BÜCHERBÖRSE

Coldplay – Ghost Stories

Coldplay – Ghost Stories (c) Anton Corbjin

Hier ist es also: "Ghost Stories", das bereits sechste Studioalbum der Britpopper Coldplay. Die 9 Songs umfassende Platte erzählt einige elektronische Geistergeschichten, deutetet Experimente an und – um bildsprachlich zu werden – macht Skizzen mit Buntstiften, aber keine Gemälde.

Eröffnet wird das Album mit "Always In My Head" und im Hintergrund leise singenden Chören. „I think of you / I haven't slept / I think I do / I don't forget... You are always in my head“ so die Worte von Mastermind Chris Martin. Melancholisch eingängig, dennoch wenig überzeugend und ehe man sich an die Instrumentalisierung gewöhnt, ist es auch schon wieder vorbei. "Magic" schließt an. Ein sehr minimalistischer Song, im Hintergrund ein kühles, dennoch songprägendes Schlagzeug von Will Champion. "Ink" und "True Love" zeichnen die neue Richtung der Band. "True Love" ist von Martins Kopfstimme getragen, dennoch ist der Song leider sehr entbehrlich. Magisch bleibt das Album trotzdem: Allen voran die bereits veröffentlichte Single "Mignight". Chris Martins mit Vocoder verhangener Stimme erinnert stark an Imogen Heap und Bon Iver und schließt mit "Another's Arms" den Kanon der musikalischen Experimente. Bei Letzterem begleiten an Walgesänge erinnernde Chöre den sehr reduzierten balladesken, stimmlich tief gesungenden Teil, getragen von überladenen Beats. Lichtblick und schöne Erinnerungen an vorangegangen Alben und Zeiten bringt "Oceans". Sehr reduziert, endlich die Stimme von Chris Martin im Vordergrund, im Hintergrund feine, leise Gitarrenwände. Absolut fantastisch. "A Sky full of Stars" tanzt dann wortwörtlich aus der Reihe. Der schwedische DJ und Musikproduzent Avicii mischte mit und so hört es sich dann auch nach den allgegenwärtigen "auf-coole-Musik-machen"  an. Leider. Mitsingen und herumspringen kann man trotzdem; auch als Club-Hit reicht es, den man im Radio totspielen kann. Für "O" setzt sich Chris Martin wieder ans Piano und bietet ein wunderschönes, träumendes Ende des Albums.

Anspieltipps: "Magic", "Oceans", "O"

Fazit: Dem doch recht ungewohnten Sound der Band (in Ansätzen schon auf dem letzten Album Mylo Xyloto) wird bei "Ghost Stories" noch eines drauf gesetzt. Viele Experimente werden gemacht, manche gelingen, manche nicht. Die leicht schiefen Töne bei "True Love" sind gewollt, klingen aber leider nach Coldplay, die man als großer Fan der ersten Stunde so nicht hören mag. "Ghost Stories" ist sehr vieles: experimentierfreudig, vielschichtig, laut&leise, warm&kalt, aber nicht (oder Gott sei dank) für Stadien gemacht. Bis auf "A Sky full of Stars" vielleicht, ergo auch weniger Songs zum Mitsingen bzw. Songs, die in Erinnerung bleiben. Von den bereits beschriebenen Lichtblicken wie "Oceans" und "O" hätte es ruhig mehr sein können! Weniger Beat, dafür mehr Intimität.

Produziert wurde "Ghost Stories" zu einem Gutteil von Paul Epworth, der in der Vergangenheit u.a. die Alben von Adele, Bloc Party, Paul McCartney, Maximo Park, Bruno Mars und Florence + The Machine umsetzte. Neben Epworth kollaborierten Coldplay auch mit ihren angestammten Produzenten Jon Hopkins, Rik Simpson und Dan Green.

COLDPLAY - "GHOST STORIES"
UNIMAG-Rating:
Genre: Alternative Rock, Pop-Rock
9 Songs
Label: Warner Music
VÖ: 16.05.2014

Album-Tracklist

1. Always In My Head
2. Magic
3. Ink
4. True Love
5. Midnight
6. Another’s Arms
7. Oceans
8. A Sky Full Of Stars
9. O

Lukas Fischnaller

Mag. Lukas Fischnaller | Chefredakteur
Twitter: @lukfis1

Kontakt: lukas.fischnaller(ät)unimag.at

Webseite: www.unimag.at
 

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