BÜCHERBÖRSE

Southside 2015 - Das war der Samstag

LaBrassBanda brachte die Menge zum Kochen. © Matthias Rhomberg
LaBrassBanda brachte die Menge zum Kochen.

Auf diesem Southside gab es eine kleine Besonderheit. Durch das eher kühle Wetter und die Bewölkung am Himmel ergab es sich, dass man verhältnismäßig lange schlafen konnte, ohne von einer brütenden Hitze geweckt zu werden. Leider verpassten wir hierdurch auch die drei Songcontest-Gewinner Back and Fill, Superheld und Antiheld, von welchen zumindest Letztere wohl gerade am Durchstarten sind.

Somit ging es erst gegen 16 Uhr aufs Festivalgelände, direkt zur Blue Stage. Dort warteten wir sehr gespannt, denn auf diese Band hatte ich schon sehr, sehr lange gewartet – die Counting Crows. Die Schöpfer solch unvergessener Klassiker wie "Mr. Jones", "Big Yellow Taxi" oder "Colorblind" einmal zu sehen, war ein lange gehegter Traum von mir. Schließlich hörte ich das ja früher im Radio, als ich zu Kindergartenzeiten hinten im Auto meiner Eltern gesessen bin. Das ist nun über 20 Jahre her. So kamen sie auch pünktlich und versetzten das spärliche Publikum in Verzückung, da Sänger Adam Duritz mit seinem Aussehen und seiner gewaltigen Stimme auf dem Festival wirklich eine Ausnahmestellung einnahm. Nichts gegen die anderen Künstler, aber das war wirklich eine Hausnummer für sich. Er erklärte auch während des Singens mit Gesten stets, was er gerade sang, was das Konzert zusätzlich ein wenig auflockerte. Leider aber, zumindest aus meiner Sicht, gaben die Zählenden Krähen zwar ihre beiden größten Hits "Mr. Jones" und "Big Yellow Taxi" zum Besten, sie waren aber nicht wirklich am Gesang wiederzuerkennen. Aber man muss nach über 20 Jahren wohl auch einsehen, dass die wievielte Wiedergabe auch immer ein wenig Abwechslung für die Darbietenden verlangt, um selbst nicht dabei einzuschlafen. Danach kamen wir auf dem Rückweg noch bei Turbowolf vorbei, die dem halb gefüllten roten Zelt ordentlich einheizten.

Im Anschluss wollten wir zu NOFX, aber durch die langen Schlangen an den Toiletten und meinen darin gefangenen Mitstreitern kam ich in den Genuss der letzten Lieder von Frittenbude. Diese hatten offensichtlich viel Spaß und auch die Menge ließ sich nicht zweimal bitten, "Mindestens in 1000 Jahren" zum Abschluss mit Inbrunst zu singen.

Bei NOFX dann war es leider nicht allzu spannend. Das ewige Placebo-Bashing war nach dem 3. Mal auch langweilig, wollte aber nie enden. "Let's play the worst song of the whole festival now – every song of Placebo." Ich mag die Band eigentlich, aber das war einfach nur eintönig und wirklich langweilig. Auf dem Hurricane haben sie wohl dasselbe gemacht, nur mit The Gaslight Anthem. Wir sind dann früher gegangen und haben uns mit einiger Mühe zu Olli Schulz ins eigentlich schon überfüllte Zelt gedrängt. Da war was los, wow. Ich hätte nicht gedacht, dass er auch auf der großen Bühne tatsächlich so gut funktioniert. Nach "Die Ankunft der Marsianer" war der größte Moment während unserer Anwesenheit das wunderbare "Als Musik noch richtig groß war". Das Zelt war uns aber wirklich zu voll, deswegen gingen wir nochmal kurz zum Campingplatz, während auf der Blue Stage die Parov Stelar Band ihre Show abzog. Leider überhaupt nicht meins, da ich mit Swing wirklich nichts anfangen kann. Das Ganze dann noch mit Electro gepaart macht es nicht besser.

Nach einer kleinen Ruhephase ging es dann zu Placebo. Auf dem Weg dort hin kam ich noch bei Alt-J vorbei, und ich war wirklich überrascht. Ich habe es schon öfters versucht, aber bislang war der Funke leider noch nicht übergesprungen. Was ich da hörte, war wirklich schön. Aber Placebo war in diesem Moment meine erste Wahl, denn die wollte ich wirklich schon immer mal sehen. Das letzte Mal gingen sich nur 4 Songs aus und das ist auch schon 8 Jahre her. Ich ging vorne in den ersten Wellenbrecher und das war wohl die beste Entscheidung des Tages. Das Konzert war ein Traum, Brian Molko war sehr gut aufgelegt und die Setlist ließ nichts zu wünschen übrig. Leider war von den hinteren Reihen später zu hören, es sei unfassbar öde gewesen. Das hatte mir auch unser Zeltnachbar Yves (von BRMC) im Vorfeld gesagt. Zumindest um mich herum waren die Leute größtenteils sehr beeindruckt und nickten anerkennend mit.

Im Anschluss lief ich zur Blue Stage, wo Deadmau5 gerade im Begriff war, loszulegen. Ich stellte mich ohne große Erwartungen hin und fand die erste Viertelstunde direkt langweilig. Die Maus war in einem doppelten Käfig und infolgedessen nicht einmal richtig zu sehen. Da konnte auch die eintönige Musik nicht helfen. Erst, als der Käfig sich teilte und der DJ zu sehen war, stellte sich eine kleine Besserung ein. Der Bass war wuchtig und ließ den takeOff-Gewerbepark vibrieren. Dies mussten auch leidvoll die Casper-Anhänger in der Red Stage erfahren, wie ich später hörte. Zwischen jedem Lied wackelte das gesamte Zelt. Gruselig. Ein paar Schritte weiter vorne, der Kälte trotzend (es waren mittlerweile noch knappe 5 °C), war die Musik dann doch zu ertragen. Es wurde das Tanzbein geschwungen und der eigentliche Star war, wie so oft bei Acts dieser Art, die Licht- und Lasershow. Das Konzert war aber schneller vorbei als gedacht, was viele Zuschauer erstmal ratlos zurückließ. Ich lief nach hinten Richtung Ausgang, wo ich mir die letzten Minuten von Casper auf der Leinwand vor der roten Bühne anschaute. Obwohl mit DJ, ging die Post ab – sogar vor dem Zelt. Der überzog kräftig, was sogar kurz zu einer Unterbrechung seitens der Verantwortlichen führte, allerdings wurde ihm ein letzter Song gewährt. Man will sich ja nicht gegen 3000+ erwartungsvolle Zuschauer stellen. Danach ging ich schnell zurück zum Zelt und packte mich durchgefroren ein in meinen Schlafsack.

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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