BÜCHERBÖRSE

Southside Festival 2014 – Das war Tag 1

Southside Festival 2014 – Das war Tag 1 (c) Petra Püngüntzky

Wenn man das musikalische Aufgebot von Tag 1 des Southside Festivals Revue passieren lässt, hätte es wohl besser und abwechslungsreicher nicht sein können. Das wider Erwarten großartige Wetter zog schon kurz nach der Eröffnung des Konzertgeländes zahlreiche Festivalbesucher vor die vier Bühnen, um gemeinsam zu trinken und bei bester Live-Musik abzufeiern.

Mich trieb es zum ersten Mal für London Grammar zur Blue Stage, wo sich bereits viele Menschen für die britische Indie-Pop-Band zusammengefunden hatten. Sängerin Hannah Reid wirkte beim Betreten der Bühne sichtlich überwältigt und in ihren Zwischenansagen sehr zurückhaltend. Als der blonde Engel schließlich aber zu singen begann, war all die Unsicherheit wie verflogen. Auch das Publikum war begeistert von ihrer Stimmgewalt und tanzte und klatsche völlig unaufgefordert mit.

Jennifer Rostock lieferten indes auf der Green Stage ein ziemliches Kontrastprogramm ab und nutzten ihre Spielzeit voll und ganz aus. Schon nach 15 Minuten landete Sängerin Jennifer Weist crowdsurfend in der Menge, hisste anschließend die Regenbogenfahne und holte für ihren Hit "Feuer" zwei Freiwillige aus dem Publikum auf die Bühne, die den Song für sie performen sollten. Um die Stimmung ein bisschen aufzulockern, zog Weist sich plötzlich bis auf ihr Bikinioberteil aus, rieb sich ihre Nippel und griff dem Jungen aus dem Publikum in den Schritt, um "die Lage zu checken". Das hat Niveau. Wenigstens gab es für ihn neben der öffentlichen Bloßstellung als Trostpreis auch einen unterschriebenen Drumstick der Band, für die Gewinnerin einen Gutschein für den Merch-Stand.

Danach waren Metronomy auf der Blue Stage an der Reihe, die mit ihren Indietronic-Songs die Menge sofort im Griff hatten. Spätestens bei "The Look", den sie überraschend früh spielten, war das Eis gebrochen. Auch auf der Green Stage herrschte bei den White Lies überwältigende Stimmung. Die theatralische Stimme von Sänger Harry McVeigh verschlug einem erst einmal die Sprache und das Sonnenlicht tat den überwiegend düsteren Songs sichtlich gut.

Passenger, der bereits im vergangenen Jahr am Southside Festival ein kurzes Set zum Besten gab, war auch diesmal wieder auf der Blue Stage zu Gast. Neben seinen zum Mitsingen animierenden Nummern wie "Life's For The Living", "I Hate" oder "Holes" gab der Singer-Songwriter auch ein Cover zu Simon & Garfunkels "Sound Of Silence" und neues Material wie "27" und "Whispers", dem Titeltrack seiner aktuellen Platte, zum Besten. Im vergangenen Jahr stürmten noch viele Festivalbesucher gleich nach seinem Hit "Let Her Go" aus dem Zelt, diesmal jedoch blieben sie bis zum Schluss.

Im Anschluss rockten Franz Ferdinand die Green Stage und brachten Jung und Alt mit ihren Hits "Do You Want To", "Take Me Out" oder "This Fire" zum Ausrasten. Selbiges geschah bei Bonaparte auf der Blue Stage, als der Song "Anti Anti" über das Gelände dröhnte.

Die größten musikalischen Highlights des Tages boten zum einen The Black Keys auf der Green Stage, die bei mir schlicht und ergreifend Eargasm verursacht haben, und zum anderen Ed Sheeran, der sich rappend und singend in seiner Höchstform zeigte. Von "You Need Me, I Don't Need You" und "Lego House", über "Drunk" und "Give Me Love", bis hin zu "A Team" und dem Titelsong für Hobbit 2 "I See Fire" waren alle Hits dabei. Ziemlich schade war, dass Seeed schon kurz vor Ende des Konzerts auf der anderen Bühne mit ihrem Set begannen und die ruhigen Klänge von Ed übertönten.

Kurz vor Mitternacht war auf der Red Stage Lykke Li anzutreffen, die mit gewohnt düsterem und vernebeltem Bühnenbild viele Nummern ihres neuen Albums "I Never Learn", aber auch Klassiker wie "I Follow Rivers", "Youth Knows No Pain" und "Get Some" performte. Direkt im Anschluss brachten Fettes Brot die Blue Stage als Headliner zum Beben und zogen mit ihrem Hit-Feuerwerk und gewohnt großartiger Bühnenshow die Massen an.

Mit 15 Minuten Verspätung - um 1 Uhr morgens nimmt man ihnen das doch schon ein wenig übel - betraten schließlich Belle & Sebastian die Red Stage. Mit ihrer locker leichten Musik und Tracks wie "If She Wants Me" hätten diese wohl besser bei einem Nachmittagsslot überzeugen können und stattdessen wäre Kavinsky im Weißen Zelt eindeutig die bessere Wahl gewesen.

Man darf gespannt sein, was der zweite Tag am Southside Festival bringen wird - mit dabei sind George EzraThe Naked And Famous, Bombay Bycycle ClubAngus & Julia StoneThe KooksCasperArcade FireMacklemore & Ryan LewisJames Blake und viele mehr!

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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