BÜCHERBÖRSE

FM4 Frequency Festival 2014 - Das war Tag 2

Snoop Dogg aka Snoop Lion am FM4 Frequency Festival © Petra Püngüntzky
Snoop Dogg aka Snoop Lion am FM4 Frequency Festival

Am zweiten Festivaltag gab es auf den drei Bühnen im Day Park (Space Stage, Green Stage, Weekender Stage) einen bunten Genre-Mix um die Ohren, der für reichlich Abwechslung sorgte – von Pop, Rock und Punk über HipHop und Reggae bis hin zu Calypso und AfroPop war alles dabei.

Obwohl es der Wettergott am Donnerstag gut mit den Festivalbesuchern meinte und keine Gewitterwolken über den Green Park in St. Pölten jagte, zeigten sich am frühen Nachmittag wohl die Nachwehen des stürmischen und verregneten Vorabends. Denn der Ansturm vor den Hauptbühnen hielt sich sehr in Grenzen. Verpasst hat man aber eh nicht viel. The Neighbourhood aus Kalifornien zeigten wegen technischen Problemen während ihres ersten Songs schonmal gewaltig Rockstar-Attitüde, als Sänger Jesse Rutherford sofort ungehalten von der Bühne stürmte und sich weigerte, so weiterzuspielen. Erst nach einer längeren Jam-Session seiner Band beschloss er, das Set alles andere als motiviert fortzusetzen.

Erst bei Tom Odell und Milky Chance setzten sich die Menschenmassen langsam in Bewegung und marschierten vom Zeltplatz zu den Bühnen. Wo auch immer Tom Odell auftaucht, bringt er die Mädchen zum Ausflippen und lässt ihre Herzen höher schlagen. Der 23-Jährige Engländer, der rein optisch ein bisschen an den jungen Nick Carter erinnert, muss nicht viel machen, um sein Publikum zu begeistern. Seine starken Songs, die schönen Klavier-Melodien, dazu sein perfekter Gesang – da bedarf es keiner großen Gesten oder vieler Worte zwischen den Liedern. Eine Stunde dauerte sein Auftritt, er hätte aber auch ruhig doppelt so lang sein können.

Auch bei Milky Chance bedarf es keiner großen Worte, die musikalische Darbietung der beiden Newcomer spricht einfach für sich. Hat man schon einmal ein Konzert der beiden miterlebt, kann man sich weitere Konzertbesuche aber leider sparen. Zwar merkt man der Band die Leidenschaft für ihre Musik an, trotzdem werden die Lieder einfach heruntergespielt, der Spaß und die Freude auf der Bühne halten sich in Grenzen. Vor der Bühne sieht die Stimmung allerdings ganz anders aus: das Publikum feierte den Auftritt.

Auf der Weekender Stage ging es unterdessen mit der Alternative-Punk-Rockerin Brody Dalle weiter. Die Australierin, die vor allem durch ihre Bands The Distillers und Spinnerette bekannt wurde (und übrigens mit Josh Homme von Queens Of The Stone Age verheiratet ist), schaffte es trotz großer Konkurrenz auf den beiden Hauptbühnen eine bemerkenswert große Menge vor die etwas versteckt gelegenen Weekender Stage zu versammeln. Gehüllt in dunkles Licht war sie zwar teilweise kaum zu sehen, konnte aber trotzdem vollends überzeugen.

Zurück auf der Space Stage deuteten bereits die aufgestellten großen Trommeln, die zur Zeit ja DER Renner unter Alternative-Pop-Bands sind (am Vortag zu sehen bei Bastille), auf die nächste Band hin. Chart-Stürmer Imagine Dragons erklommen unter großem Jubel die Bühne und zündeten ein kleines, aber feines Hit-Feuerwerk. Erstaunlich, wie viele bekannte Songs die Band, die erst in den letzten Monaten ihren Durchbruch schaffte, bereits zu verbuchen hat. Netter Auftritt, aber auch hier gilt: Wer schon einmal ein Konzert von ihnen gesehen hat, kann sich einen weiteren Konzert-Besuch sparen, denn große Überraschungsmomente oder Neuerungen gibt es kaum.

