BÜCHERBÖRSE

Vague - Tempdays

Vague - Tempdays (c) Siluh Records

Neue Bands gibt es zuhauf, ob jetzt die Clique aus der Schule oder ein paar professionelle Musiker, irgendwer hat sich immer gerade gegründet. Und dass Wien, die Stadt der Musik, neben klassischer Musik mehr zu bieten hat, ist auch geneigten Ohren nicht entgangen. Hier kommen wir zu Vague, fünf junge Männer Anfang zwanzig, die sich musikalisch "der Tradition von Bands wie The Clean, Felt, The Feelies verschrieben haben", wie der Pressetext erzählt. Bei deren Musik kommen alle klassischen Instrumente der Rockband zum Tragen. Ganze drei Gitarren begleiten das Geschehen, gespielt von den Sängern Konstantin, Gabriel und Simon, am Bass steht Juan und die Drumsticks schwingt Gregor. Nun erscheint die erste EP, welche den Namen "Tempdays" trägt und fünf Songs enthält.

Was gleich zu Anfang auffällt ist, dass der Gesang nicht allzu stark in den Vordergrund getragen wird, wie man es vielleicht von Bands wie Esben and the Witch kennt. Ein anderes Beispiel wäre der Song "A Forest" von The Cure, der sich wie ein sphärisches Netz um den Hörer schlingt und ihn vollkommen einnnimmt mit seiner fast schon zurückhaltend vorgetragenen Intensität. So verhält es sich auch mit "Tempdays". Findet man in die ersten beiden Songs "Nothing Again" und "Vain City" anfangs noch eher langsam hinein, finden "Black Sheep" und "Take It Still" gleich den Weg in den Kopf und lassen so schnell nicht mehr los.

Aber der Reihe nach. "Nothing Again" zeichnet sich durch ein geschicktes Aufbauen eines Klangwalls aus, der zunächst nur aus dem immer wiederkehrenden Gitarrenspiel besteht, ehe der Gesang einsetzt, der vor allem an Blitzen Trapper erinnert, während die Songstruktur in Richtung Neo-Post-Punk à la The Soft Moon strebt. Das alles findet zu einem tollen miteinander, vor allem wenn der Song sich dann richtig entfaltet, um wie ein Phönix in sich zusammenzufallen und von neuem aufzuerstehen. Auch "Vain City" könnte, wie alle fünf Songs auf "Tempdays", tatsächlich schon vor zehn oder auch zwanzig Jahren herausgekommen sein, allerdings ist das nicht weiter schlimm, denn auch in den kommenden zehn Jahren würden sich begeisterte Hörer finden lassen. An die gängige Popmusik versuchen sich Vague sowieso nicht anzubiedern, sie ziehen ihr Ding durch und das mit Bravour. Das darauffolgende "Black Sheep" springt dann allerdings förmlich in die Ohren, wie schon erwähnt wurde. Das gelingt auch, weil der Text sich nicht allzu sehr verändert und sich einfach wunderbar mit der Musik verbindet. Auch die neben der Leadgitarre immer wieder aufkeimenden Melodien machen die Angelegenheit zu einem erstklassigen Hörvergnügen. Spätestens bei "Space Addict" fragt man sich dann rhetorisch, ob Leute mit Anfang zwanzig wirklich noch solche Musik machen, so schön fließen die Klänge dahin. Aber abseits der großen Plattenfirmen finden sich dann eben doch noch Bands wie Vague, die ihre EP im Übrigen beim Label Siluh Records veröffentlicht haben. Der letzte Track hat es dann auch nochmals in sich. "Take It Still" beginnt mit langsamem Gitarrenspiel, während später der Gesang einsetzt, der den Song zu einem langsamen, beatleshaften Nada-Surf-Track der Anfangsjahre jener Band aufbaut. Genau so etwas passt zu einem wunderbar gemütlichen Nachmittag, den man allein im Wohnzimmer mit einem Buch in der Hand verbringt, während die Zeit dahinfließt und irgendwann der Abend da ist, ohne dass man es wirklich mitbekommen hätte.

Vague haben mit dieser Platte ein wunderbares Erstwerk herausgebracht, das es verdient hat, gehört zu werden, denn diese Band hat es verdient, diesen tollen Sound auch auf Albumlänge zu präsentieren. Wirklich viel schiefgehen kann dabei eigentlich nicht, und auch die im Februar folgende Europatour durch Deutschland, Frankreich, die Niederlande und das Vereinigte Königreich wird die Band mit großer Sicherheit auch außerhalb von Wien bekannter machen. Man darf also gespannt sein, was die Zukunft bringt.

VAGUE - "TEMPDAYS"
UNIMAG-Rating:4,5 von fünf
Genre: New Wave Psych - Pop
5 Songs, Spielzeit: 20:19
VÖ: 16.01.2015

Tracklist

1. Nothing Again
2. Vain City
3. Black Sheep
4. Space Addict
5. Take It Still

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

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