BÜCHERBÖRSE

Catastrophe & Cure: „Wir wollten uns weiterentwickeln.“

Catastrophe & Cure im Interview (c) Christian Meislinger
Catastrophe & Cure im Interview

Mit "Undeniable / Irresistible" veröffentlichen Catastrophe & Cure am 10. April ihr zweites Studioalbum, das elektronischer und basslastiger daherkommt als der Vorgänger "Crazy Like Doves". Wir haben Sänger und Gitarrist Johannes Eder und Cellist Sebastian Kargl zum Interview getroffen, um mit ihnen über ihre neue Platte, ihre bevorstehende Tour, die Amadeus Music Awards und den Eurovision Song Contest zu plaudern.

UNIMAG: Bis zum Release eures neuen Albums "Undeniable / Irresistible" dauert es nicht mehr lange. Wie ist in dieser Hinsicht eure momentane Befindlichkeit?

Johannes: Ein bisschen nervös, aber vor allem erleichtert, dass der Prozess der Albumproduktion endlich abgeschlossen ist und wir wieder live spielen können. Wir sind gern als beste Freunde unterwegs und haben sehr viel Spaß auf der Bühne.

Es ist ja das "schwierige" zweite Album. Habt ihr euch selbst viel Druck gemacht oder gar Druck von außen gespürt?

Johannes: Druck von außen war keiner da. Man legt sich selbst die Latte sehr hoch und ich finde, dass das zweite Album auch wesentlich schwieriger und härter war als das erste.

Sebastian: Viel schwieriger!

Johannes: Ich hatte sehr hohe Ansprüche und Erwartungen an uns. Die waren teilweise vermutlich auch schon zu hoch. Wenn man über einen so langen Zeitraum so intensiv herangezoomt im Detail arbeitet, verliert man phasenweise den Überblick. Das war wirklich nicht leicht. Umso größer ist natürlich die Erleichterung, dass es ein Ende gefunden hat. Der Punkt, an dem man sagen kann: "Jetzt sind wir fertig und zufrieden", ist gar nicht so leicht zu finden.

Sebastian: Momentan überwiegt die Vorfreude, wieder live spielen zu können. Und natürlich sind wir erleichtert, dass das Album endlich fertig gestellt ist. Das ist eigentlich auch gar nicht so selbstverständlich. Jetzt kommt sozusagen die Belohnung mit den Shows.

Inwiefern hat sich der Prozess der Albumproduktion im Vergleich zum ersten Album verändert? Was habt ihr jetzt anders gemacht?

Johannes: Beim ersten Album sind wir quasi live gemeinsam in einem Raum gestanden und haben das eingespielt. Natürlich hat es auch dort ein paar Overdubs gegeben, aber nachdem die Songs stark auf Akustikgitarre basierten, war die Gangrichtung ganz klar. Es hat nicht mehr viel Arrangement zugelassen. Es war klar, wohin man geht.

Sebastian: Die Veränderungen an den Stücken selbst waren nur noch marginal.

Johannes: Genau! Beim zweiten Album wollten wir uns nicht wiederholen. Wir wollten uns weiterentwickeln, haben dabei die Entscheidung hinsichtlich der Richtung aber nicht bewusst getroffen. Wir haben uns treiben lassen und wollten einfach mal schauen, wohin wir wandern. Wir haben mit neuen Instrumenten experimentiert und dadurch viel abstrakter gearbeitet. Du musst dich gedanklich viel mehr lösen können. Oft war es dann so, dass wir in eine Richtung gearbeitet und erst später gemerkt haben, dass es so nicht funktioniert. Also wieder zurück zum Ausgangsmaterial und von vorne beginnen. Man hat viele Möglichkeiten, was zwar spannend ist, aber es auch schwierig macht, sich nicht darin zu verlieren. Eine andere Schwierigkeit war, dass es über so einen langen Zeitraum ging. Das erste Album war innerhalb eines Monats fertig und diesmal war es ein Prozess, der sicher über ein Jahr ging. Ein Album ist eigentlich eine Momentaufnahme und je länger man diese herauszögert, umso öfter willst du doch noch etwas verändern. Es hat sich aber definitiv gelohnt.

