BÜCHERBÖRSE

FM4 Frequency Festival 2014 - Das war Tag 4

Placebo am FM4 Frequency Festival © Petra Püngüntzky
Placebo am FM4 Frequency Festival

Kaum zu glauben, aber das FM4 Frequency Festival 2014 ist tatsächlich bereits wieder Geschichte. Vier Tage Regen, Wind, Konzerte, Musik, Neuentdeckungen und Enttäuschungen liegen hinter uns. Zeit, auf den letzten Festivaltag zurückzublicken und ein Fazit zu ziehen. Der vierte Tag startete mit einer guten Nachricht für die Festival-Besucher: Das Wetter hatte am Finaltag endlich Erbarmen – die Sonne hatte über die Regenwolken gesiegt! Auch wenn die Temperaturen immer noch zu wünschen übrig ließen, waren die zarten Sonnenstrahlen doch Balsam auf der Seele.

Für den extrem lauten Auftritt der Noise-Punk-Whatever-Band Bo Ningen war die Sonne dann aber doch eher unpassend, Gewitter oder zumindest dunkle Regenwolken wären wohl angebrachter gewesen. Denn die Bandmitglieder, allen voran der Bassist, weckten Assoziationen mit Horrorfilmen, genauer gesagt erinnerten sie an die japanische Originalversion von The Ring. Gruselig. Das Duo Drenge, das gleich im Anschluss die Space Stage enterte, wird zwar zur Zeit von vielen Seiten gehypt, konnte aber dennoch noch nur eine sehr überschaubare Zuschauermenge anlocken.

Beim Blick auf die Green Stage zeigt sich dann der Grund dafür: Die Band Gloria, bestehend aus Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol (Ex-Wir Sind Helden), lockte erwartungsgemäß viele Neugierige an, die sehen wollten, wie sich der TV-Clown auf der Bühne machte. Und er machte es nicht schlecht. Das Erfolgsrezept von Gloria ist einfach - ein paar lockere Sprüche zwischen den Songs, die allesamt eher melancholisch und nachdenklich sind, wenig Action auf der Bühne. Klaas gab sich volksnah und gab nach dem Auftritt noch fleißig Autogramme und machte so lange Selfies mit Fans, bis auch wirklich jeder zufriedengestellt war. Sympathisch! Wir haben die beiden übrigens bereits im Frühling zum Interview getroffen.

Während Klaas sich noch um seine Fans kümmerte, begann langsam aber sicher ein Geheimtipp mit seinem Set. Hozier schaffte erst kürzlich mit "Take Me To Church" einen kleinen, aber feinen Hit. Mit seiner gleichzeitig sanften und kräftigen Stimme und den perfekt arrangierten Indie-Rock-Songs sang sich der Ire sofort in die Herzen der Zuschauer und wurde auch zu einem unserer Festivalhighlights. Bleibt nur zu hoffen, dass es bald ein eigenes Österreich-Konzert gibt!

Auf der Space Stage gab sich unterdessen The Kyle Gass Band die Ehre. Vor der Bühne fanden sich für die Uhrzeit vergleichsweise viele Festivalbesucher ein. Kein Wunder, schließlich ist der Namensgeber und Sänger der Band Kyle Gass als Mitglied des Rock-Duos Tenacious D längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Dass er auch ohne seinen charismatischen Bandkollegen Jack Black rocken kann, stellte er mit diesem Auftritt zweifelsohne unter Beweis, auch wenn die Show bei weitem nicht an jene von Tenacious D herankam.

The Subways sind Stammgäste auf österreichischen Festivals und natürlich waren sie auch dieses Jahr wieder vertreten. Erstaunlich, wie viele Leute das Trio immer wieder anlockt. Immerhin spielten sie - wie Billy Lunn selbst feststellte - bereits zum etwa 1000sten Mal auf dem Frequency. Wie dem auch sei: Das Publikum war begeistert, der Auftritt solide und mitreißend wie immer – aber eben schon tausend Mal dagewesen. Nicht nur auf der Space Stage, auch auf der kleineren Green Stage ging währenddessen ordentlich die Post ab. Gogol Bordello eroberten die Bühne, machten ordentlich Stimmung und heizten dem Publikum ein. Das ist eben der Vorteil, wenn alle Mitglieder, allen voran Sänger und Mastermind Eugene Hütz, Rampensäue sind – die Show ist voller Energie und so schnell, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll, damit man nichts verpasst.

Auf der Space Stage ging es danach düsterer weiter. Editors meldeten sich 2013 nach vier Jahren Pause mit einem neuen Album zurück und befinden sich seither auf Dauer-Tour. Das Set war eine Art Best-Of, nur zwischendurch gab es das eine oder andere Lied des neuesten und etwas schwächeren Werkes "The Weight Of You Love" zu hören. Tom Smith zog mit seiner Bühnenpräsenz und seinen eigenwilligen Bewegungen die Menge gewohnt in den Bann und die wenigen Zuschauer, die gekommen sind, waren begeistert.

