BÜCHERBÖRSE

Southside 2015 - Das war der Freitag

Irie Révoltés feierten vor voller Hütte das Ende des Freitags. © Matthias Rhomberg
Irie Révoltés feierten vor voller Hütte das Ende des Freitags.

Nicht allzu spät erwacht, konnten wir wieder einmal Richtung Haupteingang laufen und nochmal einige Freunde abholen. Immerhin war der Matsch in der Zwischenzeit größtenteils festgetreten und angetrocknet. Kurz darauf ging es auf's Festivalgelände. Zum Glück wurde dort der Schlamm regelrecht plattgewalzt und später Stroh auf dem Gelände verteilt. Die Gefahr, dreckige Schuhe mit ins Zelt zu schleppen, tendierte so zwar nicht gegen Null, war aber schon einmal gut im Zaum gehalten.

Auf der Green Stage sahen wir die erste Band des Tages. Viel war nicht los bei Catfish and the Bottlemen, aber im ersten Wellenbrecher tanzten die Leute und hatten ihren Spaß, ebenso wie die Musiker, welche ihr kurzes Set solide und überzeugend darboten. Kaum war das Konzert vorbei, standen wir auch schon an der Blue Stage, die zum Glück innerhalb von drei Minuten zu erreichen ist, wenn wenig Menschen auf dem kompakten Gelände unterwegs sind. Dort bot sich ein nicht alltäglicher Anblick. Während Skinny Lister eine recht große Menge bespaßte, entschied sich deren Bassist zum Crowdsurfing. Ansich ist das jetzt nicht unbedingt der Rede Wert, allerdings nahm er seinen Kontrabass gleich mit und spielte munter weiter.

Da nun auch noch mein Bruder am Haupteingang wartete, mussten wir nochmals dort hin und ihn abholen, anschließender Zeltaufbau inklusive. Dafür mussten leider The Vaccines ohne uns auskommen. Danach ging es aber sogleich wieder aufs Gelände und im Vorbeikommen konnten wir einen Blick auf Death From Above 1979 erhaschen. Scheinbar schien die vorhandene Crowd allerdings auf Milky Chance zu warten und bis auf vereinzelte Luftsprünge schien die Band Schwierigkeiten zu haben, an das Publikum heranzukommen. Wir wollten allerdings zu Death Cab For Cutie, jene Band, die für viele unweigerlich mit der altbekannten Serie O.C., California verbunden bleibt, da in der zweiten Staffel alles und jeder über ihren bevorstehenden Auftritt spricht. Auf jeden Fall war es schön anzuhören und natürlich wurden auch Songs von der neuen Platte ausgepackt, wie zum Beispiel das wundervolle "Black Sun".

Nach einem anschließenden Gang über das Festivalgelände landeten wir bei Milky Chance und trafen zufälligerweise noch ein paar Bekannte. Ich war ehrlich gesagt überrascht, hatte mich deren Musik nie wirklich in den Bann gezogen. Sie waren immer nett, aber mehr auch nicht. Das Konzert war allerdings wirklich nicht schlecht und machte durchaus Spaß. Für zwischendurch eine tolle Abwechslung und der Erfolg kommt sicherlich auch nicht von alleine daher. Am Ende verließen die meisten Besucher die Blue Stage, vor der dafür eine gähnende Leere einherzog. Toll für unsere Truppe, da wir mühelos bis in die ersten Reihen vordringen konnten, um bei den folgenenden Noel Gallagher's High Flying Birds auch wirklich alles mitzubekommen. Das Gelände füllte sich zwar wieder, aber Platz war allemal genügend. Das Konzert selbst begann mit "Everybody's on the Run" vom neuen Album und auch andere Songs dessen zeigten sich, Mr. Gallagher spielte aber auch Songs von der selbstbetitelten ersten Platte, u.a. "AKA...What a Life!". Als Schmankerl gab es, wie eigentlich bei jedem Konzert von Noel, drei Songs von Oasis zu hören. Leider fehlte in dieser Liste "Champagne Supernova", das auf dieser Tour eigentlich immer gespielt wurde, aber der kurzen Spielzeit von einer Stunde zum Opfer fiel. Dafür gab es "Digsy's Dinner", "The Masterplan" und natürlich zu guter Letzt das alles überragende "Don't Look Back in Anger", welche die Massen vereinigte wie in den besten Jahren der Indie-Disco.

