TRAINEEPROGRAMME

Ein Buch, das hauptsächlich Extravaganz enthält

Ein Buch, das hauptsächlich Extravaganz enthält (c) Christoph Pöll

Wie schafft man einen Übergang von den Märchengeschichten in einem Klostergymnasium zum Verführen in einem Lamborghini? Diese Frage können die Jungs von Bilderbuch kompetent beantworten. Die Oberösterreicher bemühen sich, mehr Sexiness in die deutschsprachige Musik zu bringen, auch wenn es auf Deutsch recht schwierig sei.

Der Sänger Maurice Ernst bezeichnet ihre Bandentwicklung als klassisch. Vielleicht beginnt nicht jede Band mit dem Vertonen von Märchengeschichten, aber dann sind sie mit den Liveauftritten gewachsen, wurden im Radio gespielt und dann hat ihnen das Internet weitergeholfen. Sie haben 2009 und 2011 zwei Alben auf den Markt gebracht, jedoch erst die zwei Jahre später erschienene Feinste Seide EP hat ihnen die Bestätigung geliefert, dass ihr Projekt doch noch erfolgreich wird. Sie wurde schon auf ihrem eigenen, neugegründeten Label Maschin Records veröffentlicht. Warum? Die Band hat sich entschieden, dass sie das meiste, was sie braucht, schon selbst innehat. Die Mehrheit des Materials hat sie auch selbst erschaffen und mit Hilfe des letzten Produzenten ausgefeilt.

Frischer Umgang mit Tradition

Michael Krammer (Gitarre), Peter Horazdovsky (Bass) und Philipp Scheibl (Schlagzeug) sind keine Fans von musikalischen Schubladen. Sie lassen sich durch verschiedene Stile der Popgeschichte inspirieren, setzen sie zusammen und versuchen einen eigenen Sound zu erstellen. Lange wollten sie mit niemandem verglichen werden, jetzt bemühen sie sich um einen frischen Umgang mit der Tradition. Jedes Album ist anders, die Jungs bezeichnen sich selbst als eine "suchende Band". Die nächsten Sounds werden wahrscheinlich eine Überraschung auch für sie selbst sein.

Die Grundideen der Lieder sind immer die Gefühle, die benannt werden möchten. Maurice behauptet ein bisschen weniger nachvollziehbare Gedankengänge zu haben - das spiegelt sich auf jeden Fall in den Texten wider. Oft abstrakt und/oder absurd versprechen sie einen weiteren, frei interpretierbaren Sinn dahinter. Das Ziel scheint sowieso, eher ein bestimmtes Feeling als eine anspruchsvolle Exegese auszulösen. Daran arbeiten sie ernsthaft. Letzten Oktober haben sie sich für dreizehn Stunden jeden Tag eingesperrt, um am neuene Album "Schick Schock" zu arbeiten. Die exzentrischen Clips spielen auch eine sehr wichtige Rolle und kosten Bilderbuch nicht wenig Arbeit. Nur um einen Lamborghini für das Video von Maschin zu kriegen, hat es einen Monat gedauert – Maurice wollte aber einfach dieses Auto. Punkt. Zusätzlich zu den teilweise ausverkauften Konzerten haben Bilderbuch alleine die riesige Arena Open Air gebucht. Das ist ein Statement. Sie sind überzeugt, dass 3.000 Menschen wegen der heimischen Musik kommen werden. Wenn ihre neuen Texte tatsächlich jedem einen Spiegel vorhalten, in dem man verdammt gut aussieht, kann das sein: Jeder will doch verdammt gut aussehen.

LIVE: 01.04. in der Arena Wien (Ausverkauft), 18.06. Arena Open Air Wien.

Bilderbuch - Schick Schock

Bilderbuch melden sich mit ihrem dritten Studioalbum "Schick Schock" zurück und die zwölf Titel bieten allerlei Interessantes. Schon der erste Song "Willkommen im Dschungel" lässt aufhorchen. Bereits durch "Maschin" ist man lässige Beats und die  irgendwie erotische Stimme von Sänger Maurice Ernst gewöhnt, doch in "Willkommen im Dschungel" wirken die Jungs sogar noch cooler. Das Mastermind lässt Falco in sich freien Lauf und heißt uns willkommen in einer Welt aus Spaß am Spaß an sich. Dass Bilderbuch Pop sexy machen, zeigt auch der dem Album seinen Namen gebende Titel "Schick Schock", in dem Ernst zugibt, hinter seinem Hintern her zu sein. Hinter dem Album sind wir auf jeden Fall her.

Eine CD-Review von Julia Kreuzer

 

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