BÜCHERBÖRSE

Der blaue Vogel im Porgy & Bess: Ein Jubiläum

How To Dress Well live am Blue Bird Festival (c) Hanna Pribitzer
How To Dress Well live am Blue Bird Festival

"SOLD OUT!" hieß es schon einige Tage, bevor die Jubiläumsausgabe des Blue Bird Festivals im Wiener Porgy & Bess über die Bühne ging. Bei dem diesjährigen Line-Up zur Feier des zehnten Festival-Geburtstages absolut kein Wunder. Die Sitzplätze waren rar und innerhalb der ersten paar Minuten nach Einlass restlos besetzt. Die übrigen Musikliebhaber durften drei Abende lang im Stehen auf engstem Raum zu großartiger Musik miteinander kuscheln. Mal mehr und mal weniger freiwillig.

Tag 1

Die niederländischen Künstler I Am Oak hatten die ehrenvolle Aufgabe, den ersten Tag des Blue Bird Festivals mit einfühlsamen Indie-Folk-Nummern zu eröffnen. Vom bunt durchmischten Konzertpublikum wurde die Band sehr herzlich aufgenommen, was nicht zuletzt an ihren äußerst sympathischen Zwischenansagen lag. Der explosionsartige Höhepunkt ihres Auftritts folgte ganz zum Schluss, als die Niederländer mit letzten Kräften auf ihre Instrumente einhämmerten. Der Bassist verlor dabei sogar seinen Schuh, auch Teile des Schlagzeugs fielen nacheinander zu Boden.

Graven-schnarch-hurst lieferten mit ihrem anschließenden Set ein ziemliches Kontrastprogramm ab. Obwohl die dreiköpfige Band bereits mit einiger Verspätung die Bühne betrat, geschah alles mit einer seltenen Ruhe und Gelassenheit. Auch die dargebotenen Songs luden durch die Energielosigkeit des Sängers Nick Talbot eher zum Einschlafen als zum Mitwippen ein. Nach jedem Track legte er gefühlte fünf Minuten Pause ein, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen, seine Brille zurechtzurücken oder seine Gitarren zu stimmen. Böse Blicke seiner beiden Bandkolleginnen waren ihm sicher. Und auch das Publikum schien eher wenig begeistert zu sein. Als er aufgrund seiner Langsamkeit das Set auch noch verkürzen musste, war so ziemlich niemand im Raum traurig darüber.

 

Die Hoffnung, dass der nächste Act dem Porgy & Bess wieder ein bisschen mehr Leben einhaucht, war groß. Und wir wurden auch nicht enttäuscht. Mit Tom Krell alias How To Dress Well betrat ein vielversprechender Künstler die Bühne, der musikalisch gesehen an James Blake und gesanglich eher an SOHN erinnert, dabei jedoch insgesamt stärker in Richtung R'n'B geht. Seine beatlastigen Stücke brachten den renommierten Jazzclub im wahrsten Sinne des Wortes zum Beben, aber auch mit melancholischen Balladen konnte der Amerikaner vollends überzeugen. Seine witzigen Kommentare rundeten den stimmigen Auftritt noch perfekt ab. Das Publikum war so gefesselt, dass Sänger Tom Krell auch noch für eine Zugabe auf die Bühne gebeten wurde.

Der Hauptact des ersten Abends ließ einige Zeit auf sich warten. Mit knapp 40 Minuten Verspätung kam Patrick Wolf schließlich solo auf die Bühne und schockierte erst einmal mit seinem Aussehen. Kahl geschoren, mit kniehohen Stiefeln und Wolfsangel (?) auf der Stirn ließen sich gewisse Assoziationen nicht vermeiden. Den Hardcore-Fans, die man daran erkennen konnte, dass sie allesamt Glitzer auf den Wangen trugen, schien das nichts auszumachen. Sie schluchzten schon nach den ersten paar Nummern des Musikers in den ersten Reihen vor sich hin. Patrick Wolfs Auftritt war am Ende mehr Plauderstunde als musikalische Darbietung, weil der Multiinstrumentalist einfach viel zu viel zu erzählen hatte. Unser Fall war diese Performance nicht.

Tag 2

Am zweiten Tag machte ein Frauen-Duo den Anfang. Die New Yorkerinnen Christy (an der Gitarre) & Emily (am Klavier) machten dem Singer-Songwriter-Festival alle Ehre. Dem Applaus nach zu urteilen schien dem Publikum im Porgy & Bess die jazzige Darbietung der zwei Musikerinnen gefallen zu haben, uns war der Auftritt dann doch etwas zu glatt und ereignislos, um besonders in Erinnerung zu bleiben. Ganz anders war unser Eindruck von den Österreicherinnen Fräulein Hona. Trotz durchwegs zarter und sanfter Töne zogen die vier jungen Frauen sofort die Aufmerksamkeit des gesamten Raumes auf sich, was wohl nicht zuletzt daran lag, dass sich durch ihren regelmäßigen Instrumentenwechsel endlich etwas auf der Bühne tat.

 

Anschließend war der sympathische David LeMaitre an der Reihe, der zwar aus Bolivien stammt, aber in Deutschland lebt. Der Sound des Musikers lässt sich nur schwer in ein bestimmtes Genre einordnen. Mal ist es Indie-Pop, mal Folk, dann wiederum mischt er mit seiner Band elektronische Elemente hinein. Einige seiner Songs erinnerten uns in Ansätzen an Jack Johnson – nur noch weitaus besser. Zum großen Finale wurden gegen Mitternacht die heiß umschwärmten Engländer Dry The River auf die Bühne gebeten, die ihre Songs mit viel Emotion und großen Gesten darboten. Die Setlist setzte sich überwiegend aus Tracks ihres neuen Albums "Alarms In The Heart" zusammen, was der Stimmung im Porgy & Bess aber absolut keinen Abbruch tat. 

 

Leider konnten wir dem Abschlusstag des Blue Bird Festivals nicht mehr beiwohnen, aber mit SOAKSchmieds PulsElle King und Phox am Programm konnte eigentlich nichts schief gehen, da waren wir uns sicher. Uns bleibt jetzt nur noch eins zu sagen: Wir freuen uns auf weitere zehn Jahre des blauen Vogels!

Alle Bilder: (c) Hanna Pribitzer

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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