BÜCHERBÖRSE

Mariam The Believer - The Wind EP

Mariam The Believer - The Wind Ep (c) Repeat Until Death
Mariam The Believer - The Wind Ep

Singer-Songwriterin Mariam The Believer lässt ihrem sensationellen Debütalbum "Blood Donation" die kleine, aber feine "The Wind EP" nachfolgen.

Mariam Wallentin hat eine Pause von ihren Wildbirds & Peacedrums benötigt, um ihr erstes Meisterwerk vorzulegen. Die schwedische Singer-Songwriterin mit der ebenso großartigen wie mystisch anmutenden Stimme hat als Mariam The Believer im Vorjahr mit "Blood Donation" mein persönliches Lieblingsalbum des Jahres vorgelegt. Darauf waren ambitionierte Folkstücke zu finden, die nicht nur glänzend geschrieben und gesungen waren, sondern anders als ihr bisheriger Band-Output auch sehr gelungen instrumentiert waren.

Eine Stimme zum Dahinschmelzen

Die künstlerische Neuerfindung dürfte ihr auch persönlich gut getan haben, präsentiert sie doch keine zwölf Monate nach dem Solodebüt den Auftakt zu einem groß angelegten Projekt. Mehrere experimentelle EPs will sie veröffentlichen, die erste davon, "The Wind EP", lebt vor allem von Klavier und Synthies.

Beim ersten Stück "To Conquer Pain With Love", einer Klavierballade, wurde zudem der erste Take verwendet, was sich an der zeitweise niedrigen Tonqualität erkennen lässt. Problem ist das aber keines, hat das Lied doch alle Qualitäten, die schon "Blood Donation" zum Highlight werden ließen. Der Song geht ins Ohr, hat gegen Ende genug Entwicklung, dramatisiert sich im richtigen Moment und es wird gesungen. Denn die Stimme ist und bleibt das stärkste Tool im Werkzeugkasten der Schwedin, man droht dahinzuschmelzen, wenn diese unglaublich dichten, vielseitigen Töne ihren Mund verlassen.

Zu viel Synthies

Dem unumstrittenen Höhepunkt der EP folgt ein Experiment, das zwar sehr interessant, aber nicht wirklich gelungen ist. Es ist eine Neuinterpretation von Johnny Mathis' Filmmusikklassiker "Wild Is the Wind", den in den vergangenen Jahrzehnten schon Größen wie Nina Simone oder David Bowie gecovert haben. Mariam The Believers Version verdreifacht die Länge des ursprünglich nur zweieinhalb Minuten langen Stückes, indem sie ein sehr gemächliches Tempo anschlägt, das aufgrund ihrer Stimmkraft durchaus funktionieren könnte. Die Synthiebläser, die an den Soundtrack eines anderen Films, nämlich "Blade Runner", erinnern, gefallen in diesem Kontext aber gar nicht.

"Black Mark" reiht sich eher in die Liste der düsteren Stücke Mariam The Believers ein, lässt nur wenig Zweifel daran, dass jederzeit der Untergang vor der Tür stehen könnte. Doch als die Synthies diesen ankündigen wollen, setzt Wallentin einen ihrer signifikanten Tonhöhenwechsel ein, der den Zuhörer in den siebten Himmel führt. Instrumental passt hier trotzdem nicht alles, neben den Synthesizern wirkt auch das Klavier am Ende ein wenig desorientiert.

Zum Abschluss gibt es noch ein Cover von Bernard Ighners "Everything Must Change", das sie im Vergleich zum Original überraschend optimistisch interpretiert. Man könnte sogar meinen, die doppeldeutige Hoffnung der Gospelbewegung herauszuhören. Der Sound ist hier mit Orgel und Glockenspiel sehr dicht, doch, auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, die Synthies passen auch hier nicht so wirklich dazu.

Fazit

Mariam The Believer beweist sich sogar dann als hervorragende Songwriterin, wenn sie lediglich eine Coverversion aufnimmt. Neben den schönen Originalen finden sich auf der "The Wind EP" auch Neuinterpretationen wieder, die diesen Namen auch verdienen. Als Fan kann ich das noch sehr oft hören, aber die Synthies gehören dennoch verbannt, nicht aus der Musikszene, die momentan so geil darauf ist und diese zum Teil richtig cool einsetzt. Aber aus dem Werk von Mariam The Believer sehr wohl, denn da passen sie so überhaupt nicht hinein.

MARIAM THE BELIEVER - "THE WIND EP"
UNIMAG-RATING: 
Genre: Folk
4 Songs
Label: Repeat Until Death
VÖ: 18.06.2014

Album-Tracklist

1. To Conquer Pain With Love
2. Wild Is the Wind
3. Black Mark
4. Everything Must Change

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

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