BÜCHERBÖRSE

FM4 Frequency Festival 2015 - Das war Tag 1

Casper als Headliner live am FM4 Frequency Festival 2015 (c) Petra Püngüntzky
Casper als Headliner live am FM4 Frequency Festival 2015

Das Frequency feiert heuer 15 Years of Festival Madness! Für die Jubiläumsausgabe haben sich die Veranstalter besonders ins Zeug gelegt: Ein neuer Geländeplan wurde präsentiert, bei dem der Night Park nicht mehr außerhalb des Kerngeländes liegt, sondern mittendrin. Auch kulinarisch wurde aufgestockt: Neben der altbekannten Asia- oder Donut-Ständen finden sich nun Food Trucks, ein Bistro und ein Biergarten. Wenig Überraschung bot hingegen das Line-up des ersten Tages. 

Ein verhaltener Festivalbeginn

Tag 1 des FM4 Frequency Festivals begann gatschig und wolkenbedeckt, nicht einmal für einen kurzen Augenblick wollte sich die Sonne zeigen. Leider gab es auch auf den Bühnen des Green Parks wenige Lichtblicke. Als am frühen Nachmittag die Mighty Oaks auf der Space Stage und die talentierten Österreicher von Farewell Dear Ghost auf der Green Stage ihre Auftritte bestritten, mussten beide ein wenig gegen den Anreisetag ankämpfen, weil die meisten BesucherInnen noch damit beschäftigt waren, ihr Hab und Gut auf den Zeltplatz zu schleppen und ihre Unterschlüpfe für die nächsten Tage aufzubauen.

Auch bei Chuck Ragan, der anschließend die Space Stage bepielte, war das Publikum noch sehr locker besetzt. Lediglich in den ersten paar Reihen tummelte sich seine treue Fan-Gemeinde, die schon beim Soundcheck fleißig mitsang und gute Stimmung verbreitete. Diese zog sich sogar noch durch das Set von Bad Religion. Als alte Hasen sind sie immer wieder gern gesehene Festivalgäste, aber hat man sie einmal gesehen, kennt man gefühlt alles. Der blutjunge Jesper Munk, der indessen auf der Green Stage vor ein paar jungen Mädchen sein musikalisches Können zeigte, hinterließ leider ebenfalls keinen bleibenden Eindruck.

Zugegeben, The Script waren mir zwar namentlich ein Begriff, doch zuordnen konnte ich die Band nicht. Als Daniel O'Donoghue auf die Bühne hopste, erkannte ich ihn vorerst bloß als Juror der Castingshow The Voice UK wieder – ja, ich bleibe manchmal bei so einem Kram auf YouTube hängen. Bei "Breakeven", das der Sänger gleich zu Beginn des Sets anstimmte, machte es dann aber Klick, ich kenne sie ja doch. Die Show war ziemlich enttäuschend: Jede Geste einstudiert, der Sänger viel zu aufgesetzt und glatt gestriegelt. Hatte irgendwie Castingshow-Charakter, also zumindest die Besetzung ist gelungen.

Kein Fan vom Festivalpublikum

Für mich ging es dann doch lieber zu José González auf der Green Stage, der niemand Geringeren als William Fitzsimmons als Zuschauer ins Publikum lockte, obwohl dieser erst am zweiten Tag auf der Space Stage aufspielen wird. Jedes Konzert des schwedischen Singer-Songwriters ist ein wahrer Genuss für die Ohren und eine sehr willkommene Abwechslung auf dem sonst so lauten Festival. Dass die leisen Töne und sein fragiler Gesang eine Herausforderung für das junge, dauerbesoffene Frequency-Publikum darstellen würde, hatte ich im Vorfeld bereits befürchtet. Aber das Ausmaß an Respektlosigkeit und Unaufmerksamkeit hat mich doch überrascht. Bitte geht doch einfach ganz weit weg von der Bühne – am besten zu diesen fragwürdigen Utzutz-Partyplätzen, die zwischen den beiden Hauptbühnen platziert wurden.

Auch Alt-J mussten phasenweise um die Aufmerksamkeit des Publikums kämpfen. In der ersten Hälfte ihres Sets gelang ihnen das noch ziemlich gut, diese war nämlich gespickt mit Hits ihrer beiden Longplayer. Der zweite Teil schwächelte aber gewaltig. Die Songs wurden ruhiger, die Fans immer ungeduldiger. Erst bei "Breezeblocks" zum Finale konnten sie das Ruder noch einmal umreißen und die Meute für das laute Abendprogramm vorbereiten. 

Laute Töne zu später Stunde

Zu späterer Stunde waren die Hip-Hop-Formation K.I.Z. auf der Green Stage und Major Lazer auf der Space Stage an der Reihe. Wir waren bei Letzteren am Start – was ging denn da auf der Hauptbühne ab? Klar, dass das leicht zu unterhaltende Festivalpublikum bei so einer einfältigen Show komplett durchdrehen musste. Aber bei aller Liebe: Im Day Park hatte das nichts zu suchen.

Also schnell Bühne wechseln und Ellie Gouldings Goldkehlchen lauschen. Sie bedient zwar eine Mainstream-Ecke, die mit FM4 nicht viel am Hut hat, aber legte trotz anfänglicher Skepsis einen verdammt guten Auftritt hin. Energiegeladen tanzte die junge Britin auf der Bühne umher und schleuderte der feiernden Menge einen Hit nach dem anderen entgegen: "Starry Eyed", "Lights", "Burn" oder "Love Me Like You Do" – alles war dabei; die Menge tobte.

Das große (so perfekte) Finale

Für das Finale des ersten Tages musste man sich zwischen The Chemical Brothers auf der Space Stage und Casper auf der Green Stage entscheiden. Obwohl er bereits ein (willkommener) Dauergast auf österreichischen Festivals ist, fiel meine Wahl auf den deutschen Rapper. Und was soll man zu seinen Shows eigentlich noch sagen? Es war ein Abriss der Extraklasse! Ich hätte nicht gedacht, dass sich Casper nach all den gelungenen Auftritten in der Vergangenheit noch steigern könnte, aber dieser Kerl wird einfach niemals müde. Über eine Stunde sprang er wie wild von einer Bühnenecke zur anderen und stellte wie immer eine unfassbare Verbindung zum Publikum her. Da wurde bis in die hintersten Reihen mitgesprungen, getanzt, gesungen und für "Mittelfinger hoch" die Mittelfinger in die Höhe gestreckt. Erste österreichische Festival-Headlinershow mit Bravour gemeistert, Herr Griffey.

Alles in allem ein solider Start in den Festivalwahnsinn, der viel Luft nach oben lässt. Für mich geht's jetzt wieder ab auf's Gelände für Tag 2. Auf dem Programm stehen unter anderem William Fitzsimmons, DAWA, Josef Salvat, Frittenbude, Simple Plan und Kwabs.

Bilder: © Petra Püngüntzky

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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