BÜCHERBÖRSE

artRAVE in Wien: Die sind doch alle Gaga!

Lady Gaga's ARTPOP Ball (c) proacguy1 (CC BY)
Lady Gaga's ARTPOP Ball

Tausende kleine Monster – die einen mehr, die anderen weniger schräg verkleidet – versammelten sich am Sonntagabend in der Wiener Stadthalle, um zwei Stunden lang mit ihrer Queen Lady Gaga um die Wette zu raven. Wir waren bei diesem Spektakel live dabei und wissen nun: Bei Gaga ist der Name Programm.

Zur Einstimmung auf eine unvergessliche Rave-Party dröhnte schon vor Konzertbeginn eine Stunde lang unerträgliches Techno-Geutze aus den Boxen. Die Blicke der ankommenden Leute verrieten, dass sie sich wohl dasselbe denken mussten wie wir: Wo sind wir denn hier gelandet? Die ultimative Aftershow-Party sollte doch erst nach der Show im Praterdome stattfinden. Naja, immerhin eine Möglichkeit, jegliche Unterhaltung vor der Show unmöglich zu machen, weil man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Als es uns dann endlich gelang, die ohrenbetäubenden Beats einigermaßen auszublenden, konnten wir die massive Bühne in seiner vollen Pracht bestaunen. Diese zog sich nämlich durch den gesamten Stehplatzbereich, die einzelnen Teile jeweils durch Stege miteinander verbunden.

Um 21:15 Uhr nahm die Dauerbeschallung ein kurzes Ende. Der weiße Vorhang, der die Hauptbühne verdeckte, fiel, und eine Art Schneelandschaft kam zum Vorschein, die beim darauffolgenden Betreten der Tänzerinnen und Tänzer quietschbunt eingefärbt wurde und im Gesamtbild – vor allem durch aufblasbare Riesenblumen, die für einen Song aus dem Boden schossen – an Alice im Wunderland erinnerte. Auch Lady Gaga selbst – anfangs in einen Glitzerbody mit Engelsflügeln gehüllt – stieg aus dem Boden empor und begrüßte ihre Little Monsters minutenlang durch angsteinflößende "Vienna"-Schreie. Für diese gab es zu diesem Zeitpunkt kein Halten mehr. Es wurde geschrien, mitgesungen und im immer wiederkehrenden Konfettiregen gebadet.

Gleich zu Beginn gab es eine wichtige Message der Pop-Queen, die deshalb so authentisch wirkte, weil Gaga selbst genau das auch auf der Bühne vorlebte: Nicht nur die Musik, sondern auch Liebe, Gleichheit, Akzeptanz und die künstlerische und kreative Freiheit sollen an diesem Abend in der Wiener Stadthalle gefeiert werden. Wer nur für ihre Hits gekommen ist, könne sich einstweilen etwas zu trinken genehmigen und aus der Halle verschwinden. Doch lange ließen "Just Dance", "Pokerface" und "Telephone" dann eh nicht auf sich warten, die rissen sogar das Publikum auf den Tribünen von den Sitzen.

Ein völlig absurder Anblick: Wo auch immer sich Lady Gaga gerade zu Boden warf, um sich dort wie wild zu rekeln, endete sie in einem Meer an Fangeschenken, die ihr pausenlos entgegengeworfen wurden – darunter zahlreiche Plüschtiere (haben die kleinen Monster etwa wieder ihre Kinderzimmer leergeräumt?), Briefe, Blumenkränze und Kleidung, die sich die Pop-Queen schließlich auch anzog, als sie für ihren ruhigen Show-Part am Klavier Platz nahm und die permanente Reizüberflutung für einige kurze Momente unterbrach.

Genau dieser Block war übrigens unser persönliches Highlight. Weg mit all den bunten und gigantischen Showelementen, weg mit dem wilden Herumgehüpfe und dem Disco-Feeling. Jetzt zählt nur das Wesentliche, nämlich der Gesang. Und wie unbeschreiblich schön und leidenschaftlich das war – vor allem der 4 Non Blondes-Klassiker "What's Up" und "Dope" ließen die Halle beeindruckt verstummen. Klar, das Motto der Show lautete artRAVE, aber wir hätten ehrlich gesagt nichts dagegen gehabt, wenn das gesamte Konzert so aufgezogen worden wäre. Ganz im Gegenteil.

Bevor es wieder in die Vollen ging, machte Gaga noch einmal deutlich, wie sehr ihr ihre Little Monsters am Herzen liegen, als sie einen der vielen Fanbriefe vorlas, die auf die Bühne geworfen wurden, bei dem ein Junge sich aufrichtig für alles bei ihr bedankte und darum bat, mit seinem Freund zu ihr auf die Bühne kommen zu dürfen. Mother Monster, wie sie liebevoll von ihren Fans genannt wird, erfüllte ihm diesen Wunsch natürlich und schon im nächsten Moment durften die beiden ihre Queen umarmen und für "Born This Way" neben ihr am Klavier sitzen.

Die permanenten Kostüm- und Perückenwechsel, bei denen sich Lady Gaga immer wieder in andere Persönlichkeiten verwandelte, dürfen auch nicht unerwähnt bleiben. Ob als Alien, Krake, Rave-Girl mit bunten Dreads (hier fand die Entblößung direkt auf der Bühne statt) oder doch als Cher-Verschnitt für "Bang Bang (My Baby Shot Me Down)" – die Verwandlungskünstlerin machte in allen Outfits eine grandiose Figur, auch wenn kaum eines davon ihren Hintern bedeckte.

Fazit

Wir selbst sind noch unschlüssig darüber, ob uns das Gesehene positiv oder negativ in Erinnerung bleiben wird. Aber um das Konzert einfach mal in den Worten eines Fans zusammenzufassen, der am Weg nach draußen nach seiner Meinung gefragt wurde: "Es war ... Gaga halt."

Fotos: proacguy1 (CC BY) / contrust adjusted

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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