BÜCHERBÖRSE

Owen Pallett - In Conflict

In Conflict erscheint am 27. Mai (c) Domino Records
In Conflict erscheint am 27. Mai

Vier Jahre nach seinem letzten Langspieler veröffentlicht der Violinist slash Indie-Barde Owen Pallett mit "In Conflict" sein bislang wahrscheinlich persönlichstes Werk.

Violine hui! - Rest pfui?

Als "Final Fantasy" zu kleinerem Indie-Ruhm gekommen, entschloss sich Owen Pallett 2010, ab sofort unter seinem Eigennamen zu veröffentlichen, um Verwirrungen mit der berühmten Computerspielreihe aus dem Weg zu gehen. "Heartland" war also der Beginn eines neuen Kapitels für den mittlerweile 34-Jährigen, der sich auch als Live-Violinist von Arcade Fire einen Namen machte. Inhaltlich war es eine spürbar von Musicals inspirierte Liedersammlung, die vom epischen Dialog zwischen dem Farmer Lewis und seinem Erschaffer Owen erzählt.

Auch 2014 ist die Violine noch Palletts Lieblingsinstrument, wenngleich sie auf "In Conflict" gerne auch mal in den Hintergrund rückt. Prinzipiell sind die Arrangements ein wenig simpler geworden, was zwar die Eingängigkeit erhöht, aber auf Kosten des Sounds geht, der insgesamt nicht an jenen des Vorgängers heranreicht. Auch wenn der große Brian Eno bei der Produktion seine Finger im Spiel hatte und das an manchen Stellen auch klar zu hören ist (etwa beim Refrain von "On A Path"), ist nicht jede tontechnische Entscheidung die richtige. Besonders der Titeltrack beweist, dass Palletts Songs vor allem dann funktionieren, wenn die Violine mit einfachen Melodien den Ton angibt. Sobald aber elektronische Klänge das Kommande übernehmen - und das tun sie auf "In Conflict" leider viel zu oft - geht das Konstrukt ein bisschen den Bach hinunter.

Lyrics und Stimme retten das Album

Trotz der produktionstechnischen Enttäuschung hat das Album aber einiges zu bieten, wie etwa das grundsolide Songwriting, das die emotionalen Entwicklungen gut unterstreicht. Auf dem Opener "I Am Not Afraid" bleibt die Spannung ständig am vermeintlichen Limit, steigert sich aber beim unter die Haut gehenden "I'll never have any children"-Refrain noch einmal. Es ist - wie viele Stücke auf dem Album - sehr persönlich und eine Meditation über Genderidentität. Einen zugänglichen Text haben auch "Song For Five & Six", das den "gap between what a man wants and waht a man believes" thematisiert und vor allem das fast schon unangenehm ehrliche "The Passions", auf dem Pallett eine rein körperliche Beziehung als emotionalen Albtraum darstellt - "You put on The Queen Is Dead, but I just want to talk instead".

Auch wenn sich Pallett in den meisten anderen Liedern wieder in sein Schloss aus Allegorien und Symbolik zurückzieht, gibt es etwas, das er auf diesem Album beim besten Willen nicht verstecken möchte: seine Stimme. Die war immer schon ein gern gesehenes Element seiner Musik, ist hier aber erstmals Verkaufsargument Nummer Eins. Sowohl den höchsten Tönen auf "Infernal Fantasy" als auch der vermeintlichen Zweistimmigkeit auf "Song For Five & Six" verleiht er ein beachtliches Volumen.

Es klingt im ersten Moment wie ein Widerspruch, aber obwohl mir "In Conflict" weniger gefällt als sein Vorgänger, ist meine Meinung über Owen Pallett gestiegen. Das bezieht sich vielleicht in erster Linie auf die vielschichtigen Texte, aber nicht zuletzt auch auf eine LP, die mit einer besseren Produktion eine richtig gute hätte werden können.

OWEN PALLETT - "IN CONFLICT"
UNIMAG-Rating: 
Genre: Baroque Pop
13 Songs
Label: Domino/Secret City
VÖ: 27.05.2014

Album-Tracklist

1. I Am Not Afraid
2. In Conflict
3. On a Path
4. Song for Five & Six
5. The Secret Seven
6. Chorale
7. The Passions
8. The Sky Behind the Flag
9. -->, Part 1
10. The Riverbed
11. Infernal Fantasy
12. Soldier's Rock
13. -->, Part 2

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

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