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Stimmgewalt und Synthies: Future Islands im Flex

Future Islands: Stimmgewalt und Synthies Future Islands
Future Islands: Stimmgewalt und Synthies

Spätestens seit dem Aufritt in der David Letterman Show vor nicht allzu langer Zeit ist diese Band in vieler Munde: Die Future Islands, ein charismatischer Synth-Pop Trio aus Baltimore. Und dieses Baltimore muss im musikalischen Bereich ein besonders fruchtbares Fleckchen Erde sein, schließlich kommen von dort nicht nur die oben genannten Künstler, sondern auch Beach House, Dan Deacon und Dope Body. Mit neuem Material in der Tasche bescheren Future Islands nun endlich auch Wien einen Besuch, genauer gesagt sind sie am Mittwoch, den 28. Mai 2014, im Flex zu sehen.

Die drei amerikanischen Musiker machen weder erst seit gestern Musik, noch beschränken sie ihre musikalische Arbeit auf eine Band. Trotzdem sind die Future Islands ihr gemeinsames Baby, das sie seit 2006 hegen und pflegen. An ihrem Beispiel kann man gut erkennen, wie eine Indie-Band langsam die Karriere-Leiter erklimmt, ohne dabei viel Schwung von den starken Akteuren des Musikbusiness zu bekommen. Trotzdem haben sie sich in den vergangenen Jahren viel verändert und haben von Album zu Album neue Pfade eingeschlagen, ohne eine gemeinsame Basis zu verlieren. Jene ist recht minimalistisch und wahrscheinlich deswegen so treffsicher: Ein Bass, Synthies und eine Stimme, die ins Mark geht, stehen im Mittelpunkt. Mittlerweile hat ein Schlagzeuger die Drum-Machine ersetzt, was den Sound klarer macht.

Musikalisch kann man grob Synth-Pop dazu sagen, aber da geht ein wenig die Epik verloren. Und diese kommt vor allem von Frontman Samuel Herrings Stimme, die an Meat Loafs kratziges Organ mit einer Prise abgefahrener Sexiness erinnert.  Sein theatralischer Gesang ist mit Gegröle, Geraunze und Geheule durchsetzt und spricht deswegen vor allem die pubertierende Seite von den HörerInnen an. Das war ja jene Zeit, in der man am liebsten alles hinausgeschrien hätte – und es vielleicht auch getan hat. Im Laufe der Jahre ist man zwar ruhiger geworden, aber bei Liebesliedern von Future Islands aus voller Kehle mit raunzen geht noch immer.

Aber auch die Bandmitglieder präsentieren sich auf dem neuen Album "Singles" von der gesitteteren Seite. Dies bedeutet weniger desorientierte Synthie-Töne,  aber dafür mehr gutgelaunte Ohrwürmer. Wie der Name treffend beschreibt, handelt es sich wirklich um eine Platte voller Singles mit Veröffentlichungspotenzial.

Nun fragen sich einige LeserInnen vielleicht noch immer, warum sie an einem Mittwochabend in der Prüfungszeit – irgendwo gibt es immer Prüfungen – genau zu dieser Band durch die Nacht tanzen sollen. Die Antwort ist simpel: Future Islands liefern zurzeit die besten Indie-Live-Performances, die man sich als KonzertgeherIn nur wünschen kann. Und kostengünstig sind sie auch. An dieser Stelle erlaubt sich die Autorin dieses Artikels auch eine persönliche Empfehlung: Wer sich dieses Spektakel entgehen lässt, ist selber schuld!

FUTURE ISLANDS - LIVE
Mittwoch, 28. Mai 2014
Beginn: 20:00 Uhr
Flex /Am Donaukanal: Abgang Augartenbrücke
1010 Wien

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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