2013 war auch das Comeback-Jahr der schottischen Indie-Rock Band Travis. Lange mussten ihre Fans warten, die Band wieder in Österreich begrüßen zu dürfen. Anscheinend war dies aber ein Moment, den viele herbeigesehnt hatten, denn vor der Green Stage hatte sich eine überraschend große Publikumsschar versammelt. Stundenlang könnte man Fran Healy, der seit neuestem mit seinem langen, grauen Bart an einen Farmer erinnert, der im kanadischen Outback lebt und schon seit einiger Zeit nicht mehr in der Zivilisation war, zuhören, wenn er mit seinem schottischen Akzent Songs ankündigt – bezaubernd! Ihr Greatest Hits-Konzert, gespickt mit einigen wenigen Songs des neuen Albums "Where You Stand", war schlussendlich eines der absoluten Highlights des FM4 Frequency Festivals – sogar das Publikum schien sich endlich einmal zu amüsieren, es wurde verträumt mitgesungen, mitgeklatscht, gejubelt – eine wahre Seltenheit bei der diesjährigen Ausgabe des Festivals. Spätestens bei "Flowers In The Window" überzeugten Travis die letzten Skeptiker, als sich alle Bandmitglieder in der Mitte der Bühne versammelten und gemeinsam eine Akustik-Version zum Besten gaben. Beim abschließenden "Why Does It Always Rain On Me", das man zum Titelsong des diesjährigen Frequency küren könnte, wurde gesprungen und gesungen – ein Höhepunkt zum Abschluss, so gehört sich das. Bitte Travis, kommt bald wieder!

Zeitgleich bespielten weitere Dauergäste auf österreichischen Festivals die Space StageThe Kooks, die mit ihren gewohnt fröhlichen Pop-Songs wie "Junk Of The Heart (Happy)", "Ooh La", "She Moves In Her Own Way", "Do You Wanna" und "Naive" wieder zahlreiche Festivalbesucher begeistern konnten, wollten es auch 2014 noch einmal wissen. Schade eigentlich, dass ihr Sound schon seit Jahren unverändert wirkt, denn sympathisch und talentiert sind sie ja allemal. Doch nun klangen eben selbst unbekannte Songs wieder so, als hätte man sie vorher schon irgendwo mal gehört.

Danach fiel die Entscheidung schwer: Der Abschluss des Festivals stand an – Placebo auf der Space Stage, Parov Stelar Band auf der Green Stage. Placebo holten ihren verpatzen Auftritt aus dem Jahr 2012 nach, der ihnen immer noch übel genommen wird. Damals brachen sie ihre Show nach nur wenigen Minuten abrupt ab. Heuer schafften sie immerhin ein ganzes Set, doch auch sie gehören schon zum Fixprogramm auf Österreichs Festivals. Der Publikumsandrang bei Parov Stelar auf der Green Stage konnte mit dem bei Placebo auf jeden Fall mithalten. Der Beweis dafür, dass auch Bands aus Österreich Headliner-Slots bzw. gute Nachmittags-/Abendslots verdient haben! Bei Parov Stelar wurde zum Abschluss nochmals gegen die Kälte angetanzt – die Frequency-Crowd konnte dies die letzten drei Tage ja bereits ausgiebig üben.

Unser Fazit

Das FM4 Frequency Festival 2014 bot zwar einige Highlights wie Editors, Travis, Parov Stelar Band, HozierSnoop Lion aka Snoop Dogg, The Eclectic MonikerCrystal Fighters, Biffy Clyro oder Blink 182. Trotzdem bleibt ein fahler Beigeschmack: Wenn das Line-Up sich auch im kommenden Jahr wieder ähnlich gestaltet, dann hat das Festival den Zusatz "FM4" im Namen nicht mehr verdient. Schon in diesem Jahr wäre eine temporäre Umbenennung in "Ö3 Frequency" passender gewesen. Nicht, dass es überhaupt notwendig wäre, ein Festival mithilfe eines Radiosenders zu kategorisieren. Wenn aber schon ein Radiosender im Namen steht, dann wäre es doch angebracht, die dadurch geweckten Erwartungen einigermaßen zu erfüllen. Durch Auftritte von Künstlern wie Imagine Dragons, Macklemore & Ryan Lewis (!), Bastille, Stromae, Lily Allen und Skrillex fühlte man sich eher wie auf dem Donauinselfest. Das wäre auch nicht weiter störend, wenn es nicht so wäre, wie es fast immer ist, wenn Ö3-Publikum stark vertreten ist: Bei jeder Band wird nur auf DEN einen Hit gewartet, auf das eine Lied, das man kennt. Während des restlichen Sets wird geredet, getrunken, am Boden herumgekugelt, man langweilt sich. Wenn dann endlich die ersten Töne dieses einen Liedes erklingen, wird schnell das Smartphone gezückt und alles bildlich festgehalten. Bei Konzerten von Bands, die nicht auf Ö3 gespielt werden, kamen die Leute hingegen gar nicht. Das ist zwar auf der einen Seite angenehm, wenn man das Konzert einfach nur genießen will, der Anblick eines fast leeren Zuschauerraums trotz später Spielzeit ist allerdings dann doch eher traurig.

Bilder: © Petra Püngüntzky (Nr. 28 - 32: © Elisabeth Voglsam)
Text: Elisabeth Voglsam & Petra Püngüntzky

Elisabeth Voglsam

Ressortleiterin Musik & Events
Fotografin & Redakteurin

Twitter: @EVoglsam
Instagram: vogigram_vie

elisabeth.voglsam (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

Webseite: www.flickr.com/photos/lilacsky
 

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