BÜCHERBÖRSE

Mister Manson kehrte zurück nach Wien

Marilyn Manson live in der Arena Wien (c) Petra Püngüntzky
Marilyn Manson live in der Arena Wien

Am Montag, dem 11. August 2014 war es wieder so weit. Marilyn Manson himself beehrte unsere Hauptstadt und trat unter freiem Himmel in der ausverkauften Arena Wien auf. Zuletzt war Marilyn Manson im Dezember 2012 in Wien zu sehen, damals im Doppelpack mit Urgestein Rob Zombie.

Manson (der eigentlich Brian Hugh Warner heißt) galt einst als schillernde (Live-)Figur, als provokantester Sänger unserer Zeit und als Paradebeispiel für einen gesellschaftskritischen Künstler. Von diesen Facetten war (zumindest beim Auftritt in Wien) leider nicht mehr viel zu sehen.

Den Abend läuteten die New City Kings aus England ein. Die Jungs heizten dem Publikum mit Alternative Rock mit einem Hauch von Punk ordentlich ein.

Fast pünktlich um 21 Uhr ließ dann der Regen nach und Mansons Band betrat die Bühne. Ein langes Intro ertönte aus den Lautsprechern, Mozarts "Requiem" war zu hören und schon betrat Marilyn Manson unter lautstarkem Jubeln die Bühne. Los ging es mit „Angel With The Scabbed Wings“ aus dem sehr erfolgreichen Album „Antichrist Superstar“ aus dem Jahr 1996. Die fast ausschließlich schwarz gekleideten Fans hatte der Schockrocker vom ersten Moment an auf seiner Seite. „Disposable Teens“, der Kracher aus dem Jahr 2000, wurde als nächstes gespielt. Die Setlist bestand generell eher aus älteren Nummern, wohl aus dem plausiblen Grund, dass die neuen Song erstens nicht durch die Kommerz-Decke gingen und zweitens lange nicht an die alten, härteren und beliebteren Nummern rankommen. Zwischendurch wurde mal wieder ein etwas aktuelleres Lied gespielt, beispielsweise „No Reflection“ von seinem letzten Album „Born Villain“ aus dem Jahr 2012.

Klar, Manson schafft es allein schon durch sein jahrelang aufgebautes Image, die Menschen und Fans mitzureisen und eine ganz eigene Stimmung zu kreieren.

Jedoch wirkte der Rockstar etwas geschwächt, kroch zwischendurch über die Bühne und die Zwischenansagen hielten sich auch sehr in Grenzen. Das obligatorische „Vienna, I missed you“ kam natürlich aus seinem Mund, davon gemerkt hat man jedoch wenig. Soundtechnisch war der Abend, zumindest von den hinteren Reihen aus, auch nicht sonderlich gut, denn vom Gesang bekamen die Leute weiter hinten nur mehr wenig mit.

Die beiden Coversongs „Personal Jesus“ und „Sweet Dreams“ kamen bei allen anwesenden Mansonfans super an, denn die Stimmung beim Publikum brach nie ab, ganz im Gegenteil zum Schauspiel auf der Bühne.

Als Zugabe gab es den Song „Antichrist Superstar“, wie gewohnt am Rednerpult, an dem sich Manson jedoch eher ausruhte als performte. Als allerletzte Nummer ertönte „The Beautiful People“ von der Bühne, das den Fans und der Band nochmal alles abverlangte.

Marilyn Mansons Glanzzeit (zumindest auf der Bühne) scheint wohl vorbei zu sein. Jedoch ist es trotzdem immer noch ein Phänomen, ihn und seine Band live zu erleben. Denn kaum ein anderer Künstler hat es geschafft, sich über Jahre hinweg so perfekt zu inszenieren und mit seiner Musik und seiner Kunst so zu polarisieren. Trotzdem ist erkennbar, dass die Jahre nicht spurlos an Manson vorübergegangen sind, denn vom mittlerweile 45-jährigen Rockstar mit entsprechender Attitüde ist zumindest live gar nicht mal mehr so viel übrig geblieben.

Alle Fotos: Petra Püngüntzky

Michael Haller

Musikredakteur

michael.haller@unimag.at

Instagram: michaelhllr

bei UNIMAG seit Oktober 2013

 

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