BÜCHERBÖRSE

EMA - The Future's Void

Die frühere Gowns-Frontfrau Erika M. Anderson veröffentlicht unter ihrem Pseudonym EMA am 4. April ihr neues Album. "The Future's Void" ist der Nachfolger des hochgelobten 2011er-Debüts "Past Life Martyred Saints".

Noise-Rock + Folk = Überraschungsalbum 2011

Allzu große Wellen hat die 2010 aufgelöste Drone-Folk-Band Gowns außerhalb ihrer passionierten Fanbase zugegeben nie geschlagen. Das lag aber weniger an der Qualität ihres Outputs als an der Unzugänglichkeit dieser kleinen musikalischen Nischenerscheinung. Gemessen am Bekanntheitsgrad ihrer früheren Band war das Solodebüt von Frontsängerin Erika M. Anderson aka EMA eigentlich ein Welterfolg. So ziemlich alle Indie-Magazingrößen von Pitchfork bis Mojo haben sich vor der Sammlung an gut geschriebenen Folksongs, experimentellen Noise-Tracks und poetischen Texten verneigt. Drei Jahre später versucht die Amerikanerin mit "The Future's Void" an den damaligen Erfolg anzuknüpfen.

Weiterhin experimentierfreudig

Der Album-Opener "Satellites" bietet eine sich ständig verändernde Soundlandschaft, die durchaus gewagte Ehen wie jene des lärmenden Rauschens mit rhythmischem Händeklatschen wagt. Vor allem auf Kopfhörern macht die Reise durch die diversen musikalischen Ideen der Songwriterin Spaß, da ist auch durchaus verzeihbar, dass die Produktion den Nagel nicht in jeder Passage auf dem Kopf trifft und der Refrain ein wenig zu redundant geraten ist. Besonders dramatisch präsentiert sich hingegen das H.P. Lovecraft zitierende 'Cthulhu', in dessen Zentrum ein textlich kaum mehr identifizierbares Gröhlen und eine Spannung aufbauende Instrumentation stehen. 

Das wunderschöne "Solace" folgt dem Erfolgsrezept des ersten Albums, aus einem unsicheren, lärmenden Geräusch heraus einen eleganten E-Gitarrensong mit einfachen Vocal-Melodien zu basteln. Dabei schafft es EMA, die Spannung über die vier Minuten Länge ständig aufrecht zu erhalten und mit dem bereits bewährten Überlappen mehrerer Gesangssamples einen perfekten Abschluss zu finden. 

Pop-Album? Really?

Es liegt an Songs wie dem nach 90ies-Radio klingenden "So Blonde" oder dem stolz marschierenden "Neuromancer", dass "The Futre's Void" von einigen Beobachtern wohl gar als EMAs Pop-Album bezeichnet werden wird. Ja, auch die erst nach mehreren Malen Hören richtig gute Ballade "3Jane" weist neue Hörer nicht ab und wenn man dann schon mal in diese Richtung tendiert, merkt man, dass doch so einige Songs Ohrwurmpotenzial haben. Dennoch hinkt die Behauptung, die die für Avantgarde und Ambition stehende Musikerin bestimmt ein wenig kränken wird, da hier die besten Songs ganz gleich wie beim Debüt eingängige Tunes mit intellektuellen Lyrics und Soundexperimenten verknüpfen.

"The Future's Void" kommt nicht ganz an seinen Vorgänger heran, weil die Schönheit eines "The Grey Ship" und die poetische Frechheit eines "California" nie erreicht werden. Symptomatisch ist der Closer "Dead Celebrity" mit den trashigen Orgelsounds, dessen Anziehungskraft an jene von schlechten Magnetic Fields-Songs erinnert - auch dieses EMA-Album ist nun mal nicht von vorne bis hinten großartig, wird aber dank der Texte, den Ideen und zum Teil auch den Songs noch des Öfteren im Plattenspieler rotieren.

EMA - "THE FUTURE'S VOID"
UNIMAG-Rating: 
Genre: Noise-Rock
10 Songs, Spielzeit: 43:31
Label: City Slang
VÖ: 04.04.2014

Album-Tracklist

1. Satellites
2. So Blonde
3. 3jane
4. Cthulu
5. Smoulder
6. Neuromancer
7. When She Comes
8. 100 Years
9. Solace
10. Dead Celebrity

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

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