BÜCHERBÖRSE

Die Alin Coen Band im WUK

Alin Coen im WUK (c) Claudia Müllauer
Alin Coen im WUK

Vergangenen Donnerstag wurde im WUK ein Generationsgefühl musikalisch diskutiert. Die Alin Coen Band gastierte mit ihrem Album "We're Not The Ones We Thought We Were". Der Grundkonflikt einer Altersgruppe im Selbstfindungsprozess.

Nach der ätherischen und sphärischen Vorgruppe, dem Duo Sea + Air, das sich mit dem frechen Gedicht "Kommt her und schaut euch um. Wer nicht kauft, ist dumm." in Anspielung auf den Merchandise-Stand verabschiedeten, betrat die Band um die namengebende Leadsängerin die Bühne.

Der Saal war gut gefüllt, die Atmosphäre entspannt und Alin Coen lässig. Offen und sympathisch trippelte, tanzte und  seufzte sich die gebürtige Hamburgerin durch die Songs und obgleich viele Nummern eher melancholisch und schwermütig waren ("Wolken"), entfaltete sich eine elektrisierte Stimmung, die eben nur ein Live-Auftritt bewirken kann. Die Sängerin untermalte auch jeden noch so ruhigen Song mit kleinen Tanzeinlagen, Armbewegungen, Gebärden – ihr Körper erzählte den Songtext, neben dem eigentlichen Gesang, gleich noch einmal. Der Rest vom Fest - Jan Frisch (Gitarre), Philipp Martin (Bass) und Fabian Stevens (Schlagzeug) – blieb leider verhältnismäßig blass, nicht ohne Grund trägt die Band den Namen der Sängerin und Texterin Alin Coen, die im Laufe des Abends auch selbst öfters zur Gitarre griff. Bei den Ansagen zeigte sich die Wahlweimarerin gut aufgelegt und bodenständig, war mit dem Publikum auf Augenhöhe und hatte insgesamt einfach viel Spaß.

Als Kontrastprogramm zu den beschaulichen klassischen, deutschen Songwriternummern fungierten diverse neue englischsprachige und etwas stimmgewaltigere Songs wie "Disconnected", der auf die Abkopplung der Konsumenten vom Herstellungsprozess ihrer Produkte hinweist, oder auch "A no is a no", ein Appell gegen Beziehungsgewalt. Leider konnten die neuen englischen Titel nicht ganz mit der zurückhaltenden und entwaffnenden Poetik der deutschen Songs mithalten.

Insgesamt konnte man sich als Besucher des Konzerts glücklich schätzen, auch wenn nicht jeder Song ins Schwarze traf, denn die Alin Coen Band präsentierte sich vielfältig, klangvoll und mutig in ihren Arrangements. So kam letztendlich jede Person im Selbstfindungsprozess auf ihre Kosten: Tänzer und Träumer. Und natürlich Traumtänzer.

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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