BÜCHERBÖRSE

The Full Hit of Summer ging in die 2. Runde

Father John Misty live am Full Hit of Summer Festival © Petra Püngüntzky
Father John Misty live am Full Hit of Summer Festival

Hagelte es für den ersten Tag des Full Hit of Summer Festivals Ende Juni trotz des sensationellen Line-Ups noch heftige Kritik wegen der spontanen Verlegung von der Open Air Bühne in die Große Halle der Arena Wien, war vergangenen Dienstagabend – beim zweiten Teil des Festivals – von schlechter Laune weit und breit keine Spur. Obwohl gesagt sein muss, dass auch dieses Mal die Kommunikation hinsichtlich des gestrichenen dritten Acts nicht das Gelbe vom Ei war. Mit lediglich zwei Künstlern (Father John Misty und The War On Drugs) fühlte sich der Abend nicht gerade wie ein Festival an.

Nailed it!

Fünf Minuten vor dem offiziellen Beginn herrschte in der Arena Wien noch gähnende Leere, was sich aber schnell ändern sollte, als Joshua Tillman aka Father John Misty mit "I Love You, Honeybear" sein einstündiges Set eröffnete, das vorrangig Lieder des gleichnamigen Albums beinhaltete. In der ersten Hälfte spielte der Singer-Songwriter einen Song nach dem anderen – ohne die kleinste Unterbrechung. Doch sein Auftritt schien auch keine Zwischenansagen zu benötigen. Mit großen Gesten, wilden Bewegungen und seiner starken Stimme nahm er die Halle schon nach kürzester Zeit für sich ein und sorgte für rege Begeisterung.

Erst vor seinem Hit "Bored in the USA" richtete er ein paar Worte an das Publikum. Dem heiligen Father kam bei all seinen Kommentaren kein einziges Mal ein Lächeln über die Lippen, was die Momente noch viel unterhaltsamer machte. Als er beispielsweise eine hohe Tonabfolge sang, die die ZuschauerInnen zum Jubeln brachte, unterbrach er den Song mit einem emotionslosen "Nailed it!", um anschließend mit der Nummer fortzufahren, als wäre nichts geschehen. Auch der abrupte Abgang des ehemaligen Schlagzeugers der Fleet Foxes hatte verdammt viel Charme. Die Intensität des Sounds bäumte sich bei "The Ideal Husband" immer mehr auf, Father John Misty gab sich dem Rhythmus am Boden liegend oder den Mikrofonständer in die Luft schleudernd hin und stürmte beim letzten Ton ohne große Verabschiedung von der Bühne. Oh Father, you definitely nailed it!

Wuchtige, (etwas zu) großzügige Arrangements

Während des Umbaus wechselten die Fan-Fraktionen in den ersten Reihen ihre Plätze. Wo bei Father John Misty noch vorrangig junge Mädchen um seine Aufmerksamkeit kämpften, tummelten sich für The War On Drugs vor allem Männer mittleren Alters. Kaum betrat die Band pünktlich um 21:30 Uhr die Bühne, gab es für die Hardcore-Fans auch kein Halten mehr. Sie stampften zu jedem Beat, spielten energisch Luftgitarre und streckten immer wieder die Arme nach ihrem Idol, Sänger Adam Granduciel, aus. Dieser konzentrierte sich allerdings voll und ganz auf seine Musik und hatte die meiste Zeit über seine Augen geschlossen, um sich seinem Gesang und dem wuchtigen Gitarrenspiel hinzugeben.

Erst im vergangenen Jahr gelang The War On Drugs mit dem Album "Lost In The Dream" der Durchbruch. Seither werden sie von allen Seiten als heiße Empfehlung gehandelt. Live nahmen sich Granduciel und Band in der Arena Wien sehr viel Zeit für ihre Songs. Für leidenschaftliche Fans sicherlich eine große Freude, zwei Stunden lang ausgedehnte Versionen ihrer Lieblingstracks zu hören, doch für mich hinterließen die großzügigen Arrangements sehr schnell einen sehr monotonen Eindruck. Da hätten jeweils 1,5 Stunden Spielzeit pro Künstler dem Full Hit of Summer Festival bestimmt gut getan.

Bilder: © Petra Püngüntzky

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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