BÜCHERBÖRSE

Wir sind die Roboter - Großraumdisco à la Zoot Woman

Johnny Blake 2009, ziemlich ähnliches Outfit wie in 2015 (c) Florian Wieser
Johnny Blake 2009, ziemlich ähnliches Outfit wie in 2015

Am 26. Januar beehrten die Erschaffer der Musikrichtung Electro-Clash das Wiener WUK. Zoot Woman, eine kleine, aber sehr feine Band aus England, ist schon seit 20 Jahren im Musikbusiness. Zwar kam ihr Debütalbum "Living in a Magazine" erst 2001 raus, aber auf diesem hatten sie einen neuen Sound kreiert.

Electro-Clash ist eine Mischung aus Pop, Rock und hartem, altmodischen Elektronik-Tönen à la Kraftwerk. Hier trifft metallisch auf sanft, E-Gitarre auf Drum Machine und eine Engelsstimme auf kratzende Synthiesounds. Und diese Mischung funktioniert nicht nur auf dem Album. Auch im gut, aber nicht zu voll gefüllten Saal des WUK "kläschte" Zoot Womans Musik ein wie eine Bombe. Dabei waren nur zwei von drei Bandmitgliedern anwesend. Einer davon natürlich Johnny Blake, der Sänger des Trios, der gleichzeitig für die E-Gitarre zuständig war. Adam Blake, Johnnys Bruder, stand hinter der Drum Machine und den Synthies. Mit seinem gestreiften Shirt unter dem Sakko, den blondierten hochgekämmten Haaren und einer Wayfarer-Sonnenbrille sah er aus, als wäre er einem 1980er Teenie-Film entstiegen. Die Sonnenbrille wurde übrigens während der ganzen Show nicht abgesetzt, was einiges zur Atmosphäre des Konzertes beitrug.

Roboterhafte Show

Hier kommt auch wieder Kraftwerk ins Spiel, oder besser gesagt, der Vergleich mit jenen. Die Deutschen waren – und sind noch immer – bekannt für ihre Auftritte, bei denen sie sich roboterhaft in Szene setzen. Vor allem in den späten 1970ern trugen sie dabei nicht nur Einheitskleidung (Hemd mit Krawatte), Einheitsfrisur, sondern auch einen absolut leeren Gesichtsausdruck zu Tage. Irgendwie schafften es auch Zoot Woman, also in diesem Fall Blake & Blake, die Show ohne Makel, Höhe- oder Tiefpunkte über die Bühne zu bringen. Mit ausdruckslosen, fast arrogant wirkenden Gesichtern spielten sie einen Song nahtlos nach dem anderen. Und wer an dieser Stelle glaubt, dies sei eine negative Erfahrung gewesen – Nein, das war mal richtig angenehm.

Keine schwülstigen Ansagen, kein Flirten mit dem Publikum und kein Herauszögern ihrer Hits – einfach nur straightes Musikvergnügen für die Fans. Es war eigentlich ein ziemlich perfektes Konzert, denn die Songs waren an die Bühne und an einen Konzertsaal angepasst. Man kennt das ja, wenn das Lieblingslied einer Band großartig auf Platte klingt und dann live einfach nicht so toll rüberkommt. Zoot Woman hatte ihre Hits der ersten Platte an das Duo-Set, was ja weniger Möglichkeiten die Instrumente betreffend bedeutete, angepasst und den Raum trotzdem mit ihrem Sound komplett ausgefüllt.

Nostalgie und Moderne

Es war Großraumdisco-Musik auf edel, es war großartiges Electro für die Masse und es war genau die richtige Balance aus einer engelsgleichen, sanften Stimme und harten Beats. Anbei ein Kompliment an die Soundtechniker an jenem Abend! Zoot Woman vereinten Nostalgie mit Moderne durch die Up-to-Date Electro-Musik und den Gesang von Johnny Blake, der auch in einer 1980er Band wie ABC oder Spandau Ballet hätte singen können. Die ganze Show dauerte eine Stunde und 15 Minuten inklusive Zugabe was wiederum die perfekte Länge für ein Konzert dieser Musik ist. Nicht zu vergessen, dass auch die Reihenfolge der Songs sehr harmonisch abgestimmt war. Alles in allem ein sehr gut gelungenes Konzert, das sicherlich neue Zoot Woman Fans hervorgebracht hat.

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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