BÜCHERBÖRSE

Schwärmen für Wilde - Future Islands im Flex

Brav fürs Foto, wild auf der Bühne - Future Islands (c) Rich Fury
Brav fürs Foto, wild auf der Bühne - Future Islands

Es ist schon ein rares Ding, die eigene Lieblingsband auf einer relativ kleinen Bühne in der eigenen Stadt zu sehen. Vor allem wenn sie von weit her kommen und in jüngster Vergangenheit einen Karriere-Boost erlebt haben. Die Future Islands gastierten am 28. Mai im Wiener Flex und ließen es gelinde gesagt krachen.

Die Amerikaner, die schon seit 2006 zusammen Musik machen, werden von ihren Fans wahrscheinlich für zwei wesentliche Dinge geliebt: Sam Herrings Stimme und die Auftritte. Dass ihnen natürlich auch die Musik gefällt, die sich zwischen Synth- und rauem Dream-Pop bewegt, ist Ehrensache. Nur ist Samuel Herrings Stimme wirklich etwas Besonderes und die Auftritte legendär. Der "Flexer"-Auftritt war zwar nicht so legendär wie das Überraschungskonzert in Krems am Vorabend, aber entsprach den Erwartungen der Fans.

Der Frontman des Trios eroberte im Nu die Bühne und ließ die Menge toben. Kein Wunder, denn die Location war ausverkauft und dementsprechend das Haus voll. Nur sehr wenige Leute würden Sam Herring als Beau oder Sunnyboy bezeichnen, aber wenn der Mann auf der Bühne steht, sind Frauen wie Männer Wachs in seinen Händen. Besonders wenn man auch noch auf Männer steht, ist Schwärmerei angesagt. Als Bühnennaturtalent liegt Sams Fokus mitunter auf der ersten Reihe der Zusehenden - also auf jenen, die ihm am nächsten stehen. Auch im Flex wurden Mädels und Burschen angefunkelt, besungen und mit Sicherheit auch aus Versehen bespuckt. Dass dabei Schweiß von einer zur anderen Person fließt, ist Ehrensache.

Musikalisch kann man Future Islands wie oben erwähnt in den Synth-Pop Bereich stecken. Es ist eben nur so, dass ihr Sound ziemlich roh und auf gute Art und Weise primitiv ist. Also auf jene Art und Weise, wo man nach kurzer Zeit die Melodie im Ohr hat. Für ihr neues Album "Singles" wurden sie besonders gelobt, weil sie catchy Songs mit Ohrwurmpotenzial geschrieben haben, und kritisiert, weil die Instrumentierung detaillierter sein könnte. Was auf Platte also nicht jeden begeistert, passt aber perfekt auf die Bühne. Durch die enorme Lautstärke, nicht immer perfekte Akustik und den diversen Mischgeräten kann detaillierte Musik live ziemlich verhunzt werden. Wo aber kaum Details sind oder diese aus klaren und starken Synthie-Tönen bestehen, kann die Verzerrung nicht so groß sein.

Dies ist der Grund, warum die Songs live ziemlich gleich klingen. Sams Stimme wiederum ist der Grund dafür, dass die Nummern live ziemlich anders und viel intensiver klingen. Somit ist die lebendige Erfahrung auf etwas komplett anderes, als sich die Future Islands auf Platte anzuhören. Klar grölt, heult und schnurrt Sam auch auf Platte, aber nicht so in brünstig wie auf der Bühne. Somit sei nochmal die Empfehlung ausgesprochen: Wenn die Future Islands in deiner Nähe sind, denk nicht lang nach und geh hin!

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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