BÜCHERBÖRSE

Zola Jesus im WUK: Gewaltig und doch fragil

Zola Jesus live im Wiener WUK © Elisabeth Voglsam
Zola Jesus live im Wiener WUK

"Taiga", das aktuelle Studioalbum von Zola Jesus, auf dem sie eine musikalische Neuausrichtung hin zu Pop- und Elektro-Sounds wagte, brachte der Sängerin seit der Veröffentlichung ihres Longplayers im Oktober 2014 einiges an Kritik ein. Bei ihrem eindrucksvollen Auftritt im Wiener WUK war davon zum Glück nichts zu spüren, nur die Zuschauerreihen blieben an diesem Abend dünner besetzt als erwartet.

Zusammen mit ihrer dreiköpfigen Band enterte Nika Roza Danilova alias Zola Jesus ganz in Schwarz gehüllt und auf hohen Absätzen die Bühne, die bloß durch beleuchtete Deko-Eisberge erhellt wurde, um sogleich mit dem Titeltrack der aktuellen Platte "Taiga" loszulegen. In ihrem knapp einstündigen Set fand jede Nummer des neuen Albums Platz, aber auch einige ältere Songs wurden zwischendurch eingestreut. Dem eifrig im Takt mitwippenden Publikum schien der neue Pop-Einschlag ziemlich gut gefallen zu haben, einige schiefe Blicke wurden dann aber doch ausgetauscht.

Die Frau mit den zwei Persönlichkeiten

Das lag allerdings an der extravaganten Performance der zierlichen Musikerin, die durch ihre Erscheinung und den musikalischen Richtungswechsel mehr denn je an Lady Gaga erinnert. Zunächst schritt Zola Jesus noch mit starrem Blick ins Publikum gerichtet am Bühnenrand hin und her, während sie mit ihrer operngeschulten Stimme "Dangerous Days" trällerte. Im nächsten Moment ging sie dann auch schon zuckend und zappelnd zu Boden, wirbelte ihre dunklen Haare in alle Richtungen und schleppte sich in ruckartigen Bewegungen quer über die Bühne, bevor sie wieder zur Ruhe kam, sich wie eine Elfe grazil vor den Mikrofonständer stellte und die nächsten Textzeilen durch den Saal hallen ließ. Kurze Zeit später begann das gleiche Spiel von vorne, nur dass die Sängerin diesmal singend in der Menschenmenge verschwand. Durch ihre geringe Körpergröße konnte man nur noch erahnen, wo sie sich gerade herumtrieb. Es war ein ständiger Wechsel zwischen einer fordernden, fast schon besessenen und einer sanften, fragilen Zola Jesus. Letztere Persönlichkeit kam auch zum Vorschein, als die junge Künstlerin für die erste Strophe von "Nail" das Mikrofon aus der Hand legte und den Raum a cappella mit ihrer Stimmgewalt ausfüllte. Wow!

Live stehen die neuen Nummern den alten nun wirklich in nichts nach, was die Musikerin im WUK auch eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Das Wiener Publikum zeigte sich trotz der kurzer Spieldauer von knapp über einer Stunde vollends begeistert.

Bilder: © Elisabeth Voglsam

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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