BÜCHERBÖRSE

Full Halle im Summer Festival: Nachbericht

Die Young Fathers waren erwartungsgemäß das Highlight des Full Hit Of Summer Festivals (c) Nata Moraru Photography
Die Young Fathers waren erwartungsgemäß das Highlight des Full Hit Of Summer Festivals

Am Montag hat in der Wiener Arena das Full Hit of Summer Festival stattgefunden, mit einem sensationellen Lineup, aber auch ein paar wütenden Fans. Die kurzfristige Verlegung des eigentlichen Open Air-Events in die Halle hatte zuvor für einen kleinen Shitstorm gesorgt. Das besondere Festivalflair mit Freiluftbühne und Abendhimmel wurde uns also vorenthalten, für die große Facebook-Wut der Fangemeinde dürfte aber vor allem die holprige Kommunikation gesorgt haben.

Schließlich war es nicht gerade ein Meisterwerk der Höflichkeit, nur eine Woche vor dem Event die Verlegung zu verkünden. In einem knappen Facebook-Post wurde damit argumentiert, dass die Künstler allesamt eine Stunde lang spielen und man in weiterer Folge mit der Sperrstundenregelung in Konflikt geraten würde. Ja eh, all das kann aber nichts Neues sein, entsprechend muss das organisatorisch als patschert bezeichnet werden. Dass man die eigentlich schlechte Nachricht dann noch dazu nützt um wegen der geringen Hallenkapazität zum schnellen Kauf der Tickets aufzufordern, ist dann schon richtig dreist. Auf die wütenden Facebookproteste haben die Veranstalter dann noch nicht mal mit einem müden Standardsätzchen geantwortet.

In Sachen Kommunikation ist das, direkt formuliert, scheiße. Zumindest meinerseits ist die Dankbarkeit über das tolle Lineup dann aber doch zu groß, um sich lange darüber aufzuregen. Und so wirklich heiß war es in der Halle nun auch wieder nicht. Also genug der Raunzerei, wer davon noch mehr braucht, kann sich an den - gemessen an der Eventgröße - stattlichen 43 Facebookkommentaren ergötzen. Jetzt aber zu dem wirklich wichtigen, der tollen Musik nämlich.

Young Fathers schlachten die Queen ab

Eröffnen durfte Montagnachmittag das noch weitestgehend unbekannte Indie-Pop-Trio Garden City Movement, das seine israelische Wurzeln hinter sehr angepasster internationaler Musik versteckt. Dass heimische Einflüsse musikalisch keine große Rolle spielen, macht angesichts der Detailverliebtheit aber denkbar wenig aus. Im Gegenteil, Garden City Movement schaffte trotz dem noch bescheidenen Zuspruch einen überaus gelungenen, auch sehr tanzbaren Auftakt. Im Prinzip sieht die Zukunft der noch jungen Band auch rosig aus, man darf sich aber wünschen, dass das Trio einen noch deutlicheren Charakter annimmt.

Charakterlich unverwechselbar ist hingegen das zweite Trio, das das Full Hit Summer Festival bespielte. Young Fathers sind drei Schotten, die sich über ihren noch schmalen Band-Output bereits deutlich von Hip Hop zum Pop hin entwickelt haben. Die Rap-Wurzeln werden aber weiterhin stolz zum Vorschein gebracht und lassen die Arena spätestens mit einer wuchtig-aggressiven Darbietung von "The Queen is dead" erstmals so richtig erbeben. Hier ist ganz anders als am Rest des Festivaltages alles sehr roh, grob und kratzig eingestellt. Die Stimmen krächzen ebenso wie das kantige Schlagzeug. Bevor diese Grobheit zu unschön wird, erobern die Young Fathers mit Ohrwürmern ihres grandiosen neuen Albums "White Men Are Black Men Too" endgültig die Herzen der Fans. Natürlich hilft es auch, das Konzert mit dem wohl besten Popsong des nicht mehr ganz jungen Jahres, "Shame", und dem König der selbigen Aufzählung 2013, "I Heard", beenden zu dürfen.

Country-Club, Orchester und Disco

Das Herz tanzt also vor Freude, der Körper ist mit Adrenalin vollgepumpt und dann, wohin mit der Energie? Es ist, ähnlich wie letztes Jahr am Harvest of Art, wieder mal der Krux eines Eintagesfestivals, das sich musikalisch breit positionieren möchte. Nach dem aufputschenden Schotten-Trio ist mit den Kanadiern Timber Timbre nämlich eher schunkeln angesagt, wenn auch auf allerhöchstem Niveau. Mit ihrem Vorjahreshit "Hot Dreams" haben sie wahrscheinlich sogar den besten Indie-Schunkler der letzten Jahre im Programm. Problematisch ist bei dem sehr souveränen Auftritt eigentlich nur das große Desinteresse des Publikums, das sich eigentlich ab Reihe vier nur noch mäßig für die Band interessiert. Das fördert, gemeinsam mit der Musik, das Gefühl in einer texanischen Country-Bar gelandet zu sein, in der der Auftritt selbst eigentlich nebensächlich ist. Das ist schade, Timber Timbre selbst kann man dabei aber keinen Vorwurf machen.

Weitaus stärker auf das Bühnengeschehen fokussiert ist die Masse dann bei Rhye, dem kanadisch-dänischen R&B-Duo, das seit wenigen Jahren für Furore sorgt. Dabei geben die beiden alles, um nicht auf die beeindruckend feminine Stimme von Sänger Michael Milosh reduziert zu werden. Mit im Gepäck ist daher ein beeindruckendes Instrumental-Ensemble, das der zierliche Milosh wie ein Dirigent führt. In der Halle sorgt das für große Euphorie, mir kommt das alles ein bisschen überinszeniert und eingebildet vor. Wenngleich er fehlerfrei gestaltet ist, lässt der Auftritt einfach ein Funken an Originalität, an Überraschung vermissen.

Nicht ganz unähnlich verhält es sich mit dem Abschluss-Act eines gelungenen Hallentages beim Full Hit Of Summer (Part 1). Dan Snaith aka Caribou legt auf Perfektionismus derart viel Wert, dass er trotz beachtlicher Crew schon beim Soundcheck selber auf der Bühne steht. Das Ergebnis kann sich aber entsprechend sehen lassen. Mit seinem Electronica verwandelt Caribou die Arena in eine Disco, bei der jeder Beat zentimetergenau sitzt und auch die sanfte Stimme perfekt darüber gelegt wird. Vor allem bei den neuen Songs, jenen des Albums "Our Love" aus dem Vorjahr, sorgt diese Perfektion aber auch für eine gewisse Kühle. Zweifelsohne ist es eine faszinierende, detaillierte, ganz genau sitzende Kühle, aber eben dennoch eine Kühle.  

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook