TRAINEEPROGRAMME

FM4 Frequency Festival 2014 - Das war Tag 3

Lily Allen am FM4 Frequency Festival © Petra Püngüntzky
Lily Allen am FM4 Frequency Festival

Der dritte Tag des FM4 Frequency Festivals 2014 liegt hinter uns - ein Tag mit wenigen Zuschauern und noch weniger Highlights. Obwohl der Tag mit Auftritten von Marteria und den Crystal Fighters vielversprechend begann, ließ er, je später es wurde, immer mehr nach und wurde somit zum bisher schwächsten Festivaltag der heurigen Ausgabe.

Man kann von Marteria und seiner Musik ja halten, was man möchte, aber eines muss man ihm lassen: Mit seiner gewaltigen Bühnenpräsenz wusste der sympathische Rapper jeden Einzelnen vor der Space Stage in seinen Bann zu ziehen und zu animieren. Dass das auch richtig gut ankam, bewiesen die Menschenmassen, die sich bereits gegen 16 Uhr am Konzertgelände einfanden, um 40 Minuten lang mit Marteria abzufeiern. Da bleibt nur eine Frage, die sich vermutlich jedes "Marteria-Girl" (und jeder "Marteria-Boy") stellt: Wie kann es sein, dass ein Publikumsmagnet wie Marteria solch einen frühen und somit kurzen Slot bespielen muss?

Crystal Fighters sind seit einigen Jahren Fixstarter auf Österreichs Konzertbühnen und immer ein Garant für großartige und außergewöhnliche Shows. Sänger Sebastian Pringle war beim Auftritt als eine Art Häuptling verkleidet: Pfauenfedern auf dem Kopf, dazu weite weiße Gewänder, die mit Nietengürteln und Seilen verziert wurden. Das Federn-Motto setzte sich auch in der Bühnen-Dekoration und im Outfit einiger anderer Bandmitglieder fort. Nicht nur die äußerliche Erscheinung war abgefahren, auch die Performance hatte es in sich. Der Musikstil der Crystal Fighters lässt sich nur schwer beschreiben, denn die Mischung aus elektronischen Beats und traditionellen baskischen Instrumenten wie dem Txalaparta ist so eigenartig wie genial. Live nahmen die Songs ordentlich Fahrt auf und ließen niemanden still stehen.

Bela B entschleunigte das hohe Tempo, das die Crystal Fighters vorgegeben hatten. Der Schlagzeuger der Ärzte, der im April sein drittes Solo-Album "Bye" veröffentlichte, trat mit der Band Smokestack Lightnin' auf und überzeugte mit seinem Country-lastigen Auftritt. In gewohnter Bela B-Manier waren allein schon seine Zwischenansagen Gold wert, mit denen sich sogar der plötzlich einsetzende Regen und der kalte Wind aushalten ließen. Musikalisch passte Bela B allerdings so gar nicht in das restliche Programm auf der Space Stage, das ansonsten eher elektro-lastig war.

Die wohl größte Überraschung des Tages bot Stromae mit seiner ungewöhnlichen - oder besser gesagt außergewöhnlichen - Live-Performance. Was so minimalistisch und zurückhaltend begann, bauschte sich immer mehr auf, bis der Sänger schließlich die Bombe platzen ließ. Der schlaksige Belgier bewegte sich plötzlich zu seinem elektronischen HipHop in einer Art Jumpstyle-Move und sprang dabei phasenweise wie wild auf der Bühne herum, um anschließend wieder wie erstarrt vor dem Mikrofonständer zu verharren und das Tempo herauszunehmen. Die aufwändigen Visuals unterstützten seinen Auftritt perfekt und die Kombination aus Musik, Tanz und Visuals zog das Publikum in seinen Bann und lud dazu ein, ein flottes Tänzchen hinzulegen.

Lily Allen musste zu Beginn gegen technische Probleme ankämpfen, die sie sichtlich verunsicherten. Überhaupt wirkte das ausgesprochen zarte Persönchen recht nervös und kicherte während ihrer Ansagen immer wieder wie ein aufgeregter Teenie. Über die musikalische Darbietung lässt sich streiten, aber immerhin traf sie ab und zu auch mal ein paar Töne. Das spärlich anwesende Publikum wirkte gelangweilt und viele verließen bereits nach wenigen Nummern das Gelände. Dem nicht genug, wurden beim Betrachten ihres Outfits Erinnerungen an 90er-Stars wie Blümchen geweckt und man fühlte sich schlagartig zurück in eine Zeit versetzt, als bauchfreie Tops mit Spaghettiträgern und Plateau-Schuhe die absoluten Must-Haves jeder modebewussten Frau waren.

Auch wenn das Wetter am dritten Tag halbwegs mitspielte, ließ das Line Up doch zu wünschen übrig. Der Stimmungskiller schlechthin war aber die bei allen Konzerten (ausgenommen Marteria) äußerst überschaubare Menge an Zuschauern. Man muss sich schon fragen, wo eigentlich der Großteil der Festivalbesucher ihre Zeit verbringt, wenn nicht bei Konzerten. Immerhin handelt es sich beim Frequency doch um ein Musik-Festival - die Musik scheint aber für immer mehr Zuschauer immer weiter in den Hintergrund zu rücken.

Der vierte und letzte Tag verspricht aber wieder ein guter zu werden. Auf dem Programm stehen unter anderem Gloria, Travis, Editors, The Subways und die beiden Headliner Parov Stelar und Placebo. Vor allem Letztere schaffen es hoffentlich, wieder mehr Leute zu mobilisieren und Zuschauer vor die Bühnen zu locken.

Bilder: © Petra Püngüntzky
Text: Elisabeth Voglsam & Petra Püngüntzky

Elisabeth Voglsam

Ressortleiterin Musik & Events
Fotografin & Redakteurin

Twitter: @EVoglsam
Instagram: vogigram_vie

elisabeth.voglsam (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

Webseite: www.flickr.com/photos/lilacsky
 

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