BÜCHERBÖRSE

Sex auf Deutsch mit Kraftklub in Wien

Kraftklub live im Gasometer (c) Elisabeth Voglsam
Kraftklub live im Gasometer

Kraftklub waren in Wien – schon wieder. Und es war schon wieder: verdammt gut. Und schon wieder: verdammt heiß. Und schon wieder: ausverkauft. Warum Kraftklub es immer wieder schaffen, die Hallen bis auf den letzten Platz zu füllen, ist aber wohl jedem klar, der die Band bereits live erlebt hat.

19:45 Uhr: Der Kraftklub-Sänger Felix Brummer, der interessanterweise zugleich Mädchen- und Buben-Schwarm ist, betritt die Bühne und erste Ohnmachtsanfälle im Publikum deuten sich an. Der Grund seines frühen Auftauchens ist die Ankündigung der Vorband des Abends, also ein ausgesprochen feiner Zug von Herrn Brummer. Danach enterten die Lokalmatadoren Gin Ga die Bühne und machten einfach alles richtig. Ihr mitreißendes Set, das überwiegend aus Nummern des aktuellen Albums "YES/NO" bestand, begeisterte das Publikum, es wurde getanzt und mitgeklascht, bei "Dancer" und "Remember Whatever" wurde sogar kräftig mitgesungen und die eine oder andere CD dürfte anschließend ebenfalls den Besitzer gewechselt haben. Den Platz als Support haben Gin Ga im ausverkaufen Gasometer also optimal genützt. Freude!

Kraftklub - Sex auf Deutsch!

Danach lag die Anspannung förmlich in der Luft und die Vorfreude zwang die ersten Teenies, die wahrscheinlich schon mehrere Stunden wartend vor und in der Halle verbrachten, in die Knie. Umso euphorischer wurden die ersten Töne, die die Band noch versteckt hinter einem schwarzen Vorhang spielte, abgefeiert. Um den Altersdurchschnitt im vorderen Drittel des Publikums nicht weiter unnötig anzuheben und um ein paar Zentimeter mehr Platz zu haben, trat ich dann doch schnell die Flucht nach hinten an. Und siehe da: Plan nicht aufgegangen. Bis ganz nach hinten stand die Menge dicht gedrängt, sprang, sang, grölte mit und machte viele Handy-Fotos und -Videos. Da hilft nur eines: Mitmachen! Ohnehin ist es praktisch unmöglich, bei Kraftklub auch nur eine Sekunde still stehen zu bleiben.

Sänger Felix ist eine noch bessere Version des The Hives-Frontmanns Howlin' Pelle Almqvist, der immerhin vom Spin Magazine auf ihre Liste der "50 Greatest Frontmen Of All Time" gewählt wurde. Felix hatte das Publikum, egal ob Männlein oder Weiblein, voll im Griff, animierte und tanzte ohne Ende und riss zwischendurch Witze. Lustiger Höhepunkt des Konzertes war, als er einem Fan aus der ersten Reihe sein Handy abnahm (schöne Grüße an dieser Stelle an dich, Daniel!), dessen Mutter anrief und das Publikum bei seinem Telefonat mit der hörbar verwirrten Mutter mithören ließ. Herrlich!

Kurz danach verschwand die Band erstmals von der Bühne, um wenige Minuten später auf der anderen Seite der Halle wieder aufzutauchen. Nachdem sie auf dieser eigens eingerichteten Mini-Bühne "Deine Gang" performten, mussten die Männer irgendwie zurück auf die Hauptbühne – man entschied sich für "Rückwärts-Stagediven" und ließ sich von den Fans auf Händen tragen. Kraftklub haben in ihrer noch recht kurzen Karriere eine so große Menge an Hits geschaffen, dass ein Teil davon sogar in einen Medley verramscht werden musste. Der Stimmung tat das keinen Abbruch, so lange Songs wie "Randale", bei dem sich tradtionell der gesamte Stehplatz-Parkett in einen einzigen, riesigen Moshpit verwandelt, auf dem Programm stehen. Ein etwas unangenehmer Nebeneffekt ist an dieser Stelle aber, dass – ebenfalls eine alte Kraftklub-Tradition – hormongesteuerte, schwitzende Teenies ihre verschwitzen, stinkenden T-Shirts ausziehen und damit wild in der Luft herumwedeln. Nach sage und schreibe zwei Stunden hatte der Spuk eine Ende. Ich bin wohl nicht die Einzige, die sich schon auf das nächste Konzert freut – beispielsweise am diesjährigen Nova Rock Festival, denn Kraftklub kann man einfach nicht oft genug sehen. Bleibt zum Abschluss nur noch eines zu sagen: Scheissindiedisko!

Bilder: Elisabeth Voglsam ©

Elisabeth Voglsam

Ressortleiterin Musik & Events
Fotografin & Redakteurin

Twitter: @EVoglsam
Instagram: vogigram_vie

elisabeth.voglsam (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

Webseite: www.flickr.com/photos/lilacsky
 

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