Gleiches gilt für Woodkid, der zur gleichen Zeit auf der Green Stage auftrat. Bevor Woodkid 2013 sein erstes, wirklich großartiges Album veröffentlichte, verdiente er seine Brötchen als Video-Regisseur und drehte unter anderem Videos von Lady Gaga, Lana Del Rey und Katy Perry. Seine Leidenschaft für das Visuelle ist auch bei seinen eigenen Live-Auftritten nicht zu übersehen. Seine Konzerte leben vor allem von den beeindruckenden Visuals und Videos, die die Musik perfekt ergänzen. Ein Woodkid-Konzert ist mehr als ein Konzert, es gleicht eher einer Kunst-Performance, die wirklich sehenswert ist und seinesgleichen sucht.

Auf der Weekender Stage gaben sich indes die sympathischen Dänen von The Eclectic Moniker ein Stelldichein. Neben Größen wie Imagine Dragons und Woodkid auf den beiden Hauptbühnen herrschte in der Halle anfangs leider noch gähnende Leere. Wenn die Leute bloß wüssten, was sie da verpasst haben! Mit ihrem beschwingten und tanzbaren Indie-Pop mit karibischen und afrikanischen Einflüssen heizte die Band dennoch ordentlich ein und lockte nach und nach auch immer mehr tanzfreudige Besucher an, die nach dem Set voller Begeisterung noch um eine Zugabe baten.

Für wen die Fans wirklich hier waren, wurde danach vor der Space Stage deutlich. Wo vorher das Publikum noch überschaubar war, versammelte sich plötzlich eine riesige Menschenmenge. Der Headliner der Herzen waren also die Punk-Rocker Blink 182. Die Kalifornier begeistern die Massen auch im Jahr 2014 noch wie vor 20 Jahren, als wohl ein großer Teil ihres heutigen Publikums noch nicht einmal geboren war. Musik verbindet eben, und egal ob jung oder alt, Fan der ersten Stunde oder Newbie – die Begeisterung war überall spürbar. Bei Queens Of The Stone Age, dem Headliner des Tages, herrschte vergleichsweise fast gähnende Leere vor der Space Stage. Vielleicht wäre es ja an der Zeit, nicht alle paar Jahre die gleichen Headliner zu buchen und so auch mal der ein oder anderen jüngeren Band die Chance auf einen guten Slot zu geben.

Fast zeitgleich mit Blink 182 enterte "Wiggle Wiggle" Snoop Lion – früher mal als "Fo Shizzle Ma Nizzle" Snoop Dogg bekannt – einen Joint rauchend passenderweise die Green Stage und sorgte mit HipHop- und Reggae-Sounds für ein regelrechtes Hit-Feuerwerk. Unglaublich, bei wie vielen bekannten Songs er eigentlich mitgewirkt hat.

Jan Delay hatte es als Headliner denkbar schwer, die ausgelassenen Stimmung, die bei Snoop Dogg geherrscht hat, aufrecht zu halten. Leider scheiterte der ausgesprochen sympatische Hamburger, obwohl er wirklich sein Bestes gab. Doch das kalte Wetter steckte der überschaubaren Menge sichtbar in den Knochen, die Müdigkeit siegte über die Lust, zu tanzen. Jan Delay tat einem fast schon Leid, denn sein Auftritt war wie immer gut, aber so richtig mitreißen konnte er leider nur mehr die wenigsten.

Bilder: © Petra Püngüntzky
Text: Elisabeth Voglsam & Petra Püngüntzky

Elisabeth Voglsam

Ressortleiterin Musik & Events
Fotografin & Redakteurin

Twitter: @EVoglsam
Instagram: vogigram_vie

elisabeth.voglsam (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

Webseite: www.flickr.com/photos/lilacsky
 

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