BÜCHERBÖRSE

FM4 Frequency Festival 2015 - Das war Tag 3

Interpol live am FM4 Frequency Festival 2015 © Petra Püngüntzky
Interpol live am FM4 Frequency Festival 2015

Das FM4 Frequency Festival 2015 ist schon wieder Geschichte; die Geburtstagssause zum 15. Jubiläum nahm gestern trotz Vielschichtigkeit des Tages-Line-Ups ein unspannendes Ende. Da konnte auch die strahlende Sonne nichts beschönigen. Für die Festivalgäste hieß es noch ein letztes Mal die Vorzüge der Traisen auskosten, bevor es für sie ans Zelt abbauen und Lieblingsbands abfeiern ging.

Ein Genresprung nach dem anderen

Darwin Deez, die mir bloß durch ihre beiden Hits "Constellations" und "Radar Detector" ein Begriff waren, machten den Anfang auf der Space Stage und brachten so viel gute Laune mit, dass man als ZuschauerIn unweigerlich damit angesteckt wurde. Mit dem anschließenden Auftritt der Punkrock-Band Against Me! kam sogleich eine 180-Grad-Wendung, die im Publikum wenig Anklang fand.

Eine für die Uhrzeit unübliche Menschenmenge versammelte sich stattdessen lieber vor der Weekender Stage bei Gengahr. Diese galten mit ihrem psychedelischen Sound als spannender Geheimtipp und konnten meinen Erwartungen gerecht werden. Schade nur, dass sie ihr Set um gut 20 Minuten verkürzten. Gleich im Anschluss gab's dann auf der Space Stage Ska-Punk der Mad Caddies um die Ohren. Naja, wirklich mitreißen konnten sie das Publikum nicht.

Hilfe, wo kommen die vielen Menschen her?

Und schon stand der nächste Stilwechsel auf dem Programm. Allgatoah lockte mit seiner fragwürdigen Show zum ersten Mal richtig viele Menschen – oder besser gesagt Kinder – vor die Space Stage. Bei den Texten, die natürlich nahezu jeder mitgröhlen konnte, und den unzähligen seichten Witzen war mir nur noch zum Fremdschämen zumute.

Schneller Bühnenwechsel zu Enter Shikari: Auch vor der Green Stage fanden sich überraschend viele Festivalgäste ein, um sich von der britischen Hardcore-Band mitreißen zu lassen. Besonders Sänger Roughton Reynolds heizte der Menge ordentlich ein. Wie ein verrückter Hamster in seinem Rädchen flitzte er unaufhaltsam über die Bühne – das Publikum tat es ihm gleich und drehte seine Runden im Circle Pit.

Zurück bei der Space Stage langweilte Fritz Kalkbrenner die Massen. Selbst in den ersten Reihen standen alle wie angewurzelt da. Kein Wunder, man konnte den DJ auf seinem hohen Pult nicht einmal sehen. Schnarch, da sind ja sogar die Umbaupausen spannender. Eine etwas ältere Besucherschicht versammelte sich indessen vor der Green Stage für TV On The Radio. Ein großartiger Auftritt einer grandiosen Band, die nicht auf große Gesten setzte, sondern ganz allein mit ihrer Musik punkten konnte.

King Kendrick feiert sein Österreich-Debüt

Könige lassen ja gerne auf sich warten. 20 Minuten waren es bei "King" Kendrick Lamar, der mit seinem Auftritt auf der Space Stage sein Österreich-Debüt feierte. Fans des Rappers konnten ihr Glück kaum fassen und so rief beispielsweise ein Junge in der ersten Reihe ungläubig: "Das ist Kendrick Lamar! Das ist wirklich Kendrick Lamar?!" Ja, das war er! Der Hype um das Rap-Genie ist riesig. Ich konnte zugegebenermaßen bislang wenig mit seiner Musik anfangen, muss aber gestehen, dass selbst mich die Performance am FM4 Frequency Festival überzeugen konnte.

Gespaltenes Festivalpublikum zum Finale

Während sich vor der Space Stage ein vorwiegend junges Publikum einfand und wahnsinnige 50 Minuten Umbaupause für die Nu-Metal-Legenden von Linkin Park auf sich nahm, spalteten sich die älteren Festivalgäste ab, um auf der Green Stage dem Set von Interpol zu lauschen. Der düstere Sound, der optisch durch spärliche Beleuchtung und dichten Nebel untermalt wurde, war bestimmt nicht jedermanns Sache. Wenn man aber bereit war, sich darauf einzulassen, war der Auftritt durch und durch gelungen und viel zu schnell vorbei. Der Platz räumte sich, noch bevor Martin Garrix die Bühne enterte, und auch ich trat fluchtartig meinen Heimweg an.

Ich würde jetzt gerne abschließend schreiben: "See you next year, Frequency Festival!" Aber nach dieser enttäuschenden Ausgabe bin ich mir da leider noch nicht so sicher...

Bilder: © Petra Püngüntzky

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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