BÜCHERBÖRSE

New Sound Festival: Premiere in der Ottakringer Brauerei

At Pavillon live am New Sound Festival (c) Elisabeth Voglsam
At Pavillon live am New Sound Festival

Vergangenen Samstag feierte das New Sound Festival sein Debüt in der Ottakringer Brauerei. Schon im Vorfeld versprach die non-profit Veranstaltung neben einem vielfältigen Aufgebot an neuen Musik-Acts, die insgesamt drei Bühnen (Silver, Yellow und Purple Stage) bespielten, auch ein sehr ansprechendes Rahmenprogramm und nachhaltiges Essen statt dem sonst so üblichen Festivalfraß. Wir waren schon zu früher Stunde für euch vor Ort und haben das Spektakel bildlich festgehalten.

Bevor es um 19 Uhr mit dem ersten musikalischen Auftritt losging, konnten die Festivalbesucher mit kurzer zeitlicher Verzögerung einer Lesung von Sebastian Andrej Schweizer (Labelchef Chimperator Productions) aus seinem Buch "Easy Does It: CRO, die Maske und der ganze Rest" und einer Diskussionsrunde zum Thema "Schneller Ruhm – Popularität in Zeiten von Social Media und Casting Shows" beiwohnen. Als großes Zuckerl gab es im Anschluss daran gratis Bier, das von Die Rakede und Kill It Kid frisch gezapft und verteilt wurde. Ein guter Start!

More of the same?

Mit kühlem Blond in der Hand ging es dann ab zur Silver Stage. Dort durften Berlin Syndrome, die dem Lumbersexual-Trend mit ihren Vollbärten alle Ehre machten, den Musikabend mit ihren gewaltigen Indie-Rock-Nummern einläuten. Anfangs noch recht angetan von ihrem Stil klang leider schon nach kurzer Zeit jedes Lied gleich. Selbst der angekündigte ruhigste Song des Sets unterschied sich nicht merklich von den tanzbaren.

Bei Singer-Songwriter Chris Emray, der auf der Yellow Stage aufspielte, und Purple Souls auf der Silver Stage galt ebenfalls: Kennt man einen Song, kennt man sie quasi alle. Während Ersterer eingängige, aber irgendwie zu glatte Pop-Arrangements zum Besten gab, orientierten sich Zweitere für unseren Geschmack stilistisch etwas zu sehr an den Editors. Auf der Yellow Stage ging es dann weiter mit Still Drift, die uns an diesem Abend am wenigsten überzeugen konnten. Die Gesten der Band wirkten unnatürlich und aufgesetzt; und auch ihre Pop-Rock-Nummern erinnerten an berühmte Bands wie Simple Plan und Konsorten. Am New Sound Festival wollten wir doch neue Sounds hören und nicht etwas, das wir schon anderswo besser zu Ohren bekommen haben.

Es geht ja doch!

In dieser Hinsicht haben Hunter & The Bear alles richtig gemacht. Mit einer bunten Mischung aus Folk, Rock und Country und Sänger Will Irvines eindringlicher Stimme konnten sie die Menschenmasse, die sich indessen vor der Silver Stage eingefunden hatte, vollends überzeugen – und das, obwohl der Großteil vermutlich bloß auf Die Rakede und Wanda gewartet hat.

Für uns wurde es dann erst einmal Zeit, das sorgfältig ausgewählte kulinarische Angebot auszutesten. Wählen konnte man zwischen Hy Kitchen, Powerbox und Wrapstars. Unsere Wahl fiel auf zuletzt genannten Food Truck, der uns besonders positiv ins Auge fiel, weil vegetarische Speisen Euro 1,50 billiger waren als die Fleischversionen. Geschmeckt hat es auch ausgezeichnet.

Gestärkt ging es zu Dotan, dessen Kompositionen live dank seiner sechsköpfigen Band eine unglaublich fesselnde Dynamik entwickelten und trotz ihrer Soundgewalt eine gewisse Ruhe zu vermitteln wussten. In seiner Heimat, den Niederlanden, zählt er schon zu den ganz Großen. Und nach diesem beeindruckenden Wien-Debüt sind wir uns ziemlich sicher, dass der Erfolg auch bei uns nicht lange ausbleiben wird.

Auf der Purple Stage warteten anschließend At Pavillon mit einem sehr lebendigen Set auf – eine junge Band aus Österreich, die man definitiv im Auge behalten sollte. Schon alleine optisch machen die vier Jungs in ihren Blumenhemden einiges her, aber auch musikalisch hat ihr Indie-Rock-Sound großen Wiederkennungswert.

Amore und so...

Am Weg zu den Publikumsmagneten des Abends konnten wir noch einen kurzen Blick auf Kill It Kid erhaschen. Der reichte auch aus, um ziemlich Eindruck bei uns zu hinterlassen – Blues meets Rock meets Grunge, genial! Aber schnell weiter zur Silver Stage, wo für viele das Highlight des Festivals wartete. Wanda, die derzeit mit ganz viel Amore in aller Munde sind, bahnten sich ihren Weg auf die Bühne und hauten mit „Luzia“ gleich einmal den ersten Knaller raus. Der Saal war zum Bersten voll; das Publikum zeigte sich textsicher und Marco Wanda wurde sehr schnell so heiß, dass er sich schon nach ein oder zwei Liedern lasziv das Hemd aufknöpfen musste.

Eigentlich ist der Wanda-Sound ja gar nicht so neu, oder? Aber irgendwie mussten die Veranstalter wohl die breite Masse in die Ottakringer Brauerei locken. Wir wechselnden dann doch lieber die Location und genossen im intimen Rahmen das Österreich-Debüt von Electro-Folk-Musiker Talisco. Genau zu solchen Neuentdeckungen sollte das New Sound Festival schließlich dienen. Und der französische Sänger überzeugte auf ganzer Linie.

Unser Fazit

Das New Sound Festival wagte mit seinem Konzept, Musik-Acts von Morgen zu präsentieren, einen mutigen Schritt und enttäuschte damit nicht. Dass die meisten Festivalbesucher allerdings lieber Altbekanntes sehen, das in Österreich sowieso dauerpräsent ist, war abzusehen. Dem entdeckungsfreudigen Rest wurde zumindest ein abwechslungsreiches Musik- und Rahmenprogramm geboten. Bitte mehr davon!

Bilder: © Elisabeth Voglsam

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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