BÜCHERBÖRSE

Milán - Milán EP

Milán - Milán EP (c) Christian Bobadilla/Shervin Lainez

Es soll ab und an vorkommen, dass man einem Musikstück schon während der ersten Töne anhört, dass mehr dahinter steckt als die bloße Profitgier oder der Wille, die nächste dicke Party auch garantiert zum Laufen zu bringen. Genauso passiert ist es mit Milán, einer in New York wohnhaften, in Wien geborenen und zwischenzeitlich auch in Amsterdam beheimateten Künstlerin, die im echten Leben auf den Namen Maria Neckam hört.

Ihr neuestes Schaffenswerk ist eine selbstbetitelte EP, allerdings ist sie kein unbeschriebenes Blatt in der Musikwelt. So schuf sie die Band Mia Thought and Something Happenend, welche deutliche Züge des Trip-Hop aufzeigte. Sie arbeitete in der Folge mit verschiedenen Produzenten zusammen, um sich zu verwirklichen, und arbeitete nach der Ankunft in New York mit einem Tontechniker zusammen, der ohne ihr Wissen unveröffentlichte Aufnahmen an den Produzenten Jim Orso (u.a. Hot Chip, Holy Ghost!) weitergab. Dem gefiel, was er zu hören bekam, und machte einen Remix, sandte ihn ihr zu und schon saß man in einem Boot, was die Zusammenarbeit betraf. So stand Milán schon mit vielen unterschiedlichen Künstlern auf der Bühne, wie zum Beispiel der Grammy-Preisträgerin und Neo-Soul-Musikerin Erykah Badu oder auch dem Brooklyn Philharmonic Symphony Orchestra. Daneben arbeitete sie auch mit dem Hip-Hop-Produzenten Mesta Bish (u.a. 50 Cent, Run DMC, MC Hammer) und dem Indie-Rock-Musiker David Bronson zusammen. Verschiedene Kollaborationen mit anderen Künstlern ließen sie wachsen, nun steht mit der Mitarbeit Orsos also die EP bereit, um die Welt zu bezirzen.

Hierauf findet sich allerlei Interessantes, obwohl man, wie auf einer EP üblich, nicht mehr als eine handvoll Songs zu hören bekommt. Allerdings lässt schon der erste mit dem Titel "25" deutlich aufhorchen. Mit einem schlichten Keyboard-Intro beginnend entwickelt es sich zu einem athmospärisch berauschenden Stück, das auch eine gewisse Traurigkeit vermittelt: "25 years and I had to let you go" heißt es da, und das weiß Milán dem Hörer auch zu vermitteln. Am Anfang noch recht einfach gehalten, bauen sich die elektronischen Soundwände zu einem beeindruckenden Gebilde auf, um dann wieder in den Ausgangszustand zurückzukehren. Es kommt eine leichte Melancholie zum Tragen, die sich beim ersten Hören leider nicht auf den zweiten Song, "DK6", übertragen lässt, aber schon beim zweiten Durchlauf erweist sich dieser als besser als beim ersten Mal. Das liegt allerdings nicht daran, dass der Song schlecht wäre, er gibt nur ein völlig anderes Tempo vor und lässt ein Gefühl aufkommen, als sei man aus einem Traum aufgeschreckt, nur um zu bemerken, dass gar nichts Schlimmes passiert ist.

"Nobody asked you to move in here, nobody asked you to become a part of me." Also eigentlich auch die textliche Antwort auf das, was mit dem Hörer passiert, aber da hat einen die wunderbare Stimme Miláns schon wieder in ihren Fängen. Diese legt sie im Folgenden auch mehrfach übereinander. Es schafft eine interessante Aufmerksamkeit, die den über vier Minuten dauernden Track recht schnell vorbei gehen lässt, so sehr verliert man sich darin.

Mit "Miles Apart" kehrt Maria Neckam wieder zum Ausgangspunkt der Platte zurück und füllt den leeren Klangraum mit wundervollem Leben, das sich wiederum zu einem athmosphärischen Klangteppich ausbreitet, welcher sich aber (leider) nach nur etwas mehr als zwei Minuten wieder legt. Auch hier geht es wieder um eine Beziehung, mit der es scheinbar nicht zum Besten bestellt ist, was auch die wiederkehrene Traurigkeit in den Songs erklären könnte. "This One" klingt dann schon fast wie ein Aufbruch in ein neues Leben, was sich sogar im Liedtext niederschlägt. "All we do is try to please." Und damit hat sie auch vollkommen recht, wenn man einmal in sich selbst geht und das Leben betrachtet, warum man vieles (nicht alles) so macht, wie man es macht. "Do I really have to do this to myself? I don't think so, so it's time to walk away from all bullshit and be a little bit nicer to myself." Damit trifft sie den Nagel wahrscheinlich auf den Kopf. Es ist natürlich toll, dass sich dies auch noch situationsunabhängig auf alles Mögliche übertragen lässt.

Alles in allem kann gesagt werden: Diese EP ist wirklich gelungen und darf ohne Vorbehalte weiterempfohlen werden. Als Hörer taucht man für eine kurze Zeit in Miláns Welt, die defintiv eine Reise wert ist, auch wenn oder gerade weil man sich so wunderbar darin verlieren kann.

MILÁN - "MILÁN" EP
UNIMAG-Rating:4,5 von fünf
Genre: Electronic, Synthpop
4 Songs, Spielzeit: 14:58
VÖ: 14.11.2014

Album-Tracklist

1. 25
2. DK6
3. Miles Apart
4. This One

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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