TRAINEEPROGRAMME

GusGus im Porgy & Bess

Kernband - GusGus (c) Magg
Kernband - GusGus

Die Bezeichnung Musikprojekt ist so schön vage, dass man sich alles darunter vorstellen kann. Musik wird gemacht, vielleicht in Verbindung mit Performance-Kunst und irgendwie gehört auch viel Elektronik dazu. So ist das zumindest bei dem Künstlerkollektiv rund um GusGus, das sich in den 1990ern in Island formiert hat. Lang ist das Debütalbum her und in so viele Jahre passen auch noch ganz viele Stilwechsel und -brüche. Und wer sich von der Andersartigkeit der Isländer überzeugen lassen möchte, hat am 5. Dezember die Möglichkeit dazu. Als i-Tüpfelchen der Angelegenheit muss man auch das Lokal herausheben, denn das Porgy & Bess ist für seine Passion für Jazz und improvisierte Musik bekannt.

Jazz und Techno nähern sich an

Die perfekte Location also für eine Band, die ihre Musik als Techno/Soul bezeichnet. Wie passt diese Mischung zusammen? Die Zusammenführung der zwei Genres hat ihre Wurzeln in der Anfangszeit der Band. Im Jahre 1995 war ein Kurzfilm namens "Pleasure" in Produktion, dessen Fertigstellung aber aufgrund finanzieller Gründe verschoben werden musste. Trotzdem beschlossen Sigurður Kjartansson und Stefán Árni Þorgeirsson gemeinsam mit Birgir Þórarinsson und Magnús Guðmundsson den Soundtrack als Platte aufzunehmen. Dieses Album erschien ein Jahr später unter dem Titel "Polydistortion" und wurde in den Kritiken sehr gelobt.

Schon in diesem frühen Werk verbanden die Musiker Rock, Downtempo und Jazz. Stellvertretend für diese Mischung steht der Song "Polyesterday", der beim ersten Mal hören sehr groovig rüberkommt. Die Vocalmelodie geht in Richtung R'n'B und Soul, während die Musik eher zu einer kühlen Version von Acid Jazz tendiert. Kurz gesagt: Wie ein minimalistischer Jamiroquai ohne Disco-Sound. Und hier muss man gleich den Begriff der Einzigartigkeit ins Spiel bringen, denn auch wenn "Polyesterday" ein sehr stellvertretender Song für die Band ist, ist er es eher wegen der Karriere und nicht wegen der Musik. Schließlich sind auch auf dem Debüt fast alle Songs sehr verschieden.

Einzigartigkeit im Detail

Doch von verschiedener klingen die darauffolgenden Alben. Vor allem die moderneren GusGus Alben scheinen gar nichts mehr mit der Anfangszeit zu tun zu haben. Als roter Faden scheint nur der Minimalismus durch die Diskographie zu führen. Als Beispiel soll hier ein direkter Vergleich angeführt werden: "Starlovers" von 1999, "Attention" von 2002 und "Over" von 2011 sind alle Songs von GusGus. Ersteres ist ein groovy Dancetrack mit sehr harten Beats und einem Refrain, der aus den 1980ern zu stammen scheint. "Attention" ist zwar ebenso ein Tanzstück, aber geht eher in die Richtung DJ Hell. Dies bedeutet minimalistische Zwischenteile bestehend aus einzelnen Beats, die von klirrenden Synthies durchrüttelt werden. Darüber tönt immer wieder eine Frauenstimme mit leicht französischem Einschlag. Als klaren Techno mit House-Einschlägen könnte man dagegen "Over" bezeichnen. Dabei kommen die House-Elemente in der sanften Melodie und dem Gesang zum Vorschein, während Techno die sehr maschinell klingenden Töne bezeichnet.

Dass alle drei Songs trotz ihrer Unterschiede ziemlich catchy sind macht wahrscheinlich den Erfolg von GusGus aus. Denn auch wenn sie die Grenzen der Tanzmusik-Genres immer wieder austesten, sind sie Meister darin, ihre eigene Vision zu erhalten. Denn House-Elemente hin oder her, man würde GusGus nie mit Calvin Harris oder David Guetta verwechseln. Auch im Techno-Bereich treffen die Vergleiche mit DJ Hell eher auf einzelne Lieder zu, als auf den Stil von GusGus. Somit darf man sich Anfang Dezember im Porgy & Bess auf eine abwechslungsreiche Show freuen.

GUSGUS - LIVE
Freitag, 5.Dezember 2014
Beginn: 20.30 Uhr
Porgy & Bess, 1010 Wien

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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