BÜCHERBÖRSE

Don't Miss The Hype: Dr. Dre – "Compton"

Dr. Dre (CC) Commondr3ads
Dr. Dre

Normalerweise werden an dieser Stelle Neuerscheinungen der Musikszene auseinandergenommen, doch diesen Monat ist alles anders. Da ich immer schon besser im Loben als im Kritisieren war, wird diesmal ein Album gefeiert anstatt zerfetzt.

Nach 16 langen Jahren ist endlich das dritte und aktuelle Studioalbum von Rapper Dr. Dre unter dem Titel "Compton" erschienen. Wenn wir ehrlich sind, reicht Dres Ruf als "erster Hip-Hop Billiadär" alleine aus, um das Album Millionen Mal zu verkaufen, ohne dass es großartig klingen müsste. Großartig scheint allerdings das Einzige zu sein, was Dr. Dre kann. Kurz gesagt: Er macht seinem Ruf alle Ehre. Das Album klingt gut.

Zuerst – wie für ein Dre Album nur recht und billig – zu den Beats: "Compton" ist lebhaft und dynamisch. Auf pochende Funk-Bässe folgen Jazz Elemente, akustische Gitarren und mitreißende Schlagzeugsquenzen. Die Beats sind geschmeidig, laufen ineinander über und erzählen eine Geschichte ohne Lyrics. Die Geschichte einer Stadt – von deren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Das Intro, eine alte Nachrichtensendung, erzählt über die Wandlung von Compton vom schwarzen Mittelstandsparadies zum Ghetto, in dem nur eine Sprache verstanden wird: Gewalt. Danach werden durch Songs wie "It's all on me" der Traum vom Ausbruch aus der Stadt in ein besseres Leben beschreiben. Das Album endet mit der Nummer "Talking to my Diary" in der ein nachdenklicher Dr. Dre über seine eigene Karriere nachdenkt.

"I used to be a starving artist, so I would never starve an artist. This is my passion, it's where my heart is ..."

Dieser Titel zeigt neben der Tatsache, dass auch Dre es nicht immer leicht gehabt und einmal klein angefangen hat vor allem eines: Dre ist nicht nur ein außergewöhnlicher Produzent, sondern ein genauso guter Rapper. Jede seiner Zeilen sitzt und keine einzige Silbe zerstört Rhythmus und Stimmung des Songs. Der Perfektionismus, der dem 50-Jährigen stets vorgeworfen wird, fällt bei dieser Komposition am meisten auf.

Neben der richtigen Wahl der Beats und einem ausgezeichneten Flow, greift Dre auch zu den richtigen Koproduzenten. Mit dabei sind unter anderem Kendrick Lamar, Ice Cube und The Game, aber auch eher unbekannte Newcomer wie King Mez und Justus. Besonders glänzt meiner Meinung nach Snoop Dogg, der in "One Shot One Kill" so authentisch klingt, dass man ihn fast nicht erkennt. Die Reime sitzen und gehen einwandfrei ins Ohr. Eminem, der schon mehr als hervorragende Nummern mit Dre aufgenommen hat, enttäuscht hingegen. Sein Auftritt in "Medicine Man" wirkt viel zu aggressiv und aufgesetzt und nagt beträchtlich an der Harmonie des Albums.

Obwohl ich wenig überrascht bin, dass es Dre erneut gelungen ist, ein solides Album auf die Beine zu stellen, das Potenzial als Absprungbrett für vielversprechende Newcomer bietet, bin ich einfach beeindruckt. So spät in seiner Karriere – Dre ist seit mittlerweile 30 Jahren im Geschäft – noch einmal so stark aufzutreten, verlangt viel Zeit, Herz und Können.

Julia Kreuzer

Julia Kreuzer | Redakteurin

julia.kreuzer (ät) unimag.at

Studiert Kultur - und Sozialanthropologie an der Uni Wien

Liebt es anderen Ratschläge und Tipps zu geben, kennt die Lösung ihrer eigenen Probleme aber nur selten

Hasst Beistriche und Doppel S fast genauso sehr wie Zahlen

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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