BÜCHERBÖRSE

FM4 Frequency Festival 2015 - Das war Tag 2

Kwabs live am FM4 Frequency Festival 2015 (c) Petra Püngüntzky
Kwabs live am FM4 Frequency Festival 2015

Der Wettergott meinte es am zweiten Tag des FM4 Frequency Festivals gut mit den jungen FestivalbesucherInnen, zwischendurch schickte er sogar ein paar Sonnenstrahlen in den Green Park. Gar so heiter sah es auf dem Konzertgelände allerdings nicht aus – tagsüber kaum Publikum vor den Bühnen und insgesamt wenige musikalische Highlights. Obwohl der Tag mit Auftritten von William Fitzsimmons, DAWA und Josef Salvat vielversprechend begann, ließ er zu fortgeschrittener Stunde stetig nach.

Die drei Highlights des Tages

Mein Tag 2 wurde auf der Space Stage mit sanfteren Klängen eingeläutet. Zunächst verzauberte William Fitzsimmons die locker besetzten Publikumsreihen mit seiner samtweichen Stimme. "Das ist einfach nur schön", hörte man einige Mädchen immer wieder schwärmen. Und das war es wirklich. Wer den Mann mit Glatze und Rauschebart kennt, bekam gestern eine völlig neue Seite des Künstlers zu sehen: Für das Festival baute er elektronische Beats in seine Songs ein und schlug mit seiner zweiköpfigen Band phasenweise fast schon laute Töne ein. Am Ende hüpfte Fitzsimmons sogar im Takt, als es sich seinem Gitarrenspiel hingab.

Die Wiener Band DAWA setzte fort und erwähnte mindestens 15 Mal während ihres Sets, wie geil es ist, auf der Hauptbühne auftreten zu dürfen. Selbst zwei gebrochene Wirbel der Cellistin Laura Pudelek konnten sie nicht davon abhalten, den Gig zu bestreiten. Das ist Rock'n'Roll pur und das ist auch gut so! Denn so einen großartigen, alternativen Sound aus Österreich darf man dem heimischen Festivalpublikum auf keinen Fall vorenthalten.

Bevor es auf der Space Stage weiterging, führte mich die Empfehlung einer Freundin zur Weekender Stage, wo Josef Salvat gerade die Bühne betrat. Vor viel zu kleinem Publikum gab der in London lebende Australier Einblicke in sein Musikrepertoire, das irgendwo zwischen Pop, Elektronik und Singer-Songwriter-Kunst angesiedelt ist. Die wenigen Anwesenden waren begeistert von der gefühlvollen Stimme und tanzten bis zum Schluss unaufhaltsam mit.

Von mäßig gut bis grottenschlecht

Ein großer Teil der BesucherInnen machte sich indessen bereit für The Wombats. Britpop vom Feinsten, nicht aufregend, nicht erinnerungswürdig. Auf der Green Stage spielte einstweilen eine Band auf, von der ich ja eigentlich dachte, ihre Zeit wäre schon längst vorbei. Dabei veröffentlichten Frittenbude sogar erst gestern ihr viertes Studioalbum. Der Auftritt war gar nicht mal so schlecht, überragend aber leider auch nicht.

Schon am späten Nachmittag bildete sich vor dem Autogrammzelt eine lange Schlange. Grund dafür war der Besuch von Simple Plan, die kurz nach 20 Uhr die Space Stage rockten. Wobei "rocken" doch etwas übertrieben ist. Vielmehr wirkten sie wie eine überproduzierte Boyband, bei der jeder Schritt geprobt, jedes Grinsen aufgesetzt und jedes Fingerzeig ins kreischende Publikum vor dem Spiegel geübt wurde. Bei so viel aalglatter Show konnte ich mich nicht einmal über ältere Songs freuen, die ich vor acht oder neun Jahren gerne gehört habe. Naja, Hauptsache die Menge tobte.

Immer noch kein Fan vom Festivalpublikum 

Kwabs, der im Moment sehr hoch gehandelt wird, durfte als Co-Headliner auf der Green Stage auftreten. Das ist eine ziemlich beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass sein Debütalbum erst im September erscheinen wird. Die neue Soul-Hoffnung fühlte sich auf der großen Bühne sichtlich wohl, tanzte ausgelassen, überzeugte mit seiner Stimmgewalt und animierte die Anwesenden anfangs noch zum Klatschen und Schunkeln. Je weiter sich sein Set, das übrigens bloß 45 Minuten dauerte, dem Ende näherte, desto unruhiger wurde es im Publikumsbereich. "Seid ihr auch für The Offspring da?", wurde ich innerhalb von zehn Minuten bestimmt drei Mal gefragt. Die Menschen versuchten ihr Desinteresse gar nicht zu verstecken, vielmehr wendeten sie sich bewusst von der Bühne ab, schrien ihren Freunden – aufgrund der lauten "Hintergrund"musik – Saufgeschichten entgegen oder setzten sich mitten in der Menge einfach hin – bis ... ja, bis DER HIT kam natürlich. Bei "Walk" drehten nämlich selbst Offspring-Fans durch.

Anstatt der offensichtlichen Wahl zwischen The Offspring auf der Green Stage und The Prodigy auf der Space Stage (beide gefühlt jedes Jahr entweder am Nova Rock oder Frequency zu sehen) entschied ich mich für Ages im Nightpark. Ein undankbarer Slot, zeitgleich mit den Hauptacts des Abends auflegen zu müssen. Deshalb verzögerte sich ihr Set auch ein wenig, um zumindest abzuwarten, bis eine handvoll BesucherInnen sich in der Halle eingefunden hatte. Schad' drum!

Jetzt geht's ab in den Finaltag, dessen Line-Up mich befürchten lässt, dass es sich um den schwächsten Festivaltag handeln wird. Mit dabei sind unter anderem Darwin Deez, Mad Caddies, Alligatoah, TV On The Radio, Kendrick Lamar, Interpol und Linkin Park.

Bilder: © Petra Püngüntzky

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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