirt gewählt und sich auf einen gesitteten Abend voller dunkler 1980er-Musik eingestellt. Was es dann im Endeffekt auch war - inklusive pünktlichem Ende um 23 Uhr.

Wem ein Konzert ohne ausgelassene Stimmung suspekt erscheint, dem soll versichert werden, dass es ein klasse Abend mit toller Bühnenshow, ungewöhnlich guter Akustik für das Dreiraum und einem charismatischen Act war.

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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