TRAINEEPROGRAMME

Metronomy in der Arena: Ballroom Version

So brav waren Metronomy bei ihrem Konzert nicht ganz... (c) Because Music (because.tv)
So brav waren Metronomy bei ihrem Konzert nicht ganz...

Vergangenes Jahr brachte die britische Electro-Pop-Kombo Metronomy ihr neues Album "Love Letters" heraus. Nun konnten sie am 18. April in der Wiener Arena beweisen, dass jenes live gespielt nochmal einen ganz anderen Flair hat. Bekannt für das 2011 erschienene "English Riviera" und dem darauf befindlichen Hit "The Bay" war Metronomy lange Zeit eine Art Solo-Projekt mit Musiker-Zusatz. Joseph Mount, der schon in jungen Jahren am PC des Vaters getüftelt hatte,  veröffentlichte 2005 sein Debütalbum.

Inspiriert von Größen des IDM, also der Intelligent Dance Music, war "Pip Paine [Pay The 5000£ Y Owe]" voller instrumentaler Tracks. Im Laufe der Jahre engagierte Mount MusikerInnen, die ihn auf der Bühne und auch im Studio unterstützen sollten. Lange schrieb er seine Songs trotzdem allein und ließ sich auch bei der Produktion nur ein bisschen über die Schulter schauen. Seine persönliche und musikalische Entwicklung hatten ihren Höhepunkt wie oben erwähnt im Jahre 2011 und auch die Bandmitglieder wurden zu permanenter Unterstützung.

Am Abend in der Wiener Arena hatte man schon das Gefühl, dass der "Meister" seinen KollegInnen gänzlich dabei vertraut, sein musikalischen Vorhaben zu leben. So verließ er sogar die Bühne, als eins seiner sehr frühen Lieder angefangen wurde. Dies tat er mit einem durchaus gutmütigen Gesichtsausdruck und seinem Bier in der Hand, was nicht für einen Zufall spricht. Bei weiteren Songs ließ er einmal seiner Drummerin, ein andermal seinem Kollegen am Synthie den Vortritt am Mikrofon.

Sympathisch war also nicht nur diese harmonische Band in ihren schicken Sportsakkos, sondern auch der ganze Flair der Bühnengestaltung. Man stand vor großen 2D-Wolken in rosa und hinter weiß verkleideten Instrumenten. Jede/r hatte ihren und seinen fixen Platz, außer dem Bassisten, der mit seinen zackigen 1950er-Dance-Moves begeisterte. Durch die feste Aufstellung stand auch der großartigen Lichtshow nichts im Wege, die die Musik perfekt unterstrich und die – mal rote, blaue oder grüne – Schokoladenseite des MusikerInnen betonte. Der zusätzliche Kunstnebel und die anfangs traurig baumelnde, weil vernachlässigte, Discokugel verstärkten das Gefühl sich in der Kulisse eines amerikanischen Abschlussballs der 1980er-Jahre zu befinden. Nur das die "Schulband" eine richtig gute war.

Überrascht konnte man auch von der guten Akustik des Saales sein, die auch Mounts eher feines Stimmchen zur Geltung brachte. Dabei ließ auch die Setlist nichts zu wünschen übrig. Angefangen mit den größeren Hits der Band arbeitete man sich geschickt durch weniger bekanntes hin zu neuerem Stoff. Letzterer klang live sogar viel frischer als auf der Platte, was wiederum auch ein bisschen an der tollen Belichtung lag.

Die Menge tanzte zwar nicht zu ausgelassen, ließ sich aber die gute Laune anmerken. Vor allem in den ersten Reihen ging dann doch ein wenig die Post ab – und das nicht nur bei den richtig bekannten Liedern. Nach zirka eineinhalb Stunden inklusive Zugabe war der gesittete Abend vorbei. Brav verließ das Publikum den Saal um auf der After-Party die Sau raus zu lassen. Bleibt eigentlich nur die Frage zu klären, was der dort gespielte 90's HipHop mit Metronomy zu tun hat...

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook