BÜCHERBÖRSE

Volt Festival 2014 - Ein Rückblick

VOLT 2014 (c) Elisabeth Voglsam
VOLT 2014

Von 2. bis 4. Juli 2014 wagten wir den Schritt über die Grenze nach Ungarn und machten uns auf zum Volt Festival nach Sopron. Auf dem Programm standen unter anderem 30 Seconds To Mars, Foals, Bring Me The Horizon, Birdy und Milky Chance. Seht hier unseren Rückblick samt Fotos!

Volt Festival - Tag 1

Morcheeba hatten am ersten Festivaltag das Glück auf ihrer Seite, denn man konnte beim gemütlichen Sound der Briten die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen. Sängerin Skye Edwards selbst strahlte zwar mit der Sonne um die Wette, so richtig vom Hocker gerissen wurde man allerdings beim braven Pop-Rock von Morcheeba nicht, nur beim Hit "Rome Wasn't Built In A Day" kam endlich ordentlich Stimmung auf. Alles in allem ein gemütlicher Auftritt und gerade recht zum Aufwärmen und Einstimmen auf ein Festival. Mit MGMT meinte es der Wettergott danach nicht mehr ganz so gut: Wenige Minuten vor Konzertbeginn zogen dicke Wolken auf und es regnete in Strömen. Der Stimmung tat das aber vorerst keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: die Kälte wurde einfach weggetanzt. Das kurzzeitige Stimmungshoch hielt aber leider nur kurz an, denn der Auftritt der Amerikaner dümpelte genauso vor sich hin, wie der Regen herunterprasselte. Die Band spulte Song für Song einfach ab, die gelangweilte Stimmung auf der Bühne übertrug sich schnell auf das Publikum und/oder umgekehrt.

Auf der überdachten Bühne im Zelt direkt neben der Hauptbühne ging es unterdessen mit den Shooting Stars von Icona Pop weiter. Den großen Publikumsansturm dürften die beiden Schwedinnen vor allem dem immer heftiger werdenden Regen zu verdanken gehabt haben. Zu Beginn zeigte sich das ungarische Publikum unglaublich textsicher und euphorisch. Und das auch zurecht, der Auftritt der beiden begann vielversprechend und die Performance der beiden strotzte nur so vor Energie, auch wenn man leider merkte, dass jede Bewegung und jede Geste einstudiert waren. Während die ersten Songs noch erfrischend und poppig klangen, ging dies bald über in einen immer gleicher klingenden Einheitsbrei mit den Hauptzutaten: wummernder Bass und quietschige Stimmen der Sängerinnen. Auch die Gemütslage des Publikums änderte sich zunehmend und die immer wieder angestimmten "I love it!"-Sprechchöre sprachen Bände. So einen Überhit zu haben ist eben Segen und Fluch zugleich – freilich aber mehr Segen als Fluch. Als es am Ende des Auftritts endlich so weit war und die ersten Töne von "I love it!" zu hören waren, bebte der Boden – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Holzkonstruktion, aus der der Boden bestand, wackelte so sehr, dass der Boden zu einer Art Riesen-Trampolin wurde. Ich fühlte mich plötzlich in meine Kindheit zurück versetzt, als ich Sommerabende singend und Trampolin hüpfend im elterlichen Garten verbracht habe. 

Volt Festival - Tag 2

Der nächste Tag begann für mich mit dem Auftritt von Magna Cum Laude, die auf ungarisch sangen, ihre Ansagen natürlich ebenfalls auf ungarisch machten und von denen ich zuvor noch nie auch nur ein einziges Lied gehört habe. Trotzdem begeisterte mich die Band rund im ihren charismatischen Sänger auf Anhieb. Vor der Bühne versammelten sich tausende Menschen, die gemeinsam mit der Band eine Wahnsinnsstimmung machten und den Auftritt feierten. Deshalb folgt an dieser Stelle einmal mehr ein Plädoyer, dass auch auf österreichischen Festivals heimische Bands endlich Slots auf der Hauptbühne zu vernünftigen Zeiten bekommen sollten – wenn in Ungarn das Publikum dafür bereit ist, dann sollte das doch auch hierzulande kein Problem sein.

Direkt im Anschluss betrat die britische Band Foals die Bühne und damit die Band, wegen der ich hauptsächlich den Weg auf das Volt auf mich genommen habe. Die Stimmung war bestens, die bekannteren Songs wie "My Number" oder "Inhaler" wurden inbrünstig mitgesungen. Vor allem Yannis Philippakis eigenwillige und mitreißende Performance lud selbst diejenigen zum Mittanzen ein, die die Band vorher nicht kannten. Schon alleine wegen dieses grandiosen Auftritts hat sich der Weg nach Ungarn gelohnt, die Sehnsucht nach einem Auftritt der Briten in Wien ist allerdings größer denn je.