Nach diesem erhabenen Moment begab ich mich zu Madsen, der Rest beschloß, sich The Cat Empire anzuschauen. Madsen waren kurzfristig als Ersatz für Ben Howard eingesprungen, der sich in Skandinavien einen kleinen Infekt eingefangen hatte und bedauerlicherweise absagen musste. Umso mehr wurde ich überrascht. Es war einer von vielen Madsen-Gigs im Laufe meines bisherigen Lebens, aber dieser hat wirklich alles Dagewesene um Welten übertroffen. Schon auf dem Weg spürte man die Euphorie, mit welcher die Band den Co-Headliner vor Florence + the Machine gab. Die Massen waren von vorne bis hinten dabei und es war wirklich voll vor der Bühne. Auch die Setlist lies fast nichts zu wünschen übrig, einzig der Kracher "Panik" fehlte. Sonst war wirklich alles dabei, von "Die Perfektion" über "Love is a Killer" bis hin zu "Nachtbaden", inklusive sehr spaßigen Medleys mit KISS' "I Was Made for Lovin' You" und "Smells Like Teen Spirit" von Nirvana. Wie diese Energie auf das Publikum übertragen wurde, war überragend. Alle hatten Spaß, sogar die beinharten Securities wurden laut eigener Aussage von der Spielfreude angesteckt, was wirklich selten der Fall ist. Mein persönlicher Konzerthöhepunkt war "Im Dunkeln" vom ersten Album "Madsen". Ich habe das wirklich nicht erwartet und es war dafür umso schöner, gerade als Kontrast zu den ganzen Liedern, die man von ihnen kennt und meist auch auswendig kann. Da kamen Erinnerungen hoch.

Im Anschluss an Madsen lief ich hinüber zur Red Stage, denn jetzt stand Black Rebel Motorcycle Club auf dem Programm. Das Ende von The Cat Empire war noch zu begutachten, und scheinbar hatte sie wohl das ganze Zelt in der Hand. Es war ein wahrer Hexenkessel. Ich traf in der Wartezeit auf BRMC meinen Zeltnachbarn, der eigentlich nur auf den Sonntag wartete, da dort die meisten seiner geliebten Metal- und Punkbands auf dem Programm standen. Wir unterhielten uns mehr, als dass wir dem Konzert lauschten, aber leider war es insgesamt nicht allzu spannend und bis auf den Opener "Beat The Devil's Tattoo" blieb mir nichts in Erinnerung. Es war wohl einfach das falsche Publikum da.

In der darauffolgenden Pause vor meinen Lieblingen von Irie Révoltés konnte ich durch den Zelteingang einen Blick auf den mir unsympathischen Paul Kalkbrenner erhaschen. Sonntagnacht konnte ich zuhause einen Blick auf das Konzert via TV-Übertragung werden, aber auch da blieb ich bei meiner Meinung – langweiliges Konzert. Dieser Meinung waren sogar einige Kalkbrenner-Fans, die sagten, er sei wohl etwas "zu gechillt" auf der Bühne gewesen. Irie Révoltés hingegen hatten eine Stunde Spielzeit. Leider viel zu wenig, was auch sie selbst bedauerten: "Wir könnten auch zwei Stunden spielen, aber wir haben das Timing nicht gemacht". Von "Antifaschist" über "Aufstehn" bis hin zu "Explosion" waren vor allem wieder die supertanzbaren Songs von "Mouvement Mondiale" am Start, aber auch neuere Lieder kamen zum Einsatz, ganz zum Schluss gab es "Jetzt ist Schluss // Ruhe vor dem Sturm" vom gerade erschienenen neuen Album auf die Ohren. Live funktionierte es erstaunlich gut, was mich etwas überraschte, aber was soll's – ist ja gut so. Danach war wieder Partyzelt angesagt und mit den ersten Sonnenstrahlen ließen wir uns schlussendlich ins Zelt fallen.

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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