Auf eurer Facebook-Seite habt ihr viele Künstler als eure Vorbilder genannt – um wen müsste man die Liste bei euren neuen Sound erweitern?

Johannes: Mir würde da jetzt niemand einfallen. Mein Musikgeschmack ist relativ konstant geblieben, seit ich 16 war (lacht).

Sebastian: Bei mir hat sich das schon ein bisschen verändert. Ich hab früher hauptsächlich elektronische Musik gehört und erst durch die Band wieder mehr zu Gitarrenmusik gefunden. Jetzt ist es ein Mittelding aus beidem – elektronische Musik mit Gesang wie bei SOHN, James Blake oder Ant Antic.

Johannes: Wobei ich nie das Gefühl hatte, dass wir uns an irgendeinem Künstler orientiert hätten.

Aber unbewusst wird man ja doch von dem beeinflusst, was man hört.

Johannes: Das auf jeden Fall, das kann man nicht ausblenden. Eine maßgebliche Sache, die uns sicherlich beeinflusst hat, war, dass unser Keyboarder Max beim ersten Album noch nicht dabei war und jetzt schon; und dass unser Produzent Markus in Stuttgart Vintage-Synthesizer hatte, die uns als Band natürlich neugierig gemacht haben. Künstler, die diese Entwicklung entfacht haben, hat es aber nicht gegeben, glaube ich.

Sebastian: Es war von unserer Seite aus so, dass wir das alte Album analysiert und festgestellt haben, dass "Shipwreck" uns am meisten liegt oder am besten gefällt.

Johannes: Ich weiß nicht, ob es uns am meisten liegt, aber es ist auf jeden Fall die Nummer, die erklärt, warum unser zweites Album jetzt so klingt, wie es klingt.

Im Studio habt ihr euch als Handwerker unter Beweis gestellt. Wie ist das vor sich gegangen?

Sebastian: Die tatsächliche Arbeit hat zwei Wochen gedauert. Wir waren ja mehrere Male in Stuttgart und das war unsere dritte Session, in der wir uns dann aufgeteilt haben. Sprich: Ein paar Leute sind immer ins neue Studio gefahren und die restlichen haben im alten Studio gearbeitet. Johannes war meistens fix im Studio und zusätzlich waren halt ein oder zwei Personen bei ihm, die noch etwas aufgenommen haben.

Johannes: Gerade wenn man zu sechst im Studio ist, ist man sich oft im Weg. Ideen können nicht so konsequent zu Ende gedacht werden, weil davor schon der Einfluss von jemand anderem kommt. Es war also insofern recht angenehm, weil wir im Studio zielgerichteter arbeiten konnten und der Prozess fließender war. Diejenigen, die währenddessen auf der Baustelle waren, sind abends mit völlig unbelasteten Ohren – was das Musikalische betrifft – ins Studio gekommen und konnten mit ein bisschen Abstand sagen, ob die Richtung, in die wir uns bewegt haben, eine gute ist.

Sebastian: Es war dem Prozess durchaus zuträglich, dass wir körperlich gewerkt haben.

Johannes: Es war auch deshalb gut, weil niemand nichts tuend herumsitzen musste. Jeder konnte immer seinen Teil beitragen – ob aktiv als Musiker oder als jemand, der es durch seine Arbeitskraft gerade finanziert.

Sebastian: Was auch ziemlich cool war: Wir haben hauptsächlich den Boden verlegt und sind gleichzeitig mit den Aufnahmen und dem Boden verlegen fertig geworden. Es ist sich perfekt ausgegangen und es war schön, auch ein handwerkliches Ding zu Ende zu führen. Da siehst du sofort das Endergebnis und kannst zufrieden sein.

Beim ersten Album war es so, dass Johannes sich um das Grundgerüst der Songs gekümmert hat und ihr danach als Kollektiv an den Feinheiten gearbeitet habt. Ist das jetzt noch immer so?

Johannes: Es war ähnlich, wobei die Songs, mit denen wir jetzt ins Studio gegangen sind, teilweise zur Gänze im Proberaum entstanden sind. Beim ersten Album war es noch so, dass Akustikgitarre und Gesang das Grundgerüst gebildet haben und der Rest danach kam. Da war also alles sehr vorgegeben. Diesmal war es zwar wieder so, dass von mir meistens ein Konzept kam und wir dann gemeinsam daran herumgebastelt haben, aber zwei Songs – "Not An Option" und "Bones" – sind komplett im Proberaum entstanden. Da haben wir alle gemeinsam daran gearbeitet.

Beim diesjährigen FM4 Geburtstagsfest musstet ihr recht spontan ohne Johannes auftreten. Wieso habt ihr das so gehandhabt und euch gegen eine kurzfristige Absage entschieden?

Sebastian: Wir haben schon einmal eine ähnliche Erfahrung gemacht. Da hat Johannes Stimme krankheitsbedingt versagt und unser Keyboarder Max hat kurzfristig die Gesangsparts übernommen. Wir wussten also, dass es im Bereich unserer Möglichkeiten liegt. Die Alternative wäre gewesen, nicht zu spielen, aber wir wollten FM4 und die Fans nicht enttäuschen.

Johannes: Wir haben das Beste daraus gemacht.

Sebastian: Genau! Die Chance war da und wir haben sie einfach wahrgenommen.

Johannes: Wenn die Alternative ist, gar nicht zu spielen, und die Leute dann in der Ottakringer Brauerei ohne Musik stehen, die Menschenmenge dementsprechend irgendwo anders hin drängelt, lastet da auch eine gewisse Verantwortung auf einem. Hätte es sich drei Tage vorher ereignet und wäre absehbar gewesen, hätten wir es auch bestimmt abgesagt.

Sebastian: In dem Fall war es eine Stunde vor unserem Soundcheck.

Ihr habt es ja schon erwähnt: Mit dem Album-Release folgt eine kleine Österreich-Tour. Habt ihr als Band und als Konzertbesucher eine Lieblingslocation in Österreich?

Sebastian: Im Röda sind wir groß geworden. Da kommt jeder zu seinen Wurzeln zurück.

Johannes: Da hat jeder sein erstes Live-Konzert gesehen. Das ist immer nett dort.

Sebastian: Und es kommen einfach immer so viele Leute, die man kennt.

Johannes: Ansonsten konnte ich bisher eigentlich jeder Location, in der wir gespielt haben, etwas abgewinnen. So große Bühnen wie Posthof machen natürlich immer Spaß. Es war aber auch echt lustig im neuen Werk, weil wir da nicht mal alle auf der Bühne Platz hatten (lacht). Eine Location, die wir zwar als Band noch nicht bespielt haben, mir aber als Konzertbesucher am besten gefällt, ist Open Air in der Arena. Es klingt immer gut, du siehst immer gut und es ist dort irgendwie auch nie so überfüllt, dass es unangenehm wird.

Sebastian: Der Sound dort ist echt der Hammer!

Johannes: Das Konzert im Radiokulturhaus war auch total interessant, mal etwas ganz anderes.

Fühlt es sich nicht komisch an, wenn die Leute dort alle sitzen?

Johannes: Schon ein bisschen, aber es hat damals zu unserer Musik gepasst, weil es ja eher ruhig war. Durch die neuen Songs wird das Live-Set etwas rhythmischer und geht ein bisschen mehr nach vorne. Da würde es vielleicht nicht mehr ganz so gut passen, aber zu dem damaligen Zeitpunkt war's ein rundes Ding.

Die Festivalsaison beginnt bald wieder. Sind euch Festivals oder eigene Shows lieber?

Johannes: Das ist schwierig zu sagen, weil beides großartig sein kann. Wenn man lange und oft Festivals spielt, freut man sich wieder auf Clubkonzerte und umgekehrt. Es hängt eher vom Publikum ab, ob das aufnahmefähig ist und Lust darauf hat.

Sebastian: Festivals sind natürlich insofern cool, weil du mehr Leute erreichen kannst. Und wir selbst bleiben dann gerne mal ein oder zwei Tage länger und schauen uns auch die anderen Konzerte an.

Vergangenen Sonntag fanden wieder die Amadeus Music Awards statt. Ihr wart 2013 unter den glücklichen Gewinnern. Findet ihr solche Awards wichtig?

Johannes: Es kommt immer darauf an, wie er konkret ausgestaltet ist. Den FM4 Award zu gewinnen, ist ganz schön, weil da das Publikum abstimmen kann. Das hat uns auch sehr gefreut. Es macht sich außerdem ganz gut in der Biographie, weil so etwas immer im Pressetext steht und es somit für das Booking leichter ist, uns bei diversen Festivals unterzubringen. Das darf man nicht unterschätzen. Ansonsten sind es ganz nette Anlässe. Für mich persönlich passt es aber irgendwie nicht zusammen, die Show so auf Glanz und Glamour aufzuziehen, wo plötzlich so getan wird, als wären alle große Stars, obwohl in Wahrheit nicht einmal die Hälfte von der Musik leben kann – wie es ja auch bei uns der Fall ist. Das gibt dem Ganzen so einen eigenartigen Beigeschmack.

Apropos Glanz und Glamour: Habt ihr den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest mitverfolgt?

Johannes: Peripher.

Sebastian: Ich hab ihn aktiv mitverfolgt. Es haben einige Bekannte von uns mitgemacht wie Johann Sebastian Bass. Das sind super Typen und großartige Musiker. Denen wäre es zu vergönnen gewesen. Genauso wie Folkshilfe. Was DAWA abgeliefert hat, war super und ich finde es cool, dass The Makemakes als Band gewonnen haben und nicht irgendein/e austauschbare/r SängerIn.

Johannes: Ich find, man hat gemerkt, dass sie sich bemüht haben, nicht bloß irgendeinen Künstler eigens für den Song Contest heranzuzüchten. Das war nämlich bisher immer so mein Gefühl. Da ist auf einmal irgendwer aus der Versenkung gehoben worden, von dem man noch nie was gehört hat, aber der Österreich repräsentieren soll. Diesmal hat man wirklich geschaut, dass man auf bereits existierende Bands zurückgreift. Die Auswahl war auch total unterschiedlich, was ziemlich cool war.

Hättet ihr auch mitgemacht?

Johannes: Sie haben am Anfang sehr viele Bands eingeladen mitzumachen – so auch uns. Wir mussten da aber nicht lange überlegen, weil das trotz der guten Absichten einfach nicht unser Ding wäre. Dem Song Contest konnten wir persönlich nie etwas abgewinnen. Deshalb haben wir dankend abgelehnt.

Und noch eine abschließende Frage: Wenn ihr in die Vergangenheit reisen und eurem früheren Ich etwas mit auf den Weg geben könntet, was wäre das?

Johannes: Ich hab nicht das Gefühl, dass ich ganz gravierende Fehler gemacht hätte, die ich ausbügeln müsste. Ich würd vielleicht sagen: "Sieh ein paar Sachen ein bisschen lockerer, sei nicht zu ehrgeizig und verbissen." Aber der Rat hätte mir vermutlich nichts gebracht (lacht). Vielleicht einfach irgendetwas Positives wie: "Kack dich nicht an, wird eh alles gut."

Sebastian: Das ist eine gute Frage. Ich tu mir extrem schwer, etwas Passendes zu finden.

Johannes: Jetzt hab ich's: "Wenn dich jemand fragt, ob du dir mit ihm oder ihr einen Film mit Til Schweiger anschauen magst, sag NEIN!" (lacht)

Sebastian: Ja, das ist gut (lacht)!

Vielen, lieben Dank für eure Zeit und das nette Gespräch!

Heute Abend feiern Catastrophe & Cure ihren Tourauftakt in ihrer Heimat Steyr. Danach geht es für die Band noch quer durch Österreich – save the date:

04.04.2015 »Bauhof, PETTENBACH
14.04.2015 » Rockhouse, SALZBURG
16.04.2015 » Cinezone, KREMS
17.04.2015 » Freiraum, ST. PÖLTEN
18.04.2015 » Posthof, LINZ
13.05.2015 » WUK, WIEN

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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