BÜCHERBÖRSE

Samy Deluxe: "Der Sound muss auf die Kacke hauen"

Samy Deluxe im Interview (c) Axl Klein
Samy Deluxe im Interview

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Welt des Gesangs und des Autotunes unter dem Synonym Herr Sorge ist Samy Deluxe nun mit seinem fünften Studio-Album zurück! Wir haben Samy Deluxe zum Interview gebeten, um mit ihm über sein neues Album "Männlich" zu sprechen, und haben dabei erfahren, wie der Rapper seine Songauswahl trifft, wie er über materielle Werte denkt und wieso er zu dem Schluss kommt, dass jeder nur die Liebe sucht.

UNIMAG: Welche Bedeutung steht hinter dem Titel deines neuen Albums "Männlich"?

Samy: Das war eigentlich erst einmal ein Wort in meinem Kopf - ein Schlagwort, das einen in ganz unterschiedliche Richtungen bringen kann. Zuerst dachte ich so: "Männlich" - okay, der Sound muss irgendwie einfach laut sein und auf die Kacke hauen. Dann habe ich den Begriff aber auch inhaltlich auf die Thematik "männlich" hingeführt und versucht, mir zu überlegen, was die unterschiedlichen Facetten sind, was die unterschiedlichen Themen sind, in denen es um Männlichkeit geht. "Männlich" war so ein Wort, das für mich einerseits für grob, laut und brachial und andererseits für erwachsen und reflektiert steht.

Hast du auf deinem neuen Album einen Lieblingssong, einen Song wo besonders viel Herzblut drin steckt?

Naja, Songs sind ja für Musiker – zumindest für mich – so etwas wie Kinder. Demnach ist es irgendwie schwer zu sagen, ich habe meinen Sohn oder meine Tochter lieber. Jeder Song hat einfach Qualitäten für sich. Es gibt allerdings einen Song, der mir in Gesprächen über mein Album immer zu allererst in den Kopf kommt: "Fantasie Part 1". Der hat eine total verrückte Story und bezieht sich auf unterschiedliche Superhelden und Harry Potter-Figuren, die in kleine Szenarien gesetzt werden, die einen einfach zum Lachen bringen. Die Thematiken waren für mich einfach voll "männlich", weil sich die meisten Frauen, die ich kenne, einfach nicht so akribisch mit Superhelden und Comicfiguren beschäftigen. Jeder, dem ich den Song vorgespielt habe, hat sich einfach totgelacht (lacht).

Man könnte also sagen, dass du in diesem Album auch ein bisschen deine Vergangenheit reflektierst - vielleicht deinen Weg, wie du im Musikgeschäft "männlich" geworden bist?

Das Album enthält schon sehr viele reflektierte Momente, allerdings ist es nicht so wie bei meinem letzten Album "Schwarz-Weiß", wo ich einige Dramen in meinem Leben reflektiere, wie zum Beispiel den Tod meines Vaters. Auf "Männlich" gibt's nichts, was so richtig schwer ist, also was so richtig "Oh mein Gott, irgendwer ist gestorben!"-schwer ist. Jetzt rede ich – so wie in "Der letzte König von Schrottland" – mehr darüber, wie alle materiellen Werten hinterher rennen und dabei die wahren Werte vergessen. In "Liebe in der Discotheque" reflektiere ich irgendwie Szenen aus Clubs – ich bin ja nicht mehr der, der sich total wegfeiert (lacht), ich beobachte eben schon mehr und denke darüber nach, warum sich Leute so sinnlos wegsaufen und auf Drogen abgehen, und bin zu dem Schluss gekommen, dass einfach jeder nur nach Liebe sucht. Also es sind einige reflektierte Momente dabei, aber es ist jetzt kein Album, bei dem ich erzähle, was bei mir gerade so abgeht.

Hat es bei der Entstehung dieser Platte Schwierigkeiten gegeben oder gibt es so etwas nach 18 Jahren Musik machen nicht mehr?

Schwierigkeiten gibt es immer! Beim mir war das Problem diesmal, dass ich über 100 Songs gemacht habe, weil ich einfach einen mega Output hatte und ich mich dann fragen musste: "Was zeige ich der Welt jetzt eigentlich?" Diese Entscheidung hat dann mehrere Wochen lang gedauert. Ich habe erst einmal 20 dieser Songs auf ein Mixtape gehauen, das schon Ende vergangenen Jahres unter dem Titel "Perlen vor die Säue" herauskam und  aus dem Übriggebliebenen habe ich mir dann "Männlich" zusammengebaut. Das Mixtape hat mir das ein wenig erleichtert, aber so ein Album definiert einen ein Jahr lang in der Öffentlichkeit und da ist es einfach schwierig das Richtige auszusuchen. Entschieden habe ich dann meistens nach Gefühl.

Parallel zu deinem Album kann man ja auf DMAX verfolgen, wie du unter anderem beim Kajakfahren und im Bootcamp herauszufinden versuchst, was männlich ist. Reine Promotion oder steckt da mehr dahinter?

Ich mache immer sehr viel rund um mein Album herum, lass mich im Studio beim Rappen aufnehmen und so weiter. Bei dem Album kam mir dann die Idee, so etwas wie ein Reality TV-Format als Promotion für mein Album zu machen. Die Idee haben wir dann DMAX präsentiert, weil die ja auch so ein "Männer-Sender" sind, und sind dort auf sehr offene Ohren gestoßen. Und es hat total viel Spaß gemacht, vor allem nach der Studio-Phase, die ich gerade hinter mich gebracht hatte, wo man den ganzen Tag nur rumsitzt. Die Sendungen sind jetzt zwar schon gelaufen, die Leute können sich die aber immer noch in der DMAX-Videothek anschauen.

Welche Erwartungen stellst du an deine im April startende "Testosteron-Tour"?

Ich bin schon ganz heiß wieder auf die Bühne zu gehen. Wir haben schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr gespielt. Alle – also meine Musiker, DJs, Lichtmänner etc – sind total motiviert. Übermorgen gehen die Proben los und in einer Woche haben wir dann schon kleine Auftritte für Fernsehsender, dann proben wir noch ein bisschen und dann geht es auch schon los mit der Tour. Ich glaube echt, dass das das Beste werden wird, was ich je gemacht habe.

Was hältst du eigentlich von der österreichischen HipHop-Szene?

Ich hab die früher echt mehr mitbekommen, da war ich echt begeistert von Prima und den ganzen Oldschool-Gruppen, aber dann habe ich irgendwie den Anschluss verpasst. Also was da jetzt gerade aktuell so los ist, weiß ich nicht wirklich.

Welche letzten Worte möchtest du deinen Fans beziehungsweise deinen Kritikern noch mitgeben?

Ich mache jetzt noch ein Mixtape diesen Sommer, dass vor allem meinen alten Fans aufgrund der Oldschool-Elemente echt gut gefallen wird, und dann sind wir auf Tour. Da sollen alle, die Bock haben, vorbeischauen. Und alle sollen sich ein schönes Leben machen!

Julia Kreuzer

Julia Kreuzer | Redakteurin

julia.kreuzer (ät) unimag.at

Studiert Kultur - und Sozialanthropologie an der Uni Wien

Liebt es anderen Ratschläge und Tipps zu geben, kennt die Lösung ihrer eigenen Probleme aber nur selten

Hasst Beistriche und Doppel S fast genauso sehr wie Zahlen

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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