BÜCHERBÖRSE

Wild Beasts - Present Tense

Wild Beasts (c) Domino Records
Wild Beasts

Knapp drei Jahre nach ihrem letzten Studioalbum melden sich die britischen Indie-Dream-Popper Wild Beasts mit "Present Tense" zurück – ein Langspieler, der wenig falsch macht und doch nicht begeistert.

Viel Zeit ist vergangen seit im Mai 2011 mit "Smother" das letzte Album der Wild Beasts, dem rein männlichen und betont sinnlichen Dream Pop/Art Rock-Quartett aus dem englischen Kendal, erschienen ist. Einige Touren und eine kreative Regenerationsphase später hat das lange Warten der Fans dank "Present Tense" endlich ein Ende.

Eröffnet wird das Album mit dem bereits vor einigen Wochen als Single veröffentlichtem "Wanderlust", einem von Bass und Synthies bestimmten Stück, das den zunehmend elektronisch orientierten Zugang der Band weiterführt. Auch die Geister scheidende Falsetto-Stimme von Hayden Thorpe, der im richtigen Moment eine etwas tiefere Facette zeigt, darf natürlich nicht fehlen. Das größte qualitative Unterscheidungsmerkmal der Songs auf "Present Tense" sind allerdings die rein instrumentalen Passagen und genau jene sind die größte Stärke des hervorragenden "Wanderlust". Bass und Synthie bauen eine dramatische, gefährlich-erotische Stimmung auf, die am Höhepunkt mit der zitierwürdigen Zeile "Don't confuse me with someone who gives a fuck" durchbrochen wird. Die exakte Bedeutung des Songs bleibt verborgen, doch der Behauptung Thorpes, es sei mit ihnen nun mal sinnlicher als ohne, muss man wohl oder übel zustimmen.

So wichtig ein guter Start für ein Album ist, so tödlich kann er sein, wenn das Level danach nicht gehalten werden kann. "Present Tense" weist leider genau diese Symptomatik auf, da die Intensität des furiosen Openers auf keinem der folgenden zehn Stücke auch nur annähernd erreicht wird. Spürbar wird das schon im zweiten Lied "Nature Boy", das nur mit dem plötzlichen Stimmlagentief zu begeistern weiß. Musikalisch ist es mit "Wanderlust" verwandt, kann aber einfach nicht so viel Spannung aufbauen. Auf anderen Stücken wird der der gitarrenlose Sound hingegen bewusst in eine freundlichere Richtung bewegt.

Beispiele dafür sind das kurze süße "A Simple Beautiful Truth" oder auch die schöne Ballade "Mecca", die schließlich aber doch auch auf die Gitarre zurückgreift. Diese kommt in der zweiten Hälfte des Songs minutiös genau ins Spiel, nimmt dem Lied aber ein bisschen den Drive. Eine dominantere Position nimmt das keineswegs ins Eck gestellte Instrument auf "Sweet Spot" ein, das an zeitgenössische 80ies-Revivalisten wie Twin Shadow erinnert, aber vor lauter Süße und Harmlosigkeit schon fast auf den Zähnen kleben bleibt. Auch weil die Sound-Variationen nur im Detail zu finden sind, kommt "Present Tense" insgesamt aber ein wenig als Einheitsbrei daher, der gegen Ende des Albums vom minimalistischen "A Dog's Life" nochmal ein wenig unterbrochen wird. Trotz einer interessanten Kulisse, die Thorpe deutlich die Hauptrolle überlässt, ist der Song allerdings ein bisschen zu behäbig, um als Highlight durchzugehen.

So bleibt "Present Tense" ein ultimativ konstantes Album ohne wirkliche Schwächen, bei dem man nie wirklich in Versuchung kommt, mal ein Lied zu überspringen. Bloß, dass das auch an den fehlenden Höhepunkten liegt, zu denen man immer wieder zurückkehren möchte. Nach drei Jahren Album-Pause hätte man sich ein paar Ideen mehr erhofft.

WILD BEASTS - "PRESENT TENSE"
UNIMAG-Rating: 3 von 5 Punkten
Genre: Art-Rock, Dream-Pop
11 Songs, Spielzeit: 40:56 Minuten
Label: Domino Records
VÖ: 14.02.2014

Album-Tracklist

1. WanderlustWild Beasts - Present Tense
2. Nature Boy
3. Mecca
4. Sweet Spot
5. Daughters
6. Pregnant Pause
7. A Simple Beautiful Truth
8. A Dog's Life
9. Past Perfect
10. New Life
11. Palace

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

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