BÜCHERBÖRSE

Intime Atmosphäre beim 1. Melodica Festival Vienna

Das familiäre Songwriter-Festival erstmals auch in Wien (c) Melodica Festival / Elvira Stein
Das familiäre Songwriter-Festival erstmals auch in Wien

Freunde der akustischen Klänge kamen von 16. bis 17. Mai in Wien voll auf ihre Kosten, denn im Jazzcafé Bird fand an diesem Wochenende die erste und äußerst gelungene Auflage des Melodica Acoustic Festivals statt. Wie der Name bereits vermuten lässt, wurden in diesem Rahmen vor allem ruhige Töne angeschlagen. Neben musikalischen Gästen aus Deutschland (Yasmine TouristHello Piedpiper, Mari Mana und Torben Stock), Australien (Melanie Horsnell am 15. Mai im Rahmen des Warm-up Clash, PHIAMez Medallion und Owls of the Swamp) und Island (Svavar Knutur) sorgten auch heimische Künstler (Organisator Bernhard EderFräulein Hona und Squalloscope) zurecht für große Begeisterung.

Wien als Teil der Songwriter-Gemeinschaft

An sich ist das Melodica Acoustic Festival keine Neuheit mehr. Seinen Anfang machte das familiäre Songwriter-Festival bereits 2007 in Australien, als Pete Uhlenbruch das Projekt ins Leben rief, das sich ausschließlich aus freien Spenden und Sponsoren finanziert, um vordergründig das Gemeinschaftsgefühl zwischen Musikern zu stärken und die gegenseitige Inspiration zu fördern. Das Melodica Festival wird also nicht nur ehrenamtlich von Musikern für Musiker veranstaltet, auch die Besucher können der Veranstaltung kostenlos beiwohnen und dabei intime akustische Performances genießen. Der große Erfolg zeigt sich am immer größer und internationaler werdenden Netzwerk: Melodica Festivals finden mittlerweile nicht nur in Melbourne und Sydney (AUS), sondern auch in Hamburg, Berlin und Köln (DE), Rejkjavik (IS), Aarhus (DK), New York (USA), Paris (FR) und Groningen (NL) statt.

Dass es auch für Wien allerhöchste Zeit wurde, sich der Songwriter-Gemeinschaft anzuschließen, bewies der große Besucherandrang im Jazzcafé von 16. bis 17. Mai. Bei den zehn herausragenden Künstlern, die man an beiden Tagen zu hören und zu sehen bekam, ist es schier unmöglich, bloß einzelne Highlights herauszupicken.

Das war Tag 1

Den Anfang machte das vierköpfige multiinstrumentale Quartett Fräulein Hona, das neben dem Einsatz unzähliger Instrumente (u.a. Gitarre, Cello, Violine, Ukulele, Cajón) und einem Mix aus englischen und deutschen Lyrics auch mit sehr harmonischen Gesangsparts überzeugen konnte. Hello Piedpiper aus Köln sang sich nur mit einer Akustikgitarre bewaffnet - zwischendurch auch ganz ohne Mikrofon - mit seiner unglaublich fesselnden Stimme in die Herzen der Gäste. Für experimentellere Sounds sorgte die in Berlin lebende und in Australien geborene PHIA, die zusammen mit ihrem geliebten Loop Pedal und ihrer afrikanischen Kalimba tanzbaren Indie-Pop kreierte, der verdammt gut ins Ohr ging - und zwar so gut, dass die Sängerin sogar noch ein Lied als Zugabe performen durfte. Josh the Cat aka Mez Medaillon, der zuvor schon als Gitarrist mit PHIA auf der Bühne stand, hatte gleich im Anschluss seinen großen Auftritt und nahm mit seinen eigenen Kompositionen den ganzen Raum ein. Zum Abschluss des ersten Konzertabends trat Dominik (von) Gerwald (Sänger von Yasmine Tourist) solo auf und stellte unter Beweis, dass er auch ohne den Halt seiner Band für magische Momente sorgen kann.

Das war Tag 2

Auch am zweiten Tag konnte uns das Regenwetter nicht davon abhalten, dem Jazzcafé Bird für fünf weitere Acoustic-Acts einen Besuch abzustatten. Die Berlinerin Mari Mana eröffnete den Abend mit bluesigen Melodien und gefühlvollen Balladen, die getrieben von ihrer warmen und klaren Stimme zum Träumen einluden. Danach war der unglaublich charmante, "nicht pummelige, sondern saftige" Isländer Svavar Knutur (Initiator des Melodica Festivals in Rejkjavik) an der Reihe, der sich neben seinen melancholischen und Freude versprühenden Songs, die bei ihren "Lalala"-Parts immer perfekt zum Mitsingen einluden, auch als großartiger Stand-Up-Comedian entpuppte (#schlubbi) und nach einer spontanen Auktion um seine Setlist noch um eine musikalische Zugabe gebeten wurde. Im Anschluss bot Klangkünstlerin Anna Kohlweis alias Squalloscope einen Einblick in ihr musikalisches Können, das sich nicht nur durch eingängige, elektronische Beats sondern auch durch großartige Texte auszeichnet. Singer/Songwriter Torben Stock (Initiator des Melodica Festivals in Hamburg) holte während seines Sets schließlich den Melodica-Männerchor - bestehend aus Pete Uhlenbruch (Owls of the Swamp) und Svavar Knutur - auf die Bühne, um gemeinsam mit den beiden gefühlvolle Arrangements zum Besten zu geben. Den krönenden Abschluss gestaltete dann der Australier Pete Uhlenbruch ("Opa" des Melodica Festivals) mit seinem atmosphärischen Indie-Folk-Projekt Owls of the Swamp.

Fazit: Auf geht's in die nächste Runde!

Der einzige Nachteil an der großen Neugierde des Wiener Publikums: Die etwas später eintrudelnden Gäste auf den billigen (Steh-)Plätzen haben am ersten Abend leider nicht verstanden, dass gerade die Musiker auf der Bühne, die sie mit ihren Alltagsgeschichten zu überschreien versuchten, die wahrlich guten Geschichten zu erzählen hatten. Glücklicherweise blieb genau dieser unaufmerksame, tratschende Teil der Besucher dem Jazzcafé am zweiten Konzertabend fern und ermöglichte somit noch einen gemütlich familiären Festivalabschluss ohne jegliche Kritikpunkte. Unser Fazit lautet deshalb: Wir freuen uns und hoffen auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr, liebes Melodica Festival!

Um regelmäßig über weitere Entwicklungen des Festivals informiert zu werden und euch bildlich festgehaltene Eindrücke des 1. Melodica Acoustic Festivals Vienna anzusehen, besucht einfach ihre Fanseite auf Facebook: www.facebook.com/melodicavienna

Für großartige Acoustic Sessions, die im Rahmen des Festivals aufgenommen und gefilmt wurden, könnt ihr auch auf dem offiziellen YouTube-Kanal vorbeischauen.

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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