BÜCHERBÖRSE

OOHYO - Girl Sense(소녀감성)

Ein bisschen Klischee, ein bisschen Zuckerguss: OOHYO (c) XMG
Ein bisschen Klischee, ein bisschen Zuckerguss: OOHYO

Achtung Spoiler-Alarm: In Südkorea gibt es mehr MusikerInnen außer Psy. Wenn man sich ein bisschen mit asiatischer Musik beschäftigt, ist einem sicher schon der Begriff K-Pop über den Weg gelaufen. Dieser bezeichnet koreanischen Pop, der eine ziemlich eigene Musikrichtung ist. Für ungeübte Ohren reicht die Bandbreite der emotionalen Reaktion auf jene Musik von Lachflash bis Fassungslosigkeit. Nein, natürlich kann man K-Pop nicht einfach so herabsetzen, aber eigen ist er wie gesagt schon. Um auf Psy zurückzukommen: Es ist durchaus möglich, mit wenig Aufwand K-Pop-Artists zu finden. Weniger einfach ist es, abseits der eingespeicherten Suchergebnisse auf koreanische Indie-Musik zu kommen. OOHYO ist eine Vertreterin letzterer Kategorie und macht auf ihrer Debüt-EP "Girl Sense(소녀감성)" ihre Sache richtig gut.

Sechs zuckersüße Songs, auf denen sich die junge Sängerin klischeehaft gesprochen Mädchenträumereien hingibt, umfasst die Platte. Die Musik geht in Richtung Soft-Soul und wird von Synthesizern dominiert. Schon der Opener "This Is Why We're Breaking Up" besticht mit einer sanften Melodie à la quirky Fahrstuhlmusik. OOHYOs Stimme ist dabei gewollt süß, aber ausdrucksstark. Besonders niedlich für nicht-asiatische Ohren, der leichte Akzent. Der nächste Song "Motorcycle" hat schon mehr K-Pop-Elemente, die in Richtung Musical-Song gehen. Plötzlich erweitert ein Eurodance-Beat die melancholische Szenerie, ohne zu übertrieben zu wirken.

Sweet, sweet OOHYO

Nach den ersten zwei Liedern wird es dann ein wenig ruhiger auf "Girl Sense" und auch die Lieder gleichen sich mehr und mehr. "Vineyard" ist eine sehr hübsche Indie-Ballade mit klassischem Piano und Jazz-Einfluss. Ebenso "Girl Sense(소녀감성)", was aber ein bisschen mehr Fahrt aufnimmt und beim nachfolgenden Track auch gleich wieder verliert. Zum Ausklang gibt es noch eine einfache Gitarrenballade namens "Teddy Bear Rises" serviert.

Wer jetzt das Gefühl hat, ein rosarotes Baiserhäubchen von EP zu hören, der kann beruhigt werden, denn die Stärke von OOHYO ist die Balance zwischen süß und sanft. Ihre Stimme ist ein wenig monoton, ein wenig melancholisch und gleicht so die teils zu niedlichen Melodien aus. Außerdem sind vor allem bei den ersten zwei Tracks kreative Details in Form von Beats und Duett-Gesang zu hören. Obwohl die Musik sehr vergleichbar ist, hat man trotzdem nicht das Gefühl an einen bestimmten Artist erinnert zu werden.

"Girl Sense(소녀감성)" hat auf jeden Fall das Potenzial, ungeschulte Ohren an K-Pop und all seine Spielweisen heranzuführen, ohne zu überlasten. Außerdem ist es ein sehr solides Debüt mit guter Produktion und relativ harmonischer Tracklist.

OOYHO - "Girl Sense(소녀감성)"
UNIMAG-Rating: 3 von 5 Punkten
Genre: K-Pop, Soft-Soul, Indie-Pop
8 Songs
Label: XMG

Album-Tracklist

1. This Is Why We're Breaking Up
2. Motorcycle
3. Vineyard 03:24
4. Girl Sense
5. Piano Dust
6. Teddy Bear Rises
7. Vineyard(Korean Ver.)
8. Girl Sense(Radio Edit.)

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

Ähnliche Artikel

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook