BÜCHERBÖRSE

Disclosure: Maturareise mit Live-Musik

Disclosure machten ihre Fans glücklich - die meisten zumindest (c) Aeri Koo/Neon Tommy auf flickr
Disclosure machten ihre Fans glücklich - die meisten zumindest

Die Disco-Brüder Disclosure bahnten sich Sonntag an, um das Wiener Gasometer in seinen Grundfesten zu erschüttern. Ob das geklappt hat und warum sich manch ein älterer Besucher vielleicht ein bisschen fehl am Platz gefühlt hat, erfahrt ihr hier!

Edding im Gesicht und verblüffende Textsicherheit

Wenn das Gasometer voll gefüllt ist und Jugendliche den Großteil der Besucherschaft ausmachen, dann steht für einen beobachtenden Studenten das Publikum im Mittelpunkt. Daher kommt man auch nicht darum herum, in einem Bericht über das Disclosure-Konzert am Sonntag mit jenen 17/18-Jährigen zu eröffnen, die zu Massen in die Halle strömten und dem Event ein bisschen den Touch von Maturareise verliehen. Begriffe wie "Dick" mit Edding ins Gesicht geschmiert erweckten beim Schreibenden eher Erinnerungen an 2008 als Vorfreude auf ein Konzert. 

Immerhin, so viel muss man bei aller Fremdfühlerei eingestehen, war die Textsicherheit der Fans durchaus beeindruckend. Die Brüder Lawrence eröffneten mit "F for You", einem der vielen Kultstücke ihres großartigen Debüts "Settle", wechselten Live-Vocals und neu aufgenommene Soul-Stimme dabei gekonnt ab und sorgten somit gleich zu Beginn des Abends für helle Begeisterung. Na vielleicht kann das ja doch was werden, hätte man sich da fast gedacht, doch als die Band nach einem weiteren Hit erstmals in eine quasi textlose Phase mit einigen Akustik-Stücken übergeht, ist der Nachteil des hitorientierten Publikums schnell enttarnt. Die filmenden Handys werden erstmal wieder eingepackt, die Euphorie langsam zurückgeschraubt und langsam aber sicher wird dann auch zu plaudern begonnen. Eh okay, weil das Ganze dann schon mehr ein Party- als ein Konzert-Feeling hatte, doch wer will schon auf eine Feier, dessen Altersschnitt er/sie um einige Jahre übertrifft. 

Band selbst an die Umgebung angepasst

Der Rest des Abends blieb ein Pendeln zwischen totaler Ekstase bei den bekannteren und Durchschnaufen bei den weniger populären Songs. Disclosure selbst trugen freilich wenig dazu bei, dieses Setting zu variieren, wobei man hier persönlichen Wunsch nicht mit Ambition der Künstler verwechseln darf. Diese waren nie darauf aus, für irgendetwas anderes als eine solide Dance-Party zu sorgen und die war es im Grunde ja auch. Live eingespielter Bass und ein den Originalen sehr nahe kommendes Abspulen der Lieder waren dafür mehr als ausreichend.

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

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