BÜCHERBÖRSE

Oje! Mando Diao enttäuschten in weißen Unterhosen

Mando Diao live im Wiener Gasometer (c) Elisabeth Voglsam
Mando Diao live im Wiener Gasometer

Die ehemaligen Indie-Rocker Mando Diao gastierten vergangenen Montagabend im (zurecht) schlecht besuchten Wiener Gasometer. Zwar wussten wir durch ihren abgespacten und ziemlich misslungenen Auftritt am diesjährigen Nova Rock Festival bereits, dass ihr Wandel zu einer 80s-Synthie-Pop-Band kaum noch an ihren alten Sound erinnern würde, was uns dann aber bei der Live-Show präsentiert wurde, war noch viel schlimmer als erwartet.

"Hallo Wien, meine Lieblingsstadt!", begrüßte Gustaf Norén – in eine Toga aus Handtüchern gehüllt – die wenigen Fans, die es an diesem kalten Herbstabend für die Schweden Mando Diao in die Bank Austria Halle im Gasometer zog. Die Ansage ging genauso authentisch weiter: "Tonight I will do anything for you. I drove all the way from Sweden to help you." Danach schmatzte er liebevoll ins Mikrofon und ein ebenfalls in Handtücher gewickelter Björn Dixgård schlenderte mit einem Blumenstrauß in der Hand auf die Bühne, die durch einen Steg ins Publikum ragte. Noch einmal kurz an den duftenden Pflänzchen gerochen landeten diese auch schon in der Menge.

Musikalisch gesehen waren die eröffnenden Songs "Lonely Driver", "Go Out Tonight", "How We Walk" und "Sweet Wet Dreams" die reinste Katastrophe. Die Nummern plätscherten zäh vor sich hin und wurden auch noch durch unverständliche, leicht verwirrte Zwischenansagen von Gustaf und Björn untermalt. Zwischendurch schlichen immer wieder gesichtslose, weiße Gestalten über den Steg, die für den Instrumentenwechsel zuständig waren.

Was dann folgte, ähnelte der Zeremonie einer Sekte. Mando Diao tanzten ziemlich eigenartig um ein Pult herum, das in der Mitte der Bühne aufgebaut war – fast so, als würden sie es anbeten oder eine Art Opferritual durchführen. Mit dem Caligola-Cover "Forgive Forget" kam im sonst sehr skeptischen und verhaltenen Publikum erstmals ein bisschen Stimmung auf. Dieses Hoch sollte aber nicht lange anhalten. Bevor Gustaf schließlich minutenlange Zuckungen zu den erstmals einsetzenden Drumbeats erlitt, erklärte er den Fans noch, dass sie es gewesen wären, die sie zu all dem inspiriert hätten. Das heißt also im Klartext, dass er UNS für diesen Mist verantwortlich macht?!

Mittlerweile sind wir beim 15. Lied des Abends angekommen und wundern uns, warum wir nicht schon unsere Sachen gepackt haben und gegangen sind. Während "Money Doesn't Make You A Man" entledigten sich die zwei Männer plötzlich ihrer Kleidung und spielten fortan in weißer, eng anliegender Unterwäsche weiter. Oje, das können sie doch nicht ernst meinen? Immer mehr Menschen teilten wohl unsere Gedanken und stürmten aus der Konzerthalle.

Mit "Down In The Past" und "Gloria" kamen doch noch zwei kleine Hoffnungsschimmer, die durch Gustaf Noréns anschließende Frage "What Day Is It? What Day Is It?" wieder ein klein wenig getrübt wurden. Es ist Montag, wie oft denn noch? Kollege Björn Dixgård musste dem Publikum dann ein bisschen auf die Sprünge helfen. Es war natürlich "Black Saturday", wie konnten wir das bloß vergessen?

Nach einer Champagner-Dusche und einem doch noch gelungenen Finale mit ihrem Klassiker "Dance With Somebody" verabschiedeten sich Mando Diao von ihren Fans, um schon nach kurzer Pause für zwei Zugaben auf die Bühne zurückzukehren. Die verbliebene Menge wünschte sich einige alte Songs, woraufhin Gustaf sichtlich genervt Welthits anderer Künstler ("Hooked On A Feeling" und "Let It Be") durch den Raum schrie und anstatt ihrer geforderten Hits "Love Last Forever", einen brandneuen Song, anspielte. Zum krönenden Abschluss eines enttäuschenden Abends gab es noch eine Großraumdisco-Version von "Black Saturday" um die Ohren. Selbst der Einspieler zu "Let It Go" von Frozen, der nach dem Konzert folgte, schien mehr Stimmung zu verbreiten als das 21 Titel umfassende Set der zwei Schweden.

Ist das eigentlich noch Kunst oder kann das weg? Wir plädieren für Zweiteres. Mando Diao sind mit "Aelita" in eine neue Sphäre aufgestiegen und haben ihren Verstand und ihre Fans wohl irgendwo am Weg dorthin verloren. 

Bilder: (c) Elisabeth Voglsam

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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