Danach ging es bereits mit den heimlichen Headlinern des Festivals weiter: 30 Seconds To Mars brachten die Fans zum Ausrasten. Bereits Stunden vor Konzertbeginn besetzten Festivalbesucher die erste Reihe und in der Umbaupause vor dem Auftritt wurde jede noch so kleine Bewegung auf der Bühne mit einem Kreischen belohnt, sogar als die beiden Beleuchter links und rechts auf der Bühne ihre Plätze in luftiger Höhe einnahmen. Als ein Ende der Umbauarbeiten absehbar waren, wurden schließlich die ersten Smartphones gezückt und die Kameras aktiviert, um später nur ja nicht den Augenblick zu verpassen, in dem Jared Leto himself die Bühne betritt. Ein solch epischer Moment, der mit Sicherheit in die Geschichte der Menschheit eingehen wird, muss natürlich festgehalten werden. Schließlich wird man bestimmt noch in Jahren Sätze hören wie "Und, was hast du gerade gemacht, als Jared Leto am 03. Juli 2014 die Bühne in Sopron betrat?" Da möchte man natürlich antworten können: "Ich habe ein Foto davon gemacht!" Das Konzert begann dann etwas skurril – Jared trug eine seltsame goldene Sonnenbrille und eine Krone, dazu weite, weiße Kleider und erinnerte damit an eine Art Jesus-Darstellung. Abgesehen davon muss man festhalten, dass der Mann absolut charismatisch und sympathisch ist und teilweise sogar richtig lustig sein kann. Immer wieder wird die Frage gestellt, ob er den nun eigentlich Schauspieler oder Rockstar ist oder ein Schauspieler, der Rockstar spielt. Die Antwort ist ganz einfach: Der Mann ist Rockstar. Und zwar einer mit großen Posen, großem Pathos mit einem Hang zur Übertreibung. Dass er außerdem Schauspieler ist, ist für die Band ein Segen, denn eine gehörige Portion Schauspieltalent hat noch keinem Rockstar geschadet. Apropos Band: 30 Seconds To Mars bestehen, ob man es glaubt oder nicht, nicht nur aus Jared Leto. Der Rest der Band hielt sich aber dermaßen im Hintergrund, dass wohl niemand gemerkt hat, dass sie für Teile des Konzertes nicht auf der Bühne standen, Schlagzeuger Shannon Leto ist nicht einmal mit auf Tour (Er sitzt zur Zeit im Gefängnis!). 30 Seconds To Mars waren früher eine Band – jetzt sind könnten sie sich genauso gut "Jared Leto & His Band" nennen. Der Star selbst hat sich dafür auch genügend Starallüren für drei angewöhnt: Fotografen im Photo Pit waren verboten (Unsere Fotos entstanden aus dem Publikumsbereich), auch Interviews waren nicht erlaubt. Der Auftritt war aber sensationell und, was ich nicht erwartet hätte, auch mein Highlight des Festivals.

Volt Festival - Tag 3

Der dritte Festivaltag begann mit Sunrise Avenue, die hierzulande seit Jahren ein fixer Stern am Gute-Laune-Pop-Himmel, in Ungarn offenbar aber eher unbekannt sind. Nicht einmal die bekannteren Songs der Finnen wurden mitgesungen, was Sänger Samu Haber aber nicht davon abhielt, immer wieder das Mikrofon in Richtung Publikum zu strecken und das Publikum alleine singen zu lassen. Blöd nur, wenn niemand die Songs kennt und daher auch keiner mitsingen kann. Selbst "Fairytale Gone Bad" wurde nur sehr zurückhaltend und von einem kleinen Teil des Publikums mitgesungen. Als Samu dann aufgrund der Ähnlichkeit der finnischen und ungarischen Sprache auch noch einen Teil einer Ansage auf finnisch machte, war die Stimmung an einem Tiefpunkt angekommen. Was auch immer er gesagt hat – niemand hat es verstanden und die peinliche Stille danach sagte mehr als 1000 Worte. Birdy, die erst 18-jährige Britin, konnte unterdessen mit ihren ruhigen Klavier-Songs, die zum Teil aus Cover-Versionen bestehen (Anspiel-Tipp: "Terrible Love") das Publikum begeistern. Nur selten erhob sich Birdy von ihrem Piano, um an ein Keyboard in der Mitte der Bühne zu wechseln und so dem Publikum näher zu sein. Die ruhige Musik und der unaufgeregte Auftritt stellten sich als perfekte Abwechslung an diesem heißen Festivaltag heraus.

Auf der Hauptbühne ging es mit einer Band weiter, die sich rasch als DIE Publikumslieblinge herauskristallisierten: Bring Me The Horizon. Der Kreischpegel, der bei 30 Seconds To Mars herrschte, wurde problemlos überboten. Sowohl Frauen als auch Männer brüllten sich die Seele aus dem Leib und quittierten jede Geste des von oben bis unten tätowierten Sängers Oli Sykes mit einem lauten Kreischen. Ruhigere Töne waren unterdessen auf der Bühne im Zelt zu vernehmen, wo Clemens Rehbein und Philipp Dausch aka Milky Chance höchstpersönlich ihre Instrumente aufbauten und ihren Soundcheck erledigten. Das Duo, das im vergangenen Jahr ihren Durchbruch mit "Stolen Dance" feierte, konnte auch das ungarische Publikum begeistern, während des gesamten Konzerts wurde gesungen und getanzt. Die Band selbst präsentierte sich sympathisch und wirkte fast so, als könne sie selbst den Erfolg nicht ganz glauben. Auf Ansagen wurde großteils verzichtet, die Musik der beiden Deutschen spricht aber auch für sich.

Fazit

Alles in allem ist das Volt Festival eine Reise nach Sopron wert: Die gemütliche und entspannte Atmosphäre, das etwas ältere (und nicht dauerbesoffene) Publikum und vor allem die durchwegs gute Stimmung bei den Konzerten machen das Volt zu einem empfehlenswerten Festival, das wir wohl auch im nächsten Jahr wieder besuchen werden.

Bilder: Elisabeth Voglsam

Elisabeth Voglsam

Ressortleiterin Musik & Events
Fotografin & Redakteurin

Twitter: @EVoglsam
Instagram: vogigram_vie

elisabeth.voglsam (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

Webseite: www.flickr.com/photos/lilacsky
 

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