BÜCHERBÖRSE

Johann Sebastian Bass: "Wir werden Österreich richtig totspielen!"

Johann Sebastian Bass © Sophie Minihold
Johann Sebastian Bass

Die vermeintlichen Söhne von Johann Sebastian Bach sollten eigentlich der Vergangenheit angehören, doch nun sind sie vom 18. Jahrhundert in unserer Zeit gelandet. Seitdem bauen sie eine Brücke zwischen dem Barock und dem heutigen Elektro Pop.

UNIMAG: Ihr wart unter den Top 6 des ESC-Vorentscheids "Wer singt für Österreich?". Was könnt ihr von dieser Erfahrung mitnehmen?

Davidus: Durchwegs Positives! Viele Konzerte in der Zukunft und wir  durften in diesem Rahmen dank der familiären Atmosphäre sehr nette Künstler kennenlernen. Wir sind sehr froh darüber, wie es insgesamt verlaufen ist. Auch wenn wir den Song Contest nicht spielen, ist es gar nicht so eine große Enttäuschung gewesen.

Martinus: Es war interessant, dass wir so ein breites Publikum ansprechen können und dass sie auch sehr gut annehmen, was wir bringen. Die Leute gehen mit, die Leute hören zu. Das war vor allem schön zu sehen. Wir haben uns ein „neues“ Publikum erspielt, das zwar nicht sonderlich breit aufgestellt ist, aber dafür gerne auf Konzerte geht und scheinbar wirklich gerne zuhört. Das schätzen wir natürlich sehr: Lieber ein geballtes Publikum, das aufmerksam ist, als eine Million Menschen, die sich in Wirklichkeit nicht dafür interessieren.

Davidus: Auch sehr aufregend war, dass wir uns im Fernsehapparat betrachten konnten.

Wie fühlt sich das an?

Davidus: Ungewohnt … Ja, aufregend und spannend.

Martinus: Man kommt dann drauf: "Ah okay, wir müssen der Maske das nächste Mal sagen, dass sie uns ein bisschen schöner schminken müssen." Von Show zu Show wird es dann auch schöner.

Domenicus: Wir haben auch nie gewusst, dass unsere Zähne so gelb im Bild rüberkommen…

Davidus: … wohl wahr!

Martinus: Prinzipiell war es aber eine großartige Erfahrung! Anfangs waren wir sehr unsicher, wie das ausgehen wird. Wenn man Fernsehen heutzutage in der Neuzeit schaut, sieht man so viele Formate, wo jemand zum Affen gemacht und dann wieder irgendeine tragische Geschichte erzählt wird. Es war interessant zu sehen, was sie über uns erzählen. Im Endeffekt mussten wir uns nicht verändern oder verkleiden. Es war ein gutes Format!

Domenicus: Wir mussten uns zum Glück nicht für uns selbst fremdschämen.

Euer Make-Up ist ja wunderschön. Wie lange dauert es, euch zu schminken?

Martinus: Je nachdem, wie schön wir werden sollen. Es gibt die Variante, die wir in fünf Minuten erledigen… Aber es geht auch eine Stunde oder zwei.
Eine Stunde? Was dauert denn da so lange?

Martinus: Na ja, wenn man mit Wimperntusche, Wimpernklammer und Eye-Brush anfängt… Aber das machen doch meistens nicht wir alleine, da gönnen wir uns noch eine Visagistin unseres Vertrauens. Uns fehlt das notwendige Geschick dafür.

Habt ihr mit dem Make-Up erst durch Johann Sebastian Bass angefangen oder schon früher?

Martinus: Im 18. Jahrhundert benutzten wir auch natürlich Make-Up, das Material war aber viel schlechter. Das Rouge war beispielsweise ganz teuer damals, wir mussten teilweise unsere Finger aufritzen.

Davidus: Viel gestohlen haben wir natürlich auch. Wir haben nicht viel verdient. Wir sind eine Kapelle, also hin und wieder musste man stehlen…

Domenicus: … deswegen sind wir ja so dankbar, dass sich unser Konzertkalender füllt und wir uns mittlerweile unsere Schminke auch selbst leisten können.
Noch zu eurer Zeitreise: Ihr seid ja mit einer Zeitmaschine angereist. Warum gibt es jetzt keine mehr?

Martinus: Die gibt’s schon. Die steht an einem geheimen Ort, den wir nicht verraten dürfen. Viele Menschen denken, man kann in die Vergangenheit reisen, aber nein – das haben wir versucht. Wir sollten ja eigentlich ins Jahr 1756 geschickt werden, sind dann aber doch im Jahr 2011 gelandet. Seitdem trauen wir uns nicht mehr, weil es uns hier im dritten Jahrtausend auch sehr gut gefällt. Wenn wir einen Zeitsprung mit der Zeitmaschine wagen würden, dann könnten wir nicht mehr zurück.

Domenicus: Interessant wäre es natürlich, die Instrumente von jetzt mit in die Vergangenheit zu nehmen und dann beim Ludwig den XV. am Hof mit unseren jetzigen Instrumenten zu spielen, die wir damals nicht gehabt haben… Die Gesichter würden wir wirklich gerne sehen.

Martinus: Das Stromproblem würde entstehen.

Davidus: Wir könnten einen Generator bauen! Lange Rede, kurzer Sinn: Uns gefällt es wunderbar in der Zeit, in der wir jetzt gerade leben, und wir wollen das noch ein bisschen auskosten.

Wie kostet ihr das aus?

Davidus: Wir haben die Möglichkeit, uns der Musik zu widmen. Und… was gibt es Schöneres für uns?

Domenicus: Es ist einfach viel stressfreier geworden. Das Reisen, alles Mögliche eigentlich … Das war zwar eine spannende Zeit damals, aber sicher auch viel beschwerlicher, als es jetzt ist.

Davidus: Wien – Linz war eine Weltreise damals.

Domenicus: Für die Tour, wie wir sie heuer spielen, hätten wir wahrscheinlich früher drei Jahren gebraucht, um die ganzen Konzertsäle abzuspielen…

Davidus: Zum Glück gab es viele Kirchen – da konnten wir vor Ort immer mehrere Konzerte spielen. Heutzutage passen sie nicht mehr so gut, die Musik ist zu laut… und zu bassig.

Wird euer Tour-Kalender immer noch voller?

Davidus: Unser Tour-Kalender füllt sich sukzessiv immer mehr und wir sind sehr zufrieden. Wir haben dieses Jahr noch viele Konzerte vor uns. Und es wird mehr und mehr, also können wir uns auch nicht beklagen!

Martinus: Wir werden Österreich dieses Jahr richtig totspielen …

Domenicus: … sodass uns nächstes Jahr sicher kein Mensch mehr hören will!
Es gibt schon Gerüchte, dass ihr an einem nächsten Album arbeitet.

Davidus: Ja natürlich! Wir versuchen, jede Sekunde, die uns bleibt, an neuen Liedern zu arbeiten.

Martinus: Dieses Jahr werden wir sicher daran arbeiten, aber wann das Album dann wirklich spruchreif wird, wird die Zeit beweisen. Wir haben keinen Stress.

Vielen Dank für eure Zeit und das nette Gespräch!

Bilder: © Sophie Minihold

 

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