BÜCHERBÖRSE

Welcome to Miley-Wonderland

Welcome to Miley-Wonderland (c) Petra Püngüntzky

"Zungenrutsche" ist ein wundervoller Neologismus, den man lernen konnte, als Miley Cyrus in der Wiener Stadthalle für zwei Stunden beste Reizüberflutung für so ziemlich alle Sinne bot. Auf einer solchen Zungenrutsche kam Miley dann nämlich, selbst die Zunge rausstreckend, aus ihrem eigenen, übergroßen und augenrollenden Gesicht in den Saal gerutscht und läutete ihre viel diskutierte Bangerz-Tour ein, über die man im Internet schon total verrückte, skandalträchtige Dinge lesen konnte. Spoiler: So viel Skandal war da dann gar nicht.

Viel mehr konnte man sich von einer ziemlich groß inszenierten, quietschebunt-irren Show unterhalten lassen, die riesige Luftballons, Konfetti, einen 20 Meter hohen, aufgepusteten Husky mit Laseraugen, DEN fliegenden Hot Dog (auf dem Miley dann natürlich durch die Halle flog und ritt), flauschige Riesentiere, ein goldenes Auto, singende Katzenbabies, fake Dollarnoten in Höhe des gesamten Taschengeldes des viel kreischenden Publikums, glitzernde Cowboystiefel in allen Farben und natürlich Twerking, bot -  sogar das Gatorade, das Miley trank, passte zum gelben Bühnenoutfit. Wahnsinn. Welcome to Miley-Wonderland!

Vor lauter Schauen hätte man fast das hinhören vergessen können. Was schade gewesen wäre, denn trotz einer, von Miley selbst oft erwähnten "fucking" Erkältung, klappte live singen (kann sie trotz böser Nachrede nämlich wirklich). Zum Beispiel bei ihrem "Lucy in the Sky with Diamonds" Beatles-Cover, das überhaupt nicht peinlich kam, sondern echt gut. Schimpfwort geschwängert vorgetragen wurde dann "Jolene", Cover des Überhits von Mileys Patentante Dolly Parton. Wo Dolly aber nur noch fleht, Jolene möge ihr doch nicht den Typen wegnehmen, wird Jolene bei Miley dazu noch ein amtliches "Bitch" entgegen gepustet. Ansagen müssen schließlich sein. Gar nicht mal so gelungen, war hingegen das recht vermurkste OutKast-Cover von "Hey Ya", das bitte lieber sein lassen.

Den am Rand versammelten Mamas und Papas, die ab und an ganz beschämt nicht wussten, wo hinschauen, wäre wohl noch lieber gewesen, wenn Miley es hätte sein lassen, ganz schön oft ihren Hintern und ihre gespreizten Beinchen gen Publikum zu strecken. Oder ganz oft "Fuck" zu sagen. Oder den kreischenden Kindern zur Abkühlung mit Wasser ins Gesicht zu spucken und ihnen als Lebensmantra "Love Money Party" mitzugeben. Besagten kreischenden Kindern war wiederum unüberraschend so ziemlich alles lieb, was Miley sagte und machte. "Love Money Party" wurde halt sehr schnell verinnerlicht.

Für die Zugabe konnte Miley dann noch locker zwei der besten und größten Popsongs der letzten Jahre bringen: "We Can't Stop" und "Wrecking Ball", hach, bevor dann zu "Party in the U.S.A" das ganz große Finale eskalierte. 

Auf dem Weg nach draußen konnte man noch Miley-Merch erwerben oder den Eltern abbetteln - wie viele Wiener Schulklassen diesen Sommer wohl T-Shirts mit "In Miley We Trust"-Aufdruck tragen werden... Draußen vor der Stadthalle in der Dunkelheit, fühlte man sich dann doch noch kurz ein bisschen hibbelig, schwindelig und aufgekratzt - wie auf einem herrlichen Zuckerrausch.

Bye Miley und dein irre entertainendes Wunderland, kommt doch bitte bald wieder.

Louise Lässig

Louise Lässig | Redakteurin

louise.laessig (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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