BÜCHERBÖRSE

Austria loves Robbie, Robbie loves Austria!

Robbie Willams live © Elisabeth Voglsam
Robbie Willams live

Mr. Robbie 'Fucking' Williams begeisterte bei zwei ausverkauften Konzerten in Linz die Massen und bewies: auch im langsam doch etwas fortgeschrittenen Alter von 41 Jahren ist er der großartigste Entertainer der Welt. Ein rein subjektiver Konzert-Bericht von einem bekennenden Fan.

Langes Warten ist man als Robbie Williams-Fan gewohnt: Je näher an der Bühne, desto besser. Deshalb – so munkelt man – haben einige Fans vor der Tips Arena in Linz übernachtet, um sich die ersten Plätze in der Schlange und anschließend die besten Plätze in der Halle zu sichern. Und das Warten hat sich gelohnt, denn Publikumskontakt steht bei einem Robbie Williams ganz oben auf der To Do-Liste. Immer wieder klatsche er mit den Fans in den ersten Reihen ab und verteilte das eine oder andere Küsschen.

Aber alles der Reihe nach: Im Vorprogramm begeisterten die drei Schwedinnen Baskery mit ihren mitreißenden Country-Folk-Songs das Publikum und boten so ein ideales Aufwärm-Programm für das, was danach folgen sollte. Das einzig Störende waren abfällige Kommentare von Konzertbesucherinnen über "die drei Weiber" wie "Flittchen-Alarm" und ähnliches. Girls, wie wärs, wenn ihr mal aufhört, euch gegenseitig schlecht zu machen und einfach mal zugeben würdet, wenn eine andere Frau einfach nur cool ist? Baskery trugen ihre Hot Pants, Doc Martens und knallroten Lippen jedenfalls mit Selbstbewusstsein – und das ist gut so. Im Vordergrund stand sowieso die Musik. Und die war mindestens so bemerkenswert wie ihre optische Erscheinung. Ein Konzert-Besuch beim nächsten Halt in Österreich wird daher dringend empfohlen!

Nach einer kurzen Umbaupause war die Spannung und Vorfreude bereits spürbar, die La-Ola-Welle machte immer wieder die Runde. Endlich war so weit war: Die Lichter gingen aus und die Show startete. Auf der Videowall erschienen Sätze, die teilweise aus Songs entnommen (z.B. "Am I Still Your Son?" aus "Come Undone") und vom Publikum mit großem Jubel beantwortet wurden. Zu den Klängen von Carl Orffs "Carmina Burana" betrat die Band die Bühne und dann war es endlich wirklich so weit: Die ersten Töne von "Let Me Entertain You" erklangen und Robbie Williams erschien, für seine Verhältnisse erstaunlich unspektakulär, auf der Bühne. Warum er dabei schwarze Teufels-Hörner trug – man weiß es nicht. Es ist aber auch wirklich egal, denn ein Robbie Williams darf nun mal alles! Es folgte ein wahres Hitfeuerwerk: "Rock DJ", "Tripping", "Bodies" (mit einem Intro von Lordes Hit "Royals"), "Millennium", "Come Undone", "Feel" und und und. Bemerkenswert und vor allem für eingefleischte, langjährige Fans erfreulich: Auch ältere Songs und solche, die es schon seit Jahren nicht mehr auf eine Setlist geschafft haben (wie "The Road To Mandalay"), wurden gespielt. Unter anderem wurde auch "Freedom", die erste Single, die Robbie Williams nach seinem Ausstieg bei Take That veröffentlichte, angesungen. Als weitere Highlights sind "Better Man", das er zusammen mit seinem Vater performte, der neue Song "Motherfucker", den er für seinen neugeborenen Sohn Charlie geschrieben hat, und "Candy" zu nennen, für das er sich eine Besucherin auf die Bühne holte und mit ihr in ein aufrecht stehendes "Bett" stieg. Über-Hits wie "Feel" und vor allem "Angels" suchten – wie gewöhnt – seinesgleichen. Die Stimmung bei diesen beiden Songs muss man erlebt haben, denn sie lässt sich schlichtweg nicht in Worte fassen.

Dass Robbie sich in Österreich mehr als nur wohl fühlt, war offensichtlich. Immerhin war Österreich auf dieser Tour eine eher außergewöhnliche Station, denn eigentlich war sie dazu gedacht, vor allem in Ländern zu spielen, in denen schon lange nicht mehr oder gar noch nie ein Robbie Williams-Konzert stattgefunden hat. Österreich fällt definitiv nicht in diese Kategorie: Allein seit 2013 spielte er hier fünf ausverkaufte Konzerte. Die Liebes-Erklärung an Österreich am Ende des Konzertes muss deshalb als absolut glaubwürdig bewertet werden. (Aus eigener Erfahrung möchte ich außerdem hinzufügen, dass er in anderen Ländern keine ähnlich gearteten Liebes-Erklärungen macht.) Diese Liebe beruht zum Glück auf Gegenseitigkeit: Austria loves Robbie, Robbie loves Austria!

Auch wenn Begriffe wie "Entertainment" oft negativ bewertetet werden, beweist Robbie Williams, dass Unterhaltung nicht oberflächlich und flach sein muss. Auch bei großen Show-Produktionen muss die Musik – wie es häufig bei anderen Popstars der Fall ist – nicht völlig in den Hintergrund geraten. Im Gegenteil: Gerade bei der diesjährigen Show stand die Musik mehr im Mittelpunkt als sonst. Die Setlist war ein buntes Best Of einer mittlerweile fast 20-jährigen Karriere. Die Bühne war weniger bombastisch und weniger überladen als in den vergangenen Jahren, einige Requisiten der letzten Tourneen wurden recycelt und in die Show eingebaut – der Fokus lag aber eindeutig auf den Performer Robbie Williams, seiner Band und den Songs. Dem hohen Entertainment-Faktor tat das keinen Abbruch! Als einziges Manko könnte man die verhältnismäßig vielen Cover-Versionen nennen, denn der Mann hat mehr als genug eigenes Material, das er zum Besten geben könnte. Aber immerhin waren die Covers gut ausgewählt und wurden, vor allem von seiner wirklich großartigen Live-Band, famos zum Besten gegeben.

Bilder: © Elisabeth Voglsam

Elisabeth Voglsam

Ressortleiterin Musik & Events
Fotografin & Redakteurin

Twitter: @EVoglsam
Instagram: vogigram_vie

elisabeth.voglsam (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

Webseite: www.flickr.com/photos/lilacsky
 

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