BÜCHERBÖRSE

So war's bei Rock In Vienna

Die legendären KISS beehrten Wien (c) KISS Catalog Ltd.
Die legendären KISS beehrten Wien

Das Rock In Vienna feierte von 4. bis 6. Juni seine Premiere und konnte eine beachtliche Anzahl an Besuchern – nämlich rund 75.000 – auf die Donauinsel locken. Drei Tage lang beehrten Legenden und vielfältige Vertreter des Rock N' Roll und Heavy Metal die österreichische Hauptstadt.

Und die Bedingungen waren mehr als gut: Die Sonne leistete wie auf Bestellung einen Dauerservice. Kaum eine Wolke schaffte es über die Donauinsel, von der aus ab Donnerstagnachmittag das Dröhnen der ersten Gitarren über das Wasser schallte. Zu diesem Zeitpunkt füllte sich das durchaus übersichtlich und großflächig gestaltete Gelände noch mit seinen motivierten Gästen, die sich trotz allem zunächst herdenweise in jeglichen Schattenflecken tummelten und sich vorrangig mit Bier stärkten.

Tag 1

Das Line-Up zum Festivalauftakt am Donnerstag lud vor allem Metal-Lieberhaber auf die Donauinsel. Viel schwarze Kleidung und lange Mähnen waren zu sehen; ideal für die ersten Headbang-Einsätze zu der ebenso Metal-geprägten Musik. Nun konnte erstmals auch das System der zwei nebeneinander liegenden Bühnen getestet werden. Dieses bot die Möglichkeit, wirklich jede Band des Tages sehen zu können, da die Stages noch dazu abwechselnd bespielt wurden.

Musikalisch eröffnet wurde das Festival von Bands wie A Caustic Fate, Gojira, Three Days Grace, Testament und Body Count feat. Ice-T; letzterer wusste besonders mit seinen derb-coolen Zwischenbemerkungen zu unterhalten. Auch A Day to Remember zeigten Einsatz. Als schließlich Faith No More ihr Set begannen, entflohen die Menschen endgültig dem Schatten und fanden sich vor der Bühne ein. Nach einer technischen Verzögerung nach dem Auftritt der deutschen Band Broilers konnten die Fans beim Hauptact – den guten alten Herren von Metallica – endlich ihre gesammelten Kräfte zum Einsatz bringen. Auch wenn sie selbst von sich behaupten, nicht mehr allzu gut zu hören ("maybe because of 30 to 40 years of metal"), hörte sie das Publikum umso lauter! Nur der legendäre Song "Nothing Else Matters" kam bis zum Schluss nicht, was einige Fans ziemlich enttäuschte.

Tag 2

Tag 2 des Rock In Vienna gestaltete sich um ein paar Noten emotionaler und softer, außerdem noch ein paar gefühlte Grad wärmer. Beginnend mit Arcane Roots, Bonaparte, Triggerfinger und Saint Vitus folgten zur Abendstimmung Bands wie Turbonegro, Danko Jones und Within Temptation. Letztere setzten mit dem strahlend weißen Korsett und der gewaltigen, eingängigen Stimme von Sharon den Adel eine weibliche Note auf der vorrangig Männer-besetzten Bühne. Dunkle Gitarren bildeten den Kontrast dazu.

Mit den aufleuchtenden, roten Augen des Teufels als Bühnenbild begannen The Hives ihre äußerst motivierende und kreative Show. Vor allem Sänger Pelle Almqvist, der nicht nur äußerlich sondern auch hinsichtlich seiner Bewegungen als Zwilling eines etwas jüngeren Mick Jagger durchgehen könnte, lieferte wieder einmal eine großartige Performance ab. Zum Sonnenuntergang füllte sich der Bereich vor den Bühnen allmählich, als Incubus die Herzen der Besucher mit sanften, aber dennoch kräftigen und emotionalen Songs bewegten.

Der Freitag nahm mit einem gewaltigen Auftritt von Muse ein Ende, die an diesem Tag ihr neues Album "Drones" veröffentlichten. Die Setlist gestaltete sich aber vorrangig aus den besten Songs ihrer gesamten Bandgeschichte. Zusätzlich vermittelten anschauliche Bilder auf den Projektionsflächen der Bühne viele Extrabotschaften – davon auch viele kritische –, während Matthew Bellamy das Publikum mit seiner einzigartigen Stimme fesselte.

Tag 3

Der wohl heißeste Tag war Tag Nummer 3, der Fans der "alte Schule" des Rock beglückte. Boon, The Dead Daisies, Hellyeah, Schirenc plays Pungent Stench, Coal Chamber und Opeth waren die ersten Akteure des Finaltages. Eine etwas außergewöhnlichere Show lieferten die japanischen Mädchen der Band Babymetal ab, die schon alleine durch ihre ausgefallenen Outfits, wie man sie nur von Japan erwarten kann, auffielen. Weiter ging es mit Heaven Shall Burn, Airbourne und Limp Bizkit, bevor Sabaton und die legendäre Band Kiss den mehr als gelungenen Festivalabschluss bildeten. Letztere zeigten, dass sie ihre Rockgene immer noch nicht verloren haben. Mit ihren größten Hits und einem Feuerwerk bebte es ein letztes Mal gewaltig, bevor gegen 23.15 Uhr wieder allmählich Ruhe über den Zweigen der Donau einkehrte.

Insgesamt kann man dem Rock In Vienna durchaus einen 'GELUNGEN'-Stempel aufdrücken – und das nicht bloß wegen der traumhaften Wetterbedingungen. Sowohl die Location als auch ihre Gestaltung waren eine sehr angenehme Vorgabe für den Genuss der vielfältigen Ströme des Heavy Metall und Rock N' Roll. Keine der Bands hat enttäuscht – ganz im Gegenteil: Die Bühnenshows blieben oft angenehm verrückt und ausgefallen in Erinnerung. Lediglich das Publikum konnte lange nicht in Stimmung gebracht werden, was aber auch an den hohen Temperaturen gelegen haben kann.